Geschichten aus Zoo und Tierpark

Plumploris - Herzensbrecher in Zeitlupe

| Lesedauer: 3 Minuten
Tanja Laninger
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Plumploris bewegen sich in Zeitlupe

Die Plumploris gehören zu den Halbaffen und leben eigentlich in Südostasien. Aber auch im Berliner Zoo, genauer gesagt im Nachttierhaus, wohnen zwei von ihnen. Das Päarchen frisst gerne Früchte und besonders gerne lebende Heuschrecken.

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Mütter, die ihren Nachwuchs ablecken, sind bei Kindern ab einem gewissen Alter nicht beliebt. Wenigstens benutzt die Homo-Sapiens-Mutter reine Spucke. Plumploris mischen Gift bei. Die Feuchtnasenaffen gehören zu den wenigen giftigen Säugetieren.

Mario Grüßer, Chef vom Nachttierhaus im Zoo, erklärt das damit, dass sie giftige Pflanzen fressen und über die Körperflüssigkeit abgeben. Der Sinn besteht darin, dass Mutti mal Freizeit möchte. Da es im Tierreich keinen Feierabend gibt, ist mit Freizeit die Möglichkeit zur Jagd gemeint. "Die Plumplori-Mutter hängt ihr Kind im Baum ab und zieht los. Weil sie es mit Gift eingekleistert hat, traut sich kein Feind ran", sagt Grüßer.


Er kümmert sich um zwei Plumploris. Das Männchen ,Plumpi' geht breitbeinig und bewegt sich so langsam, wie Humphrey Bogart Rauch aus seiner Lunge bläst, und Plumpi schaut einen genau so "Kleines"-mäßig an. Seine Augen sind dunkel und groß. Herzensbrecheraugen. Die hat sogar das Weibchen - kein Wunder, dass Grüßer sie Prinzessin nennt. Wer Schmetterlinge im Bauch spüren will oder weiche Knie - nix wie hin ins Nachttierhaus!

Ursprünglich leben Plumploris in Südostasien. Sie schlafen tagsüber in Baumkronen und sind nachts aktiv. Sie klettern nur, sie springen nicht. Deshalb brauchen sie keinen Schwanz und sie haben auch keinen erwähnenswerten langen.

Man nennt Plumploris auch Kneifzangen-Kletterer: Wo sie hingreifen, da wächst kein Gras mehr. "Sie haben unerwartet viel Kraft", sagt Grüßer. Plumploris können mit ihrem Daumen opponieren, mit seiner Spitze die Kuppen aller anderen Finger berühren. Das ist eine der Schlüsselfunktionen in der Entwicklung vom Affen zum Menschen, weil man mit so einem Daumen prima Werkzeuge basteln und halten kann - oder einen Stein, um seinen Bruder zu erschlagen, wenn der Abel heißt.

Plumploris kennen keinen Brudermord, Plumploris als Allesfresser beißen lieber lebenden Heuschrecken den Kopf ab. Sie sind dabei erstaunlich langsam. Lokomotion heißt die Beobachter einschläfernde Art der Fortbewegung. Der Trick ist: Wer durchs Geäst klettern kann, ohne die Vegetation zu bewegen, wird unsichtbar für Feinde - und Beute.

Gelegentlich halten sie inne und pinkeln auf ihre eigenen Hände. Mit Absicht. So setzen sie Duftmarken am Baum und halten Rivalen fern wie mit einem selbst gemalten Besetzt-Schild, das nur zu riechen, aber nicht zu sehen ist.

Die Präsenz des Unsichtbaren hat schon manchen Menschen wuschig gemacht. Aberglaube kam auf: Es heißt, wenn das Fell eines Plumplori auf eine Wunde gelegt wird, heilt sie schneller; und ein Schiff, dass ein Plumplori an Bord hat, gerät in keine Flaute. Damit wird - ganz ohne Marcel Proust - der Langsamkeit eine eigene Qualität zugeschrieben. In Zeichen der Globalisierung ein gutes, ein gesundes Omen.

Kolumnen von Tanja Laninger: www.morgenpost.de/zooreporter und bei TV Berlin samstags und sonntags 17-23 Uhr zur vollen Stunde