Kolumne

Menschen, die etwas spenden, bekommen Glück zurück

Menschen, die für Bedürftige Geld spenden oder Zeit schenken, sind ein Vorbild. Sie selbst bekommen dafür: Glück.

Dieter Puhl.

Dieter Puhl.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Oh, man verdient als Sozialarbeiter ganz gut bei der Berliner Stadtmission, reich wird man dabei nicht, aber es reicht eben doch für vieles. Und wie (fast) überall, wir erhalten alle nicht denselben Lohn, und als Handwerker verdient man etwas weniger bei uns.

Rudolf nun – und von ihm möchte ich heute erzählen – ist seit über 20 Jahren Handwerker bei uns im Werk und schon immer, jeden Monat, entrichtet er seinen Zehnten seines Einkommens als Spende. Machen Christen so. Einige zumindest. Freiwillig. Und wie alle, Rudolf entrichtet ja jeden Monat seine Steuern und Abgaben, und die Kirchensteuer wird ihm ja auch noch vom Lohn abgezogen.

Ich kenne ihn lange, habe auch sonst Respekt vor ihm; seine Ehefrau macht das übrigens auch so. Das ist nicht immer leicht für eine Familie mit zwei Kindern, das sind jeden Monat schon mehrere hundert Euro. Arm ist er dabei nie geworden, „das kommt zurück, wie auch immer, oft sogar mit Zinsen“.

Großzügig- und Großherzigkeit kann man trainieren

Ich selbst gehöre ja eher zu der geizigen Spezies Mensch, und Menschen wie Rudolf und seine Frau sind dann auch manchmal ein Stachel in meinem Fleisch, mindestens aber Herausforderung und auch Vorbild. Großzügig- und Großherzigkeit kann man aber trainieren, einüben, ich bin dabei und mache Fortschritte.

„Und aller Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume, gehört dem Herrn; er ist dem Herrn heilig“ (3. Mose 27,30) – entgegnet Rudolf, wenn sie ihn hier nach seiner Motivation fragen, bibelfester als ich ist er auch noch.

Rudolf weiß, sein Geld wird in Berlin gebraucht, und für obdachlose Menschen hat er dann auch noch einen Euro übrig. Und bevor hier jemand fragt, er gibt den Zehnten von seinem Bruttogehalt.

Abgeben, teilen, etliche Menschen im alten Israel machten das sehr radikal, und bei vielen Menschen geschah das aus dem Selbstverständnis heraus, das ist eh nicht ihr Besitz, ihr Reichtum, ihr Land. Sie fühlen sich als Fremdlinge im Land, welches für sie durch Gott freigeräumt wurde und ein- bis zweimal im Jahr machten sie sich deshalb auch auf den Weg nach Jerusalem, um ihren Zehnten vor Ort im Tempel zu entrichten.

Vieles wird nur durch Spenden ermöglicht

Die Welt gehört nicht uns, das ist nicht unsere Stadt, auch im Jahr 2019 eine schöne, bescheidene und wichtige Perspektive für mich, vielleicht teilen Sie das ja auch? Mit einem Dauerauftrag haben wir es da heute beträchtlich leichter, wir müssen nicht nach Jerusalem wandern. „Money makes the world go round“, und das ist schon wichtig mit dem Geld, denn vieles wird heutzutage nur durch Spenden ermöglicht. Die Angelegenheit mit dem Zehnten ist aber noch deutlich ambitionierter, auch komplizierter, und auch hier ziehe ich mit Respekt meinen Hut und verneige mich, nicht nur vor Rudolf, sondern vor vielen.

Auch unsere Zeit gehört dem Herrn, und auch das setzen Menschen um. Vor wenigen Tagen war der Tag des Ehrenamtes. Viele verschenken ihre Zeit, in Sportvereinen, Krankenhäusern, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Bahnhofsmissionen, in der Politik, in Kirchengemeinden, an vielen anderen Stellen in der Gesellschaft. Herzlichen Dank dafür!

Diese Menschen sind unser gesellschaftlicher Kitt, denn ehrenamtliches Engagement fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Allein in der Berliner Stadtmission leisteten Ehrenamtliche im Jahr 2017 zum Beispiel etwa 1420 Stunden täglich Dienst für ihre Mitmenschen.

Gesellschaft braucht Vorbilder, ob Sie nun an Gott glauben oder auch nicht, denken Sie doch am Wochenende mal über Rudolf nach, über eine Verzinsung Ihres Geldes und Ihrer Zeit. Denn, platt, aber wahr, helfen macht glücklich – und das ist deutlich mehr als Ihre Bank Ihnen gewährt.