Die Woche im Roten Rathaus

Wie Berlin von Städtepartnerschaften profitieren kann

Berlin hat 17 Partnerstädte. Eine davon, Buenos Aires, war in dieser Woche das Besuchsziel des Regierenden Michael Müller. Dort leben viele Deutschstämmige. Sie feiern sogar das Mauerfall-Jubiläum.

Foto: Martin Barzilai,Sub.Coop / dpa

Berlin hat viele Freunde – in aller Welt. Und deshalb auch einige Partnerschaften mit anderen großen Städten. "Twin-Cities" sagt man im Englischen. Zwillingsstädte, wie schön. Buenos Aires, die argentinische Hauptstadt, ist eine davon. Von wie vielen? Die Beantwortung dieser Frage ist gar nicht so einfach. Nur selten wird über die Partnerschaften berichtet. Nun, es sind 17. Los Angeles zählt dazu, natürlich Paris und London, aber auch Peking und Windhuk, die Hauptstadt Namibias.

Freundschaften wollen gepflegt sein, Partnerschaften mit Städten auch. Vergangenes Jahr waren es genau 20 Jahre, dass Buenos Aires und Berlin miteinander verbunden sind. So lange besteht auch die Verbindung mit Peking, Jakarta und Tokio. Ein Jubiläum, das zwar in Argentinien ein bisschen begangen wurde, in Berlin aber weitgehend unterging. Dabei, so konnte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der diese Woche in Buenos Aires zu Besuch war, feststellen, mögen viele Argentinier die deutsche Hauptstadt sehr. Viele Argentinier haben deutsche Wurzeln und eine doppelte Staatsangehörigkeit. Darauf legen sie großen Wert. Penibel wird darauf geachtet, dass der deutsche Pass immer in Ordnung ist. Viele Menschen, gerade in Buenos Aires, sprechen noch perfekt Deutsch, die deutsche Community ist groß. Es gibt allein vier deutsche Schulen, regelmäßig finden kulturelle Veranstaltungen statt, auch die Botschaft mischt sich aktiv ins argentinische Leben ein. Sogar das Mauerfall-Jubiläum vor einem Jahr wurde in Buenos Aires gefeiert, die TV-Übertragung der aufsteigenden Ballons am 9. November 2014 in vielen Familien mitverfolgt. Und an einer Außenwand der deutschen Botschaft in Buenos Aires durfte sich ein Graffiti-Künstler mit einem Bild am Thema 25 Jahre Mauerfall versuchen. Es ist schön bunt geworden, das Brandenburger Tor fehlt natürlich nicht.

Berlins Regierender Bürgermeister lehnt neue Städtepartnerschaften ab

Während Berlin 17 Partnerschaften pflegt, ist Buenos Aires mit rund 40 Städten verbunden. Ein Grund, auch mehr zu tun? Zumal das einfach wäre, denn immer wieder fragen andere Städte an, ob man nicht eine solche eingehen könnte. Verständlich, das ist ja auch immer Werbung in eigener Sache. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hat dazu eine klare Meinung: "Noch mehr Städtepartnerschaften würden uns überfordern." Denn die ganze Sache macht ja nur Sinn, wenn es auch zu einem Austausch kommt, wenn sich die Menschen begegnen. Zum Beispiel in den Schulen, wenn Jugendliche die jeweils andere Stadt kennenlernen, wie es mit den Pekinger Schulen sehr gut funktioniert, wenn Künstler in der Partnerstadt ihre Werke zeigen oder dort einmal für längere Zeit arbeiten können.

Ein besonders gut gelungenes Beispiel ist Los Angeles, die älteste Partnerstadt Berlins. Schon im Jahr 1967 vereinbarten der damalige Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz (SPD) und der Bürgermeister von L.A. die Zusammenarbeit, seitdem gibt es einen intensiven Austausch. Wer kennt sie nicht, die Villa Aurora, das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Lion Feuchtwanger? Dort sind jährlich zwölf Stipendiaten zu Gast, regelmäßig finden Lesungen oder Diskussionen statt.

Von einer solch intensiven Partnerschaft sind Berlin und Buenos Aires weit entfernt. Vielleicht weil der Weg nach Argentinien noch ein Stückchen weiter ist, weil man die spanische Sprache beherrschen muss, allein mit Englisch wird es schwierig. Aber eine neue Idee hat der Regierende Bürgermeister schon: Das Interesse an den Hochschulen, einem wissenschaftlichen Austausch ist riesig. Und aus Hochschulabsolventen werden Existenzgründer. Warum also sollten sich die drei großen Berliner Universitäten nicht einmal im Ausland präsentieren, auch in Buenos Aires.

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