Meine Woche

Pleite am Checkpoint

Der Investor Trockland hat für Tochter-Gesellschaften in Berlin Insolvenz angemeldet. Was das bedeutet, erklärt Christine Richter.

Christine Richter über die gescheiterten Trockland-Pläne am Checkpoint Charlie.

Christine Richter über die gescheiterten Trockland-Pläne am Checkpoint Charlie.

Berlin. Es wird eine Geschichte ohne Happy End: In dieser Woche hat der Investor Trockland für seine Tochtergesellschaften, die mit dem Projekt am Checkpoint Charlie befasst sind, Insolvenz angemeldet. Trockland selbst hat keine finanziellen Probleme, betonte Chef Heskel Nathaniel. Aber am Checkpoint Charlie haben die Finanzpartner des Projektentwicklers inzwischen die Geduld verloren. Das kann man nur zu gut verstehen.

Es ist eine komplexe Geschichte. Trockland hat am Checkpoint Charlie, diesem für Berlin so bedeutsamen Ort, viel vor. Der Projektentwickler hatte die beiden Grundstücke rechts und links der Friedrichstraße an der früheren Sektorengrenze im Jahr 2015 übernommen. Inklusive der mehr als 90 Millionen Grundschulden, die auf diesen Flächen lasten. Am Checkpoint Charlie sollten ein Hotel, viele Wohnungen, natürlich auch hochpreisige, und ein Museum zum Kalten Krieg entstehen.

Der Senat war mit den Trock­land-Plänen lange Zeit einverstanden, doch dann kamen Ende 2018 in Berlin Meldungen auf, dass „Angehörige des turkmenischen Ex-Despoten Nijasow“ – so hieß es damals in einigen Berliner Medien – Anteile an Trockland hielten. Es war nie klar, wer die Geldwäsche-Gerüchte gestreut hatte, aber die Folgen waren entsprechend: Erst war der rot-rot-grüne Senat entsetzt, schließlich handelt es sich am Checkpoint Charlie ja nicht um irgendein Projekt, dann stellten die Grünen völlig überraschend die gesamten Pläne infrage. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek sagte damals solche Sätze wie: „Wir werden weder für Hinterzimmerdeals noch für ein Verramschen des Checkpoint Charlie den Arm heben.“ Schließlich lehnten die Linken mit Bausenatorin Katrin Lompscher an der Spitze die Trockland-Pläne ab. Angesichts der Berichterstattung und der öffentlichen Empörungswelle schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, um die Geldwäsche-Vorwürfe zu prüfen.

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Warum machen die SPD und Michael Müller all das mit?

Wie das Drama weiterging? Nun, Trockland versuchte in den vergangenen Monaten alles, um doch noch Unterstützung für seine Pläne zu bekommen. Bausenatorin Lompscher, für die Investoren per se ein Gräuel zu sein scheinen, setzte sich jedoch im Senat durch und stellte einen neuen Bebauungsplan auf. Ein Hotel sollte es erwartungsgemäß nicht mehr geben. Dafür mehr Sozialwohnungen. Fragen Sie mich nicht, warum die SPD und der Regierende Bürgermeister Michael Müller all das mitmachen. Sie hatten den Grünen und Linken nichts entgegenzusetzen. Mit Ausnahme des ehemaligen Kultur-Staatssekretärs Tim Renner (SPD), der mit ein paar Unterstützern versuchte, eine neue Diskussion über den Checkpoint Charlie zu initiieren, bei der Trockland einbezogen wurde. Doch auch diese Ideen verpufften.

Vor drei Wochen – und damit zwei Jahre später – teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit, dass sie ihre Ermittlungen zum Verdacht der Geldwäsche gegen Trockland und Firmenchef Nathaniel eingestellt hat. Ob sich jemand bei ihm entschuldigt hat? Sicherlich nicht.

Und so nimmt die Geschichte, die aus dem Checkpoint Charlie so einen interessanten Ort hätte machen können, ihren Lauf: Mit der Insolvenz der für das Projekt zuständigen Trockland-Tochtergesellschaften liegt nun die Verantwortung wieder beim Senat. Wegen der hohen Grundschulden, die auf den Grundstücken lasten, ist es fraglich, ob sich ein anderer Investor findet. Außerdem wird Trockland, sollte der Senat zu keiner Verständigung bereit sein, hohe Schadensersatzforderungen gegenüber dem Land Berlin geltend machen – völlig zu Recht.

Und am Checkpoint Charlie wird weiter nichts geschehen – und das Land wird irgendwann viele Millionen Euro zahlen müssen. Oder besser gesagt: wir, die Steuerzahler.