Geschichten aus Zoo und Tierpark

Zehnfüßler mit Sinn für Palmen

Wäre Robinson Crusoe auf den australischen Weihnachtsinseln gestrandet und nicht vor Südamerika, er hätte sich vermutlich mit Palmdieben abgeben müssen und nicht mit Ziegen, wie in Daniels Dafoes Roman. Die Krebse können Kokosnüsse knacken - daher der Name Palmdieb.

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Tanja Laninger über Krebse im Aquarium Berlin, die Kokosnüsse knacken und weiche Hinterteile haben.

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Sie sind nicht weiß wie andere Krebse, sondern schimmern blaugräulich. Palmdiebe haben lange Scheren und sind sehr stark, sie können bis zu 28 Kilo stemmen. Sie sind die größten an Land lebenden Krebstiere auf der ganzen Welt. Ein ausgewachsener Palmdieb kann seine Beine einem Meter weit spannen.

Kokosnüsse stibitzen die Krebse wie folgt: Sie rammen ihre Scheren in den Stamm einer Palme, klettern hinauf, schälen die Kokosnüsse und rammen die Scherenspitzen in jene drei Löcher der Früchte, die wir Menschen gern mit Schraubenziehern eindrücken. Nun ist Crusoe Fiktion, Palmdiebe sind es nicht. Obwohl sie es wohl gerne wären, in jenen Bruchteilen von Sekunden, die ihnen bleiben, nachdem ein Mensch sie in kochendes Wasser geworfen hat, um sie rot gebrüht zu verspeisen.

Die Palmdiebe selbst machen oft in Naturalien. Als Jungtiere bewohnen sie Schneckenhäuser. Damit schützen sie ihre weichen Hinterteile.

Die Krebse heißen Einsiedler, sagt Robert Seuntjens. Er ist Reviertierpfleger im Aquarium Berlin. Drei Palmdiebe leben dort in einem Terrarium im dritten Stock, zusammen mit wunderschönen, schwarz-rot gefärbten Schmetterlingen namens Postbote.

Wenn der Palmdieb ausgewachsen ist - bei ihm heißt das rausgewachsen - ist sein Hinterteil mit harten Kalzium-Einlagerungen geschützt. Er zieht sein Hinterteil deshalb wie andere Krebse als Schutzpanzer unter den weichen Bauch. Das bis zu vier Kilo schwere Tier verbeugt sich beim Laufen also permanent. Höflich!

Übrigens ein Tier, das aus der Körpermitte atmet. Dort sitzen Kiemen. Der Palmdieb ist zwar ein Landbewohner, aber er hat es evolutionär nicht zu Lungen gebracht, sondern er atmet Luft noch mit Kiemen. Die müssen ständig feucht sein. Ist die Luft zu trocken, reibt er seine Kiemen mit Wasser ein. Im Aquarium stehen immer Wasserschalen bereit und die Luftfeuchtigkeit beträgt 60 bis 70 Prozent. Viel Aktion darf man von Palmdieben trotz des Namens nicht erwarten. Sie sind nachtaktiv, und nicht jedes Exemplar klettert auf Bäume oder ist verrückt nach Kokosnüssen. Die Exemplare, die Seuntjens seinen Krebsen angeboten hat, wurden übrigens verschmäht.

Wer mal einen Palmdieb sieht, sollte zählen: Palmdiebe sind Zehnfüßler - allein für das Befeuchten seiner Kiemen benutzt das Tier ein Paar - die kleinsten und kürzesten seiner zehn Beine. Welchen Vorteil zehn Füße haben? Vielleicht kann der Palmdieb mit ihnen schneller laufen. Doch wie heißt es bei Wilhelm Busch: "Vielleicht ist ein schlauer Krebs, der vorwärts und rückwärts gehen kann."

Als Zooreporterin im Fernsehen: TV.Berlin, Sa. 18.20 Uhr, So. 18.20, 21.20, 23.20 Uhr. Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: www. morgenpost.de/tierfamilie