Kolumne „Meine Woche“

Wenn’s auf jeden ankommt

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Foto: dpa/FFS/Montage BM

Der Berliner Senat schaltet die Beleuchtung von Gebäuden ab, schreibt Christine Richter in ihrer Kolumne.

Einer hat sich am Mittwoch mächtig gefreut, und das hatte nichts mit dem tollen 2:1-Sieg der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft zu tun, sondern mit einer Entscheidung des rot-grün-roten Senats: Sebastian Czaja, FDP-Fraktionsvorsitzender in Berlin, hatte nämlich kürzlich den Vorschlag gemacht, die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden in Berlin nachts abzuschalten, um Energie zu sparen in der sich zuspitzenden Energie- und Gaskrise in Deutschland. Am Mittwoch nun teilte Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) per Pressemitteilung mit, dass ab sofort zahlreiche Gebäude und Denkmäler in der Hauptstadt nicht mehr angestrahlt werden. „Wenn Bürgerinnen und Bürger Strom sparen müssen, soll auch der Staat seinen Beitrag leisten“, sagte Sebastian Czaja und nannte den Beschluss von Jarasch „erfreulich“.

Wichtige Bauwerke wie die Gedächtniskirche, die Deutsche Oper, das Schloss Charlottenburg, die Staatsoper Unter den Linden, die Siegessäule oder auch das Reiterstandbild Unter den Linden bleiben künftig nachts dunkel. Das Brandenburger Tor, das Wahrzeichen Berlins, steht dagegen nicht auf der Liste.

Kosten für das manuelle Abschalten der Strahler liegen bei rund 40.000 Euro

Nach Angaben von Umweltsenatorin Jarasch liegt der Stromverbrauch bei den betroffenen Gebäuden derzeit bei etwa 200.000 Kilowattstunden pro Jahr – und kostet das Land Berlin rund 40.000 Euro. „Kleinvieh macht auch Mist“, hätte meine Omi zu solchen Nachrichten gesagt. Und den Spruch wohl wiederholt, wenn sie erfahren hätte, dass das Land Berlin jetzt gar kein Geld spart, denn laut Umweltverwaltung liegen die Kosten für das manuelle Abschalten der Strahler, mit denen die Gebäude beleuchtet werden, ebenfalls bei rund 40.000 Euro. Auch ich habe am Mittwoch lernen müssen, dass die Gebäude nicht einfach dunkel bleiben, sondern nun Firmen zum Einsatz kommen, die die Leuchten abklemmen – das kostet und das dauert sogar drei bis vier Wochen.

Dennoch finde ich die Entscheidung richtig. Gleichzeitig müssen die Politiker aber aufpassen, dass sie nicht überziehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ dieser Tage mitteilen, dass das Schloss Bellevue weitgehend dunkel bleibt, aber im Außenbereich gibt es aus Sicherheitsgründen natürlich noch Licht. Richtig so. Ich erinnere mich noch gut an die dunklen Städte und Straßen zu DDR-Zeiten, wo man nicht nur als Frau Angst hatte, nachts allein unterwegs zu sein. Soll bloß keiner auf die Idee kommen, jetzt alle Straßenlampen oder Ampeln abzuschalten.

Wenig hilfreich sind Maximalforderungen der IHK

Wichtig ist auch der Hinweis des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), der vor wenigen Tagen via Fernsehen geradezu leidenschaftlich an die Menschen appellierte: „Wenn man zwei Minuten duscht statt elf, dann spart man halt 80 Prozent der Energie, die man fürs Duschen braucht, ein. Wenn das Millionen machen, hat das einfach einen richtigen, messbaren, wichtigen Effekt.“ Recht hat er – und wenn mich mein Eindruck aus dem Kollegen-, Freundes- oder Bekanntenkreis nicht trügt, überlegen derzeit sehr viele Menschen, wie sie Energie sparen können, sei es Gas oder Strom. Und ändern auch jetzt schon, mitten im Sommer, ihr Verhalten.

Wenig hilfreich sind dagegen Maximalforderungen wie die des Hauptgeschäftsführers der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, der jetzt vorschlug, die Schwimmbäder in Berlin zu schließen, die Menschen sollten im See baden. Einen solchen Vorschlag im Hitzesommer 2022 zu machen, das kann man nur mit Spaß an der Provokation erklären. Aber damit können die Berliner umgehen, schon immer.