Nachtgestalten

Die Stadt rückt zusammen und wir spüren es

Jesus ist der Chef! Es gibt aber auch tolles Bodenpersonal – wie sich Helfer und die Stadtgesellschaft für Obdachlose engagieren.

Dieter Puhl arbeitet seit 27 Jahren in der Wohnungslosenhilfe der Berliner Stadtmission, seit 2019  führt er die Stabsstelle für christliche und gesellschaftliche Verantwortung. Er schreibt jeden Sonnabend an dieser Stelle.

Dieter Puhl arbeitet seit 27 Jahren in der Wohnungslosenhilfe der Berliner Stadtmission, seit 2019 führt er die Stabsstelle für christliche und gesellschaftliche Verantwortung. Er schreibt jeden Sonnabend an dieser Stelle.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Kaum etwas aber ist bei uns, wie es vorher war. In einem ungeheuren Tempo entwickeln wir Nothilfen für obdachlose Menschen, für Bedürftige, Einsame. Kolleginnen und Kollegen sahen und sehen angespannt aus, die Arbeitstage waren vorher schon lang, kürzer sind sie nicht geworden. Dieses hohe Tempo haben gerade viele in der Stadt.

Andere Anbieter von Hilfen sind auch kreativ und fantasievoll und fleißig, die Bezirke, die Verwaltungen, der Senat – das ist für alle Oberkante. Kaum jemand aber stöhnt, viele haben sogar Freude daran, gestalten zu dürfen. Und genügend Disziplin, wir befinden uns gerade alle in einem Ausnahmezustand, haben auch alle. Ausreichend Schlaf, Erholung, Urlaub – wir vertrauen darauf, das kommt wieder, wenn die Zeiten besser sind.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Kältehilfen, Notübernachtungen, neue Wohnformen entstehen, ich arbeite knapp 30 Jahre in dem Bereich, solch eine Geschwindigkeit gekoppelt mit guten Qualitäten habe ich noch nie erlebt.

Der Verein Berliner helfen der Berliner Morgenpost – es wurde darüber berichtet – unterstützt den Kältebus der Berliner Stadtmission mit 10.000 Euro. Er würde zu normalen Zeiten seine Arbeit einstellen, fährt in den nächsten Wochen aber auch am Tag, um obdachlose Menschen zu versorgen. Berliner helfen hat uns bereits oft unterstützt. Als Leiter der Bahnhofsmission Zoo erfuhr ich häufig Beistand, wenn wir in Not waren, aber auch viele andere Einrichtungen blicken dankbar auf erhaltene Hilfen zurück. Und natürlich habe ich mich bereits bei Petra Götze bedankt, die den Verein beieinander hält, natürlich auch bei der Chefredakteurin Christine Richter.

Heute möchte ich mich aber bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bedanken, Sie sind es, die das Geld spenden und zur Verfügung stellen. Merci von Herzen – im Namen vieler!

Die Stadt rückt zusammen und wir spüren es. Viele greifen zum Telefonhörer und fragen, wie sie helfen können. Gut so und danke – und das dürfen sogar noch mehr werden. Rolf Erfurt von der BVG koordiniert gerade viele tolle Angebote für bedürftige Menschen. Hotels und Restaurants greifen uns unter die Arme, exemplarisch sei hier nur Frank Hörl für das Hotel Indigo Berlin und das Alexanderplatz Holiday Inn Berlin genannt, Ivo Ebert aus dem einsunternull packt mit seiner Mannschaft Notpäckchen und mehr. Es ist unmöglich alle aufzuzählen – Danke!

Nico Rosberg bietet Unterstützung an

Während ich das schreibe, meldet sich Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg und bietet seine Unterstützung an. Seitdem er bei der Stadtmission einen Tag mitarbeitete, ist er gegenüber obdachlosen Menschen noch dünnhäutiger. Bei der Deutschen Bahn gibt es die lange Tradition der Hilfen für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite leben – unter anderem über die Deutsche Bahn Stiftung und Bahnchef Richard Lutz. Das nimmt weiter nun Fahrt auf, in Berlin und bundesweit – danke!

Jesus ist der Chef! Es gibt aber auch tolles Bodenpersonal. Zu diesem Bodenpersonal gehört wohl auch mein Kollege Jürgen Becker, der in unserem Übergangshaus für wohnungslose Menschen arbeitet. Innerhalb von zwei Wochen hat er drei seiner Bewohner erfolgreich vermittelt. Herzlichen Glückwunsch Jürgen, den ehemaligen Bewohnern guten, tragenden Rückenwind!