Kolumne Nachtgestalten

Liebe Leute – Hilfe!

Schlafsäcke und Isomatten liegen bei Ihnen ungenutzt auf dem Dachboden oder im Keller? Hier können sie Leben retten, so Dieter Puhl.

Dieter Puhl bittet um Kleiderspenden für obdachlose Menschen.

Dieter Puhl bittet um Kleiderspenden für obdachlose Menschen.

Foto: pa/Montage BM

Sie reagieren eigentlich immer sensibel und schnell auf meine kleinen Hilferufe, das ist heute nun wieder einer und er ist dringend. Am 1. November starten unsere nunmehr drei Kältebusse und zusätzlich sogar noch ein Suppenbus. Was gar nicht geht: Wir haben nur noch einen Schlafsack im Keller. Liebe Leute – Hilfe!

Vieles läuft doch echt gut, vor Wochen bat ich hier um Bekleidung für obdachlose Menschen, und noch immer kommen Leserinnen und Leser der Berliner Morgenpost vorbei und bringen uns Jacken, Hosen, Pullover und anderes. Eigentlich jeden Tag. Und viele nehmen dabei Mühen in Kauf, wir können die Sachen leider nicht abholen, nicht jede und jeder ist jung an Jahren. Das war gestern eine wundervolle Begegnung, ja – manche organisieren Helfer und bezahlen sogar ein Taxi. Lieben Dank! Danke auch an Herrn Walter, er ist 72 Jahre alt und sammelt seit neun Jahren für uns, organisiert vieles. Manches Päckchen Kaffee fand über ihn den Weg zu uns.

Und jeden Tag kommen Pakete aus dem gesamten Bundesgebiet, manchmal sogar aus dem Ausland. Liebe verbindet. Das tut umso mehr gut, weil anderes ja gerade aktuell in unserer Gesellschaft bröckelt. Auch hier – Nächstenliebe ist oft der Kitt, der uns beieinander hält.

Erwähnen möchte ich auch den leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bahn, wir sind befreundet, er ist recht gut beruflich ausgelastet. Oft Oberkante. Nun fährt er künftig an den Wochenenden freundliche Menschen ab, die uns die Sachen nicht bringen können und erledigt den Transport persönlich. Auch hier – danke.

Etliche Hilfen kosten ja aber Geld, auch das fehlt fast immer, da entlastet es doch sehr, wenn uns der Lions Club Grunewald zu seinem Jubiläum 23.000 Euro überreicht. Diese Freunde, es ist nicht die erste Hilfe, hatten sich zuvor gründlich informiert. Das Geld finanziert einen Teil der Arbeit der Kältebusse. Ziemlich stark und ungeheuer viel – auch hier: Danke.

Nun sind aber wenige in der Lage, solch eine Summe zu spenden. Zehn Euro oder 20 Euro helfen auch sehr; das sind schon viele, die uns hier vertrauen. Zu unserer Notlage aber: Bitte schauen Sie in Ihre Schränke oder Ihren Hängeboden, bitte her mit dem Schlafsack, gerne auch mit der Iso-Matte; bei Ihnen liegen sie herum – hier können sie Leben retten. Wir müssen schauen, ob wir in diesem Winter die selbe Anzahl von Notübernachtungsplätzen in Berlin anbieten können, Covid-19 und durchaus sinnvolle Abstandsregeln erschweren gerade vieles.

Dann soll ich Sie noch von meiner Kollegin Karen Holzinger grüßen, sie ist für die Kältebusse zuständig und froh und stolz. Der Suppenbus wird vielen Menschen zusätzlich helfen. Tagesaufenthalte fehlen gerade – da ist diese Hilfe noch wichtiger. 5000 Euro kostet sie pro Monat, für Logistik, Fahrzeug, Personal. 10.000 Euro hat Karen Holzinger zusammen, der November und Dezember sind somit gesichert, der Winter aber ist lang. Mitte November erhalte ich Weihnachtsgeld und ja, ein Teil davon wird gespendet. Sind Sie dabei?

Es gibt viele gute Projekte in Berlin, tolle Träger und Anbieter von Hilfen. Wen Sie unterstützen ist egal, Hauptsache, es wird geholfen. Schauen Sie bitte mal in der Einrichtung bei Ihnen um die Ecke rein und fragen, wie Sie helfen können? Die Kolleginnen und Kollegen werden sich freuen! Passen Sie auf sich auf und kommen sie unbeschadet durch die Zeit – ein gutes Wochenende.