Geschichten aus Zoo und Tierpark

Der Dicke liebt Gemütlichkeit

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Tanja Laninger
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Berliner Nilkrokodil frisst keine Menschen

Das Nilkrokodil alias der "Dicke" ist mit rund 70 Jahren das wohl älteste Tier, das in Zoo, Tierpark und Aquarium lebt. "1956 ist er ins Aquarium gekommen", sagt Vize-Revierchef Ronny Keßner.

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Hägar der Schreckliche kann zufrieden sein mit seinem Beinamen. Als Wikinger jedenfalls. Und auch das Nilkrokodil im Aquarium kommt mit ,der Dicke' und ,der Große' gut weg. Man könnte es nämlich auch ,der Alte' nennen.

Der Dicke ist mit rund 70 Jahren das wohl älteste Tier, das in Zoo, Tierpark und Aquarium lebt. "1956 ist er ins Aquarium gekommen", sagt Vize-Revierchef Ronny Keßner. Da zu der Zeit der Handel mit Wildtieren noch florierte, kann er direkt aus dem Nil stammen. Nilkrokodile sind eigentlich Süßwasserreptilien. "Sie schwimmen aber auch ins Meer und bevölkern kleine Inseln", sagt Keßner.


Der Dicke gilt als gemütlich. Das war nicht immer so, einer Mitbewohnerin hat er den Unterkiefer weggebissen. Seit zwei Jahren lebt er allein, damals ist das letzte Orinoko-Krokodil gestorben. Keßner lässt Vorsicht walten, wenn er dienstags das Becken reinigt: lässt das Wasser ab, spritzt die eine Beckenhälfte ab, dann die andere, und hat immer das Reptil im Auge. Zur Sicherheit hält ein Kollege einen Schlauch im Anschlag. Nicht mal eine Panzerechse mag einen knüppelharten Wasserstrahl auf der Haut.

Wasser macht das Tier aggressiv: Bei gefülltem Becken will der Dicke seine Territorialgewalt ausüben. Spaziert Keßner auf der Grünfläche am Rand, schwimmt der Dicke neben ihm wie ein Schatten. Der Dicke ist fit, er springt bis 1,50 Meter hoch. Leider hat er nicht die Person erwischt, die ihm vor mehr als zehn Jahren das linke Auge ausgeschossen hat. Keßner hat so seine Vorstellungen, was man mit dem Übeltäter machen könnte. An dieser Stelle sei gesagt, dass der Dicke keine Menschen fressen würde, die jemand in sein Becken schubst. Er bekommt jeden zweiten Montag um 15 Uhr zehn Kilo Rind, ist also satt. Aber er würde jede Beute packen und unter Wasser zerren, in fünf Meter Tiefe. Dort hält er es trotz Lungenatmung 20 Minuten aus. Zeit genug, Menschen zu ersticken und Kadaver zu verstecken. "So was passiert in freier Wildbahn, ist im Aquarium aber noch nie vorgekommen", versichert Keßner.

Zu den Krokodilen im Aquarium kommt der Tod in Form von Münzen, die abergläubische Besucher ins Becken werfen. "Das Metall oxidiert im Magen. Daran sind schon Exemplare verendet", sagt Keßner. In Lauerstellung sinkt sein ganzer Körper unter Wasser. "Nur Augen und Nase ragen heraus", sagt Keßner. Das Krokodil sieht alles. Keiner sieht das Krokodil. Egal wie dick, groß oder schrecklich es ist.