Woche im Roten Rathaus

Wenn die BVG ihre Kunden veralbert

Das Landesunternehmen verkürzt die wichtige Tegel-Linie – und der Berliner Senat nimmt es einfach hin, beklagt Christine Richter.

Die BVG verkürzt ihre Linie zum Flughafen Tegel

Die BVG verkürzt ihre Linie zum Flughafen Tegel

Foto: dpa Picture-Alliance / Gregor Fischer / picture alliance / dpa

Die Mitteilung liest sich hübsch: "Damit die Flugreise in den Urlaub entspannt und pünktlich losgehen kann, verbessert die BVG nun auf der Buslinie TXL die Zuverlässigkeit und den Takt." Ich freute mich schon, denn ich muss regelmäßig zum Flughafen Tegel, und seit vielen Wochen stehen die TXL-Busse häufig im Stau und sind ebenso häufig überfüllt.

Alles wird besser, dachte ich. Doch dann kam Teil zwei der Mitteilung: Der TXL-Bus fährt künftig erst ab Hauptbahnhof, nicht mehr ab Alexanderplatz. Weil, so die Berliner Verkehrsbetriebe, er sowieso nicht mehr durch den Verkehr kam, Gründe seien "das hohe Verkehrsaufkommen, gesperrte Straßen zum Beispiel durch die EM-Fanmeile, Baustellen und Demonstrationen sowie ungünstige Ampelschaltungen" gewesen. Ich will jetzt nicht vom BER, vom Lageso oder von den Bürgerämtern anfangen. Aber müssen wir uns in Berlin wirklich alles gefallen lassen?

>>>Flughafen-Bus TXL fährt nicht mehr ab Alexanderplatz<<<

Die BVG ist ein Landesunternehmen. Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen. Ein SPD-Politiker. Zuständig für den Verkehr in der Stadt ist der Stadtentwicklungssenator. Er heißt Andreas Geisel und ist auch SPD-Politiker. Die Senatoren sollen sich darum kümmern, dass die Menschen gut durch die Stadt kommen. Das klappt nicht immer, wie man in den letzten Jahren an den überfüllten Straßenbahnen gemerkt hat. Alle Politiker reden zwar seit vielen Monaten von der "wachsenden Stadt", aber bis daraus politische Konsequenzen gezogen werden, das dauert dann doch seine Zeit. Nun, bei den Straßenbahnen ist Besserung eingetreten: Inzwischen fahren viele mit ein paar Wagen mehr oder in einem kürzeren Takt.

Warum man beim TXL, für den eine sehr hohe Nachfrage besteht, nun den umgekehrten Weg geht, das verstehe, wer will. Zumal die Strecke vom Hauptbahnhof bis zur Straße Unter den Linden gar nicht so lang ist. Auf diesem Stück gibt es, zugegebenermaßen, häufig Staus, aber auf der Straße Unter den Linden dann wieder eine Busspur. Ich weiß, ich weiß: Diese Busspur ist durch die U5-Baustelle nach wie vor eingeschränkt, aber man kommt dort eher mit dem Bus als mit dem Auto durch, und irgendwann einmal sind auch diese Bauarbeiten beendet.

Vielleicht will der Senat, dass wir in der Stadt bleiben

Das wichtigste Argument für mich ist jedoch: Jeder Berliner und auch jeder Besucher der Stadt weiß, dass man den Flughafen Tegel nicht direkt mit U-Bahn oder S-Bahn erreichen kann. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin will, muss auf jeden Fall in den Bus umsteigen. Für all diejenigen, die aus dem Ostteil kommen, heißt es nun: Am Alexanderplatz in die S-Bahn steigen – oder künftig in die U-Bahn 5 (wenn sie denn vom Alex bis zum Hauptbahnhof verlängert ist) – und dort dann in den Bus umsteigen.

Der Berliner Senat, so mein Eindruck, macht sich keine Gedanken, wie man am besten zum Flughafen kommt. Das gilt für Tegel und die vielen Monate, die man noch dorthin will und muss. Aber das gilt auch für den Hauptstadtflughafen BER, der irgendwann einmal eröffnen wird. Dort wird man dann mit S-Bahn und Regionalzügen ankommen, die Fragen des Brandschutzes zwischen BER-Bahnhof und Terminal sind ja glücklicherweise erst einmal gelöst worden.

Doch was ist mit den Taxen oder den Autofahrern, die persönlich zum Airport im Süden Berlins fahren wollen? Auf der Autobahn steht man heute schon im Stau, schlimmer als ein Nadelöhr wird die Zufahrt vom Tempelhofer Damm auf die Stadtautobahn Richtung BER. Pro Ampelschaltung kommen dort derzeit vier, fünf, manchmal sechs Autos durch. Das Problem ist erkannt, der Flughafenchef Karsten Mühlenfeld wird nicht müde, auf diese schwierige Verkehrssituation hinzuweisen. Nur, es geschieht nichts. Verkehrssenator Geisel will nichts ändern, die anderen Senatoren schauen weg.

Vielleicht, so habe ich mir überlegt, will der Senat nur, dass wir alle in der Stadt bleiben. Und nicht mehr wegfliegen und dann sehen, was in anderen Städten so alles funktioniert.

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