Geschichten aus Zoo und Tierpark

Der Waldbison - Futter suchen, fressen, ausruhen

Futter suchen, fressen und verdauen - das ist der ganz normale Tag im Leben eines Waldbisons. Außerhalb der Paarungszeit und Jungenaufzucht ist nicht viel los - das war eine kleine Ewigkeit lang so. Gelegentlich tauchten ein paar Indianer auf und rückten den Büffeln zu Leibe.

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Zooreporterin Tanja Laninger hat im Tierpark Berlin den Waldbison besucht. Eine Spezies, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Schließlich ist sie in ihrer Heimat Nordamerika das größte Säugetier.

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Doch ab dem 17.Jahrhundert - es besiegelte nicht nur das Schicksal der Indianer - erschienen Europäer am Horizont. Sie ersetzten Pfeil und Bogen und Fallgruben durch moderne Schusswaffen und machten den Büffeln beinahe den Garaus. Die schätzungsweise 150 000 Waldbisons wurden dezimiert. 1894 lebten nur noch wenige Tiere in Kanada zwischen dem Athabasca-See und dem Großen Sklavensee: dem heutigen Wood-Buffalo-Nationalpark. Zuletzt mischten sich die Waldbisons mit angesiedelten Präriebisons. 1940 galt der Waldbison als ausgestorben.

Doch 17 Jahre später entdeckten Wildhüter beim Überfliegen von Schutzgebieten in Alberta eine kleine, isoliert lebende Herde von etwa 200 reinblütigen Waldbisons. Es waren die Letzten ihrer Art. Sie wurden abgeschirmt, die Erhaltungszucht begann. Davon hat der Tierpark Berlin profitiert, wie Kurator Christian Kern berichtet. "1974 haben wir unsere ersten drei Waldbisons aus Kanada erhalten, nach dem Zoo Leipzig waren wir damals die Zweiten in Europa."

Seitdem werden die Tiere im Tierpark gezüchtet. ."Von Herbst bis frühen Winter ist Paarungszeit. Von Mai bis August ist Setzzeit, der Nachwuchs kommt zur Welt", sagt Kern. Die Kälber werden mit kräftig rotbraunem Fell geboren und färben sich erst nach vier Monaten langsam in das Schwarzbraun ihrer Eltern um. Und sie legen deutlich an Gewicht zu. 1000 Kilo, also eine Tonne kann ein ausgewachsener Bulle wiegen. Er ist damit doppelt so schwer, außerdem etwa ein Drittel größer als ein weiblicher Waldbison. Geschlechtsdimorphismus nennt man das, also wenn Männchen und Weibchen einer Art sich bei bestimmten Eigenschaften - hier in Größe und Gewicht - deutlich unterscheiden. Zu fressen bekommen sie alle das Gleiche: "Heu so viel sie wollen, Pflanzenfresserpellets und im Sommer frisches Gras und Laub", sagt Kern. Und jedes Tier frisst einen halben Eimer Möhren pro Tag.

So manches Kilo steckt im Buckel, der beim Bullen wie ein stark behaarter Berg aus dem Rücken aufragt. Unter dem Fell verbergen sich Muskeln. Angeblich beeindrucken Bullen sich gegenseitig mit diesem Kamm. Der Buckel wäre dann das, was für manche Männer Sportwagen und Uhren sind. Er macht das Tier noch größer. Da es in Nordamerika weder Giraffen noch Elefanten gibt, ist der Waldbison neben seinem nächsten Verwandten, dem Präriebison, dort das größte Säugetier. Im Tierpark Berlin ist der Waldbison gegenüber den Wisenten zu sehen.

Im Berliner Zoo leben Präriebison und Wisente nebeneinander. Erwähnenswert ist die Architektur der Zoo-Stallungen, die aus dem Jahr 1905 stammt. Die Bisons können sich in ein nordamerikanisches Langhaus zurückziehen, rechts daneben dient ein russisches Blockhaus den Wisenten als Stallung

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

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