Meine Woche

Feiern mit Union, kaum Fürsprecher für Hertha

Der Berliner Senat will den Eisernen helfen. Hertha sucht dagegen verzweifelt Unterstützung. Die Kolumne von Christine Richter.

Für Berlin ist es großartig, zwei Bundesliga-Clubs zu haben, meint Christine Richter.

Für Berlin ist es großartig, zwei Bundesliga-Clubs zu haben, meint Christine Richter.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Was für ein Jubel, was für eine Freude: Am Montagabend hat es der 1. FC Union geschafft und ist erstmals in die Bundesliga aufgestiegen. Freunde von mir sind schon seit vielen Jahren Union-Fans, sie kamen auch die darauffolgenden Tage gar nicht aus dem Feiern heraus. Ich freue mich mit, denn das ist eine tolle Leistung – und für Berlin ist es großartig, zwei Bundesliga-Clubs zu haben.

Interessant fand ich, dass viele Politiker am Montagabend der Einladung des Vereins gefolgt und beim Relegationsspiel gegen Stuttgart dabei waren – der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD), Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen), Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek, der neue CDU-Chef Kai Wegner und andere Politiker.

Wegner und Günther, die sich am Mittwochabend bei unserem Leserforum zur Verkehrspolitik trafen, tauschten noch angeregt ihre Eindrücke aus. Wegner war von der Stimmung in dem Stadion an der Alten Försterei schwer begeistert, auch wenn er Herthaner ist – und sogar Vorsitzender des Hertha-Fanclubs im Deutschen Bundestag. Auch Günther schwärmte von der tollen Atmosphäre, denn anders als im Olympiastadion sitzt man bei den Köpenickern nah am Spielfeld dran. „Jetzt müssen wir nur noch was für Hertha tun“, meinte Wegner – und brachte damit das Problem auf den Punkt.

Bei der Stimmung hat das Olympiastadion Defizite

Ich bin seit einigen Jahren ja auch im Besitz einer Hertha-Dauerkarte, inzwischen auch Mitglied – und mag das Olympiastadion sehr. Ich war lange Zeit der Meinung, dass das auch die Spielstätte von Hertha bleiben müsse. Auch wenn da noch die Laufbahn ist, auch wenn das Stadion nur an zwei Hertha-Heimspieltagen ausverkauft ist. Aber ich habe mich überzeugen lassen: Die Erwartungen der Fußball-Fans haben sich geändert, man will alles hautnah mitbekommen – so wie zu Hause, wenn man vor seinem großen TV-Screen sitzt. In fast allen Fußballstadien in Deutschland haben die Zuschauer inzwischen direkt am Spielfeld Platz, in Berlin aber nicht.

Hinzu kommt, dass bei durchschnittlich 40.000 Zuschauern im Olympiastadion, wo mehr als 70.000 Platz haben, wahrlich keine solche Stimmung aufkommen kann wie in einem mit 22.000 Union-Fans ausverkauften Stadion. Zumal das Olympiastadion am Marathon-Tor offen ist – und sich das aus Denkmalschutzgründen auch nicht ändern wird. Sprich: Der Schall aus dem Gäste-Block zieht durchs Stadion, die Hertha-Ostkurve kann, so laut sie ist, gar nicht dagegen ansingen.

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Der Sportsenator ist Union-Fan

Eigentlich sollte man meinen, dass der Senat ein Interesse daran hat, dass Hertha ein modernes Fußballstadion bekommt. Doch im rot-rot-grünen Senat hat der Verein kaum Fürsprecher – mit Ausnahme wohl von Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei. Sportsenator Geisel (SPD) ist Köpenicker und Union-Fan – und sorgte kürzlich für viel Verwirrung, als er den Flughafen Tegel als möglichen Standort für ein reines Hertha-Fußball-Stadion vorschlug. Ein Gutes hatte die Idee: Damit hatte Geisel erstmals öffentlich anerkannt, dass Hertha so ein Stadion braucht.

Die Herthaner versuchen bislang vergeblich, die emotionale Seite der Politiker zu wecken und Unterstützung für ihre Neubaupläne auf dem Olympiapark zu bekommen. Die Emotionen, die gehören derzeit Union – und so versprach der Senat noch in dieser Woche Unterstützung beim Nachwuchsleistungszentrum, bei der Verkehrsinfrastruktur rund ums Stadion. Hertha kann da nur staunend zuschauen. Immerhin: In der kommenden Bundesligasaison wird das Olympiastadion dann drei Mal ausverkauft sein. Gegen Bayern, Dortmund und gegen Union. Ich freue mich schon.