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Weg mit dem neuen Hunderegister in Berlin

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Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost.

Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost.

Foto: dpa/Reto Klar

Das neue kostenpflichtige Hunderegister in Berlin sorgt für Empörung. Zu Recht, findet Christine Richter.

Berlin. Das Jahr 2022 fängt mit viel Wirbel an. Nein, nicht nur wegen der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante, sondern auch wegen der Hunde in Berlin.

Da ist zum einen das neue Hunderegister, das der Senat in Berlin eingeführt hat. Seit 1. Januar müssen dort alle Hundehalter ihr Tier anmelden. Laut der zuständigen Senatsverwaltung für Verbraucherschutz ist die Registrierung online, telefonisch oder schriftlich möglich. Und kostet, Überraschung, auch noch Geld: 17,50 Euro werden für eine Online-Anmeldung, 26,50 Euro für eine telefonische oder schriftliche Registrierung des Hundes fällig. Denn das neue Hunderegister wird im Auftrag des Senats von einer externen Firma betrieben – und die macht das natürlich nicht umsonst. Damit nicht genug: Wer nach der Übergangsfrist von einem halben Jahr sein Tier nicht angemeldet hat, der muss mit einem Bußgeld rechnen.

Was soll das? Jeder Hund muss beim Finanzamt gemeldet werden, bekommt eine Steuermarke und ist damit in Berlin registriert. Das kostet bekanntlich auch Geld – nämlich 120 Euro im Jahr. Außerdem ist es für verantwortungsbewusste Hundehalter selbstverständlich, dass man für sein Tier eine Haftpflichtversicherung (ca. 30 Euro) abschließt und es bei Tasso, einem Haustierzentralregister, anmeldet, denn schließlich will man seinen Hund wiederfinden, sollte der mal entlaufen. Bei Tasso ist die Registrierung übrigens kostenlos, Spenden sind erwünscht.

Hunderegister Berlin soll auch bessere Daten über Gefährlichkeit von Hunden liefern

Doch der Senat will mehr – und begründet das neue Register so: Aus Datenschutzgründen dürfe das Finanzamt die Daten über die angemeldeten Hunde nicht weitergeben. Außerdem könne man mit dem neuen Verzeichnis entlaufene oder gestohlene Hunde rasch dem Halter zuordnen. Und schließlich erhalte man nun bessere Daten „über die Gefährlichkeit von Hunden in Abhängigkeit von deren Rasse oder Kreuzung, Geschlecht und Alter“.

Ich verstehe, dass ein solches Register hilft, entlaufene Hunde schneller wieder zu ihren Haltern zu bringen. Aber ist das Aufgabe des Senats? Und wenn wir all den Sonntagsreden der Politiker glauben dürfen, die sich doch immer wieder für weniger Bürokratie und vor allem für mehr Bürgerservice aussprechen, dann muss man sagen: Weg mit dem neuen Hunderegister. Denn das sollten die Politiker wissen: Diejenigen, die ihren Hund beim Finanzamt anmelden, die das Tier chippen lassen und bei Tasso registrieren, die haben ihre Pflicht erfüllt. Wer schon heute seinen Hund nicht beim Finanzamt meldet, der wird ihn sicherlich auch nicht im neuen Hunderegister eintragen lassen.

Berliner Polizeihunde hatten Zwangspause

Doch was den einen das Hunderegister ist, ist den anderen die neue Tierschutz-Hundeverordnung: In der ersten Woche dieses Jahres wurde bekannt, dass die Berliner Polizei keine Schutzhunde mehr einsetzen kann, weil nach der neuen Verordnung etwa Stachel- oder Zughalsbänder in der Ausbildung der Polizeihunde verboten sind. Deshalb konnten die so ausgebildeten Hunde auch nicht mehr eingesetzt werden – etwa bei Razzien oder Demonstrationen. 49 von 130 Schutzhunden wurden von der Berliner Polizei aus dem Dienst genommen.

Folglich war die Aufregung groß, denn auch wenn sich alle einig sind, dass Tiere geschützt werden müssen, so muss doch auch ein Unterschied zwischen Polizei-Hunden und Hunden in einem privaten Haushalt gemacht werden. Zumal sich Brandenburg von der neuen Verordnung nicht hatte beeindrucken lassen, dort blieben die Hunde im Dienst. Die neue Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) brauchte ein paar Tage – und regierte dann auf die vielen Medienberichte: Die Schutzhunde werden wieder eingesetzt, die Senatorin wünscht nun eine rechtliche Klarstellung. Geht doch.