Meine Woche

Die Kinder in Berliner Schulen können einem leid tun

Neue Zahlen belegen, wie es um die Qualität an den Berliner Schulen bestellt ist. Schlecht, sagt Christine Richter.

Christine Richter über die politische Woche in Berlin.

Christine Richter über die politische Woche in Berlin.

Foto: dpa/Reto Klar/Montage: BM

Berlin. Es sind nur ein paar Zahlen aus dieser Woche, aber sie machen das ganze Drama deutlich: Am Mittwoch gab die Senatsverwaltung für Bildung, die seit acht Jahren von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) geleitet wird, bekannt, dass 13 Prozent der Sekundarschüler in diesem Jahr die Schule ohne einen Abschluss verlassen haben. 13 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch zwölf Prozent, was auch schon eine irre hohe Zahl ist. Aber in Berlin geht es offenbar immer noch ein bisschen schlimmer.

Am Freitag wurde dann ein neuer bundesweiter Schulvergleich veröffentlicht. Knapp 45.000 Neuntklässler in allen Bundesländern waren getestet worden – in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik.

Jeder dritte Schüler verfehlt Mindeststandard in Mathe

Das Ergebnis: Die Leistungen der Berliner Schülerinnen und Schüler liegen im bundesweiten Vergleich ganz weit hinten, in Berlin ist – neben Bremen – der Anteil der Schülerinnen und Schüler am höchsten, die den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss nicht erreichen. So verfehlt in Mathematik jeder dritte Berliner Schüler den Mindeststandard, in Chemie ist es jeder vierte Neuntklässler, in Physik jeder sechste. In Mathematik sind die Leistungen damit auf dem schlechten Niveau von 2012 geblieben, in Physik und Chemie haben sich der Ergebnisse nochmals verschlechtert.

Mir wird da Angst und Bange um den Nachwuchs. Zumal es bei diesen bundesweiten Tests ja nicht darum geht, die künftigen Nobelpreisträger zu ermitteln. Es wird geschaut, was die Schülerinnen und Schüler gelernt haben und beherrschen. Es geht um das Rüstzeug, das zu einer guten Bildung gehört. In Berlin sind zu viele Jugendliche davon weit entfernt.

Wollen Sie wissen, wie die Senatsverwaltung für Bildungsverwaltung am Freitag auf die bundesweiten Ergebnisse reagierte? „Vergleicht man die Leistungen von 2012 und 2018, gehört Berlin zu den vier Bundesländern, die sich nicht verschlechtert haben“, teilte die Senatsverwaltung in einer Presseerklärung mit.

"Müssen bei den Leistungsdaten besser werden"

Und: „Das ist besonders bemerkenswert angesichts der zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler.“ Bildungssenatorin Scheeres ließ sich dann noch mit diesen Sätzen zitieren: „Keine Frage, wir müssen bei den Leistungsdaten besser werden. Deshalb haben wir inzwischen auch zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Mathe-Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler stärker zu fördern. Auch die von mir berufene Qualitätskommission unter Vorsitz von Herrn Professor Dr. Köller schaut sich die nun vorliegenden Daten genau an.“

Da kann man der Kommission wohl nur eine gute Lektüre wünschen – und froh sein, wenn man keine Kinder in einer Berliner Schule hat. Bayern und Sachsen haben bei den bundesweiten Vergleichstests übrigens einmal mehr am besten abgeschnitten. Auch Thüringen liegt in vielen Bereichen vorn. In Berlin aber haben sich offenbar viele mit dem schlechten Zustand abgefunden.

Berlin bräuchte kleinere Klassen, mehr Sprachförderung, mehr Fachkräfte

Sicherlich mögen die zunehmende heterogene Zusammensetzung der Klassen, ein hoher Migrantenanteil oder auch die soziale Herkunft einige der Gründe sein, dass die Ergebnisse nicht so gut ausfallen. Aber Berlin kann sich doch nicht immer damit herausreden, sondern müsste dann doch genau darauf reagieren – mit gezielter Sprachförderung, mit kleineren Klassen, mit besonders geschulten Lehrern, mit einem anderen Unterrichtsmaterial, mit weniger Quereinsteigern an Brennpunktschulen und und und.

Wenn eine Bildungssenatorin sich angesichts der Zahlen aus dieser Woche freut, dass die miserable Lage nicht schlechter geworden ist, dann weiß man, was falsch läuft im Lande Berlin. Und die Lage, die bleibt miserabel.