Meine Woche

Dieser Coup ist Tesla gelungen

Der Elektroauto-Hersteller Tesla baut in Brandenburg eine Mega-Fabrik. Auch der Senat wurde davon überrascht, sagt Christine Richter.

Christine Richter freut sich, dass Elon Musk in der Region investiert.

Christine Richter freut sich, dass Elon Musk in der Region investiert.

Foto: dpa/Reto Klar

Berlin. Das war wahrlich eine Überraschung: Bei der Verleihung des goldenen Lenkrads – einer Auszeichnung durch den Springer-Verlag, die in Zeiten des Klimawandels so herrlich anachronistisch wirkt und dann doch nach der Sensationsnachricht so herrlich modern war – verkündete Tesla-Chef Elon Musk am Dienstagabend, dass er seine geplante Mega-Fabrik in Brandenburg, vor den Toren Berlins, in der Nähe des künftigen Hauptstadtflughafens BER errichten lassen will. Baustart soll schon im Frühjahr 2020 sein, ab 2021 soll die Elektroauto-Produktion starten, bis zu 10.000 Arbeitsplätze sollen in dem Werk in Grünheide entstehen. Was für eine Chance für die Region.

Interessanterweise ist der rot-rot-grüne Senat in Berlin von der Entscheidung des Tesla-Chefs völlig überrascht worden. Zwar twitterte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) noch am Dienstagabend: „Wer Visionen hat, kommt nach Berlin!“, aber zur Wahrheit gehört auch, dass weder sie noch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Musk verhandelt hatten. Als dieser vor rund einem Jahr seine Pläne für eine „Gigafactory“ in Deutschland kundtat, schrieb Pop zwar einen Brief an Musk und bot Berlin als Standort an – den Campus Tegel oder Buch –, aber verhandelt hat sie nicht mit ihm. Auch der Regierende Bürgermeister Müller hatte zwar Kontakt zu dem Firmenchef, aber Gespräche führte dann Brandenburg.

Erste Kontakte mit Tesla schon vor einem Jahr

Laut Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) wurden die ersten Kontakte schon vor einem Jahr aufgenommen, ab Sommer sei dann intensiv verhandelt worden. Man kann den Brandenburgern nur gratulieren, dass es ihnen gelungen ist, diese wichtigen Gespräche vertraulich, ja geheim zu halten. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Musk reagiert hätte, wenn seine Investitionspläne noch während der Verhandlungsphase publik geworden wären. Ich verstehe sehr gut, dass Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Mittwoch dann betonte: „Das war ein rein brandenburgisches Projekt.“ Eine kleine, feine Spitze gegen seine Berliner Amtskollegin Pop, denn man kennt das ja: Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind.

Ich freue mich jedenfalls, dass Brandenburg so gut verhandelt hat, dass Musk in der Region investiert. Für Brandenburg, dem mit dem Kohleausstieg ein gewaltiger Transformationsprozess bevorsteht, ist das ein unermesslich wichtiges Wirtschafts- und Arbeitsplatzprojekt. Dass die Nähe zu Berlin, dass der hoffentlich irgendwann einmal funktionierende Flughafen BER eine Rolle bei der Entscheidung gespielt hat, das wissen natürlich auch die Brandenburger. Musk selbst sagte: „Berlin rockt!“ Denn Berlin ist international bekannt und gilt als „cool“, hier in der Stadt will der Manager ein Entwicklungs- und Designzentrum errichten, ohne schon Details verraten zu haben. Junge Entwickler und Gründer gibt es in Berlin schon jede Menge, neue Kreative sind herzlich willkommen.

In Berlin und Grünheide gibt es noch viel zu tun

Bis die Mega-Fabrik errichtet ist, muss nun noch eine Menge geschehen. Von den Baugenehmigungen bis zum Ausbau der Infrastruktur. Denn die Menschen, die dort einmal arbeiten sollen, müssen auch irgendwo wohnen. Und wie die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Berlin ist, das wissen wir. Auch in Grünheide wird noch einiges zu tun sein – ganz unabhängig vom schon bestehenden Bahnanschluss und der Autobahnausfahrt.

Vielleicht gelingt es ja, dass Brandenburg und Berlin mit vereinten Kräften dafür sorgen, dass aus dem angekündigten Groß-Projekt ein gutes, ein Vorzeige-Projekt für die Region wird. Das wäre, wie meine jungen Kollegen zu sagen pflegen: mega.

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