Meine Woche

Coronavirus in Berlin: Michael Müller und die Masken

Der Regierende Bürgermeister bekundet im Fernsehen, wie viel Spaß ihm die Politik macht.

Christine Richter über das Krisenmanagement von Michael Müller.

Christine Richter über das Krisenmanagement von Michael Müller.

Berlin. Die neue Senatssprecherin Melanie Reinsch ist sichtlich stolz auf ihren neuen Chef: „Der @RegBerlin heute bei Lanz“, twitterte sie am Mittwoch. In der Talksendung durfte Michael Müller neben einem Virologen und einer Verbandsvertreterin der schwer gebeutelten Gastronomen berichten, wie Berlin durch die Corona-Krise kommt.

Müller erzählte ein bisschen etwas über den Shutdown, über die Schulen, die nun wieder öffnen sollen, und die Kitas, die noch immer geschlossen bleiben. Dann meinte Moderator Markus Lanz: „Ich habe das Gefühl, Sie haben gerade wieder richtig Spaß an der Politik.“ Müller lachte kurz auf und antwortete: „Hatte ich immer.“

Lanz ließ natürlich nicht locker, denn auch er weiß, dass die Tage Müllers im Roten Rathaus gezählt sind. Den Parteivorsitz will Müller an das Duo Franziska Giffey und Raed Saleh abgeben, eigentlich war ein Parteitag im Mai geplant, doch wegen der Corona-Krise wurde dieser bekanntlich erst einmal verschoben. Und dann, so weiß nicht nur jeder Sozialdemokrat in Berlin, soll Franziska Giffey, noch Bundesfamilienministerin, zur Spitzenkandidatin der Berliner SPD für die Abgeordnetenhauswahl gekürt werden – und Müller will auf Platz eins der Berliner SPD-Liste für die Bundestagswahl kandidieren. Beide Wahlen finden im Herbst 2021 statt, hoffentlich nach der schlimmen Corona-Zeit. So ist es besprochen, so will es Müller selbst.

Ob es nicht ein Fehler gewesen sei, schon anzukündigen, dass er nicht mehr weitermachen wolle, fragte Lanz am Mittwochabend – und Müller meinte, dass es ja erst einmal „nur eine Verabredung zum Parteivorsitz“ sei, dann werde man sehen, wie es weitergehe. Dann erklärte Müller, dass man sich solch eine Situation wie die Corona-Pandemie nicht wünsche, aber „eigentlich geht man genau dafür in die Politik, dass man Dinge entscheiden kann, dass man sich um seine Stadt in dieser Situation natürlich sorgt, aber auch guckt, wie man es gut organisiert.“ Dies sei jetzt „die Stunde der Politik“, sagte Müller – und meinte sich selbst.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen.

In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen.

Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Hat sich am Plan der Sozialdemokraten etwas geändert? Will Müller tatsächlich nochmal Spitzenkandidat werden und als Regierender weitermachen? „Wenn, dann nur er“, heißt es bei den Sozialdemokraten. An den Plänen für die Berliner SPD habe sich in der Partei nichts geändert.

So sieht vielleicht „Spaß an der Politik“ aus. Nicht aber gute Führung

Verständlicherweise, denn auch wenn Michael Müller sich als perfekter Krisenmanager fühlt, so frage ich mich schon seit Beginn der Corona-Krise, was da los ist im Roten Rathaus. So lange ist es nicht her, Anfang März, da traute sich Müller nicht, Großveranstaltungen abzusagen, da sollte sogar noch ein Bundesligaspiel in Berlin stattfinden. Dann wollten Müller und seine Senatskollegen die Spielplätze offen lassen, um sie schließlich, als fast alle Bezirke die Anlagen dicht machten, doch zu schließen. Dann beschimpfte er Donald Trump, weil dieser Schutzmasken in Thailand habe konfiszieren lassen. Als der Beweis dafür ausblieb, entschuldigte sich Müller und meinte, man sei in einer sehr angespannten Situation gewesen.

In dieser Woche entschied Berlin in einer mehrstündigen Sitzung und als letztes Bundesland – fünf lange Tage nach den Verabredungen von Bund und Ländern –, wie mit Lockerungen zu verfahren sei. Überraschung: Als einziges Bundesland beschloss Berlin, eine Maskenpflicht nur im öffentlichen Personennahverkehr zu erlassen. Drei Tage später, am vergangenen Freitag, änderten die SPD und auch Müller die Meinung erneut: Nun soll die Maskenpflicht – wie in allen anderen Ländern – auch in Geschäften gelten. Am Dienstag wollen Müller und Co. einen entsprechenden Beschluss fassen.

So sieht vielleicht „Spaß an der Politik“ aus. Nicht aber gute Führung.

Coronavirus in Berlin - Das müssen Berliner wissen:

Coronavirus-Pandemie – mehr zum Thema: