Kolumne Nachtgestalten

Auf Sie ist einfach Verlass!

Dank an alle Leserinnen und Leser, die für die Kleiderkammer gespendet haben – und eine besondere Einladung am heutigen Tag.

Dieter Puhl schreibt jede Woche für die Berliner Morgenpost.

Dieter Puhl schreibt jede Woche für die Berliner Morgenpost.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Letzten Sonnabend bat ich Sie an dieser Stelle um Ihre Mithilfe und Unterstützung, in unserer Kleiderkammer für obdachlose Menschen fehlte das wichtigste, nämlich gute und geeignete Bekleidung und Ruck- und Schlafsäcke. Für mich ist das nicht neu: Auf Sie ist einfach Verlass! Viele von Ihnen machten sich sofort auf den Weg zur Berliner Stadtmission in die Lehrter Straße 68. Das hält an, unsere Notlage ist als solche beseitigt; das soll Sie aber bitte nicht abhalten, uns weiter zu unterstützen. Jeden Tag versorgen wir hier ja 100 bedürftige Menschen. Etliche von Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, traf ich persönlich vor unserem Hauptgebäude – allen anderen sage ich gerne hier: Von Herzen danke! In Notzeiten rückt Berlin stets zusammen.

Der Sommer war schwierig für obdachlose Menschen und auch für die Träger der Sozialarbeit. Weil wir aber einen zupackenden Senat haben, der dicht bei den obdachlosen Menschen ist, wurde vieles recht gut bewältigt. Die Republik beneidet uns um diese Politik, und wenn ich heute schon dabei bin, mich zu bedanken: Auch hier herzlichen Dank an die politischen Gestalter.

Heute nun aber ist der 12. September, die Arbeit geht weiter, das Wetter ist prächtig. Doch einige treibt die Sorge um, wenn sie an den kommenden Winter denken. Erste Hilfen starten ja bereits im Oktober, der Rest der Kältehilfe folgt dann im November. Dieser Winter aber wird ein anderer sein. Die Standards der letzten Jahre werden so nicht zu halten sein – es ist Abstand zu halten, Gefährdungen sind zu vermeiden. Was kommt auf unsere Gäste zu, was auf die Kollegen?

In Gemeinschaftsunterkünfte liegen die Menschen sonst dicht beieinander, manchmal sehr dicht. In den letzten Wintern erhöhten sich die Platzzahlen für obdachlose Menschen in Berlin auf rund 1200, viel Not konnte so gelindert werden. Die letzten Winter hatten die Bezeichnung aber kaum verdient. Sackten die Temperaturen mal in den Keller, dann nur gering und eher kurzfristig.

Ich habe da aber noch andere Erinnerungen an Wintermonate: Minus 20 Grad, das über einen längeren Zeitraum. Vermutlich werden wir nun bei solchen Temperaturen nicht mehr einfach nachts die U-Bahnhöfe für obdachlose Menschen öffnen, Covid-19 wird spontane Hilfen erschweren. Gibt es aber genügend Ausweich- und Ersatzquartiere, stehen ausreichend finanzielle Möglichkeiten für zusätzliche Hilfen zur Verfügung? Was ist mit zusätzlichem Personal? Wirft man es einfach ins Wasser oder ist Zeit, es zu schulen? Die Fragen sind nicht neu, einige stellen sie seit Wochen und werden langsam unruhig. Wie so oft im Leben hat das etwas mit Vertrauen zu tun, etliche und auch ich vertrauen darauf – das wird schon werden. Aber die Uhr tickt von Tag zu Tag lauter.

Kurzer Themenwechsel: Ich freue mich auf den heutigen Tag – um 15 Uhr wird der neue Direktor der Berliner Stadtmission, Dr. Christian Ceconi, im Rahmen eines Gottesdienstes durch den Bischof in sein Amt eingeführt. Seit Wochen ist er mein neuer Chef, und ich plaudere mal vorab aus der Schule: Er hat eine Menge auf dem Kasten, ist ein entspannter und humorvoller Mensch – , eine gute Kombination. Mit Abstand und trotzdem beieinander: Der Gottesdienst mit Picknick ist in der Lehrter Straße 68. Herzliche