Meine Woche

Humboldt Forum, Staatsoper, BER - War da was?

Auch das Humboldt Forum wird nicht pünktlich fertig. Der Berliner tut so, als sei das völlig normal, beobachtet Christine Richter.

Außerhalb der Stadt wundert man sich über die Unfähigkeit Berlins bei großen Projekten, die Termine einzuhalten oder genügend Puffer einzuplanen, beobachtet Christine Richter.

Außerhalb der Stadt wundert man sich über die Unfähigkeit Berlins bei großen Projekten, die Termine einzuhalten oder genügend Puffer einzuplanen, beobachtet Christine Richter.

Foto: dpa/Reto Klar / BM

Berlin. Die Eröffnung ist geplatzt: Das Humboldt Forum, der Jahrhundertbau in der Mitte der Stadt, wird nicht, wie geplant, im Herbst dieses Jahres eröffnet. Weder das Gebäude allein, noch das Gebäude mit Ausstellung. Zu groß sind die Probleme – mit der Klimaanlage, mit dem Brandschutz, wohl auch mit der Heizungs- und Energieversorgung. Alle zeitlichen Puffer sind aufgebraucht, nun zog das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die Reißleine und teilte am vergangenen Mittwoch mit: „Keine Eröffnung 2019.“

Die Schwierigkeiten haben sich schon seit Längerem abgezeichnet. Sie erinnern sich wahrscheinlich, wir haben mehrfach, auch groß, darüber berichtet. Aber immer wieder wurden wir beschwichtigt – vom Bundesamt für Bauwesen, von der Stiftung Humboldt Forum, auch von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die dieses Vorzeige-Projekt so gern und unbedingt im Jahr 2019 eröffnen wollte. Jährt sich in diesem Jahr doch zum 250. Mal der Geburtstag von Alexander von Humboldt.

Wir waren seit Wochen skeptisch, was die geplante Eröffnung angeht – zumal, als wir erfuhren, dass die Berliner Ausstellung auf keinen Fall zum Eröffnungstermin gezeigt werden kann, weil die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren. Aber von offizieller Seite hieß es stets: Gerüchte, Fake News, das bekomme man hin. Jetzt wissen wir es besser: Bekommen sie nicht.

Das Humboldt Forum – ein kleiner BER? Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 2012, als der Hauptstadtflughafen BER eröffnet werden sollte. Wir hatten damals in der Berliner Morgenpost schon viele Seiten und eine große Serie zur Eröffnung geplant, wir hatten regelmäßig von den Probeläufen auf der Baustelle – bei denen Journalisten nicht dabei sein durften – berichtet, wir ließen uns wenige Tage vor der Absage vom damaligen Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn erklären, warum es bei Air Berlin am BER zwar noch so wüst aussieht, aber in wenigen Tagen alles fertig sein würde.

Wir führten kurz vor der Absage der BER-Eröffnung ein Interview mit dem damaligen Flughafen-Chef Rainer Schwarz, der uns auf die Frage, ob er wegen des groß geplanten Umzugs von Tegel an den BER – ein Mammutprojekt, das in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni stattfinden sollte – schlaflose Nächte habe, sagte, nein, die habe er nicht. Um dann wenige Tage später zu erklären, der BER könne nicht im Juni an den Start gehen.

Hintergrund: Eröffnung des Humboldt Forums wird verschoben

Immer wieder viele Fragen - immer wieder Beschwichtigungen

Was waren wir gutgläubig damals, wir Journalisten. Zu gutgläubig, leider haben wir uns zufriedengegeben mit den Auskünften der Verantwortlichen und Pressesprecher. Seitdem stellen wir immer wieder viele Fragen – und erhalten oft immer wieder Beschwichtigungen. Das war bei der Sanierung der Staatsoper so, das war so beim Humboldt Forum, das war und ist beim BER so.

Außerhalb der Stadt wundert man sich über die Unfähigkeit Berlins bei großen Projekten, die Termine einzuhalten oder genügend Puffer einzuplanen. In Berlin werden diese Sachen aber häufig weggeatmet – ein, zwei Tage Aufregung, und dann geht der Berliner zur Tagesordnung über, als ob nichts geschehen sei.

Ich habe oft überlegt, warum das so ist, zumal ich glaube, dass politisch Verantwortliche auch mal jene Verantwortung übernehmen sollten – für die Fehler, für die Kostenexplosionen. Beim BER, das wissen Sie besser als ich, sind zwar viele politisch Verantwortliche nicht mehr im Amt, aber es ist auch keiner zurückgetreten oder gar in Regress genommen worden.

Ich glaube, der Berliner tut so, als ob dies alles nicht so schlimm sei, weil es anders gar nicht zu ertragen ist. Stellen Sie sich mal vor, wie sehr wir uns alle aufregen müssten. Jeden Tag.

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