Geschichten aus Zoo und Tierpark

Die Rettung des letzten Einhorns

Es war einmal die Arabische oder Weiße Oryx. Beinahe würde die Geschichte über diese Antilopenart so beginnen, hätte es in den 60er-Jahren nicht einen besonderen Suchtrupp gegeben.

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Zooreporterin Tanja Laninger über die Weltherde der Oryxantilope im Berliner Tierpark und warum man die Tiere auch Einhorn nennt.

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In Zusammenarbeit mit der Fauna Preservation Society und dem WWF (World Wildlife Fund) machte sich eine Gruppe Männer auf die Suche nach dem letzten Einhorn. Na ja, fast. Die Forscher suchten nach Arabischen Oryxantilopen. Die Spießböcke lebten einst zu Tausenden im Sinai, auf der Arabischen Halbinsel sowie in Israel, im Libanon und von Syrien bis zum Irak. Die schneeweißen Tiere mit der schwarzen Gesichtsmaske sollen das reale Vorbild für das mythologische Einhorn sein. Denn betrachtet man ihre geraden und bis 80 Zentimeter langen Hörner von der Seite, verschmelzen sie zu einem einzigen Horn.

Beinahe also wäre die Arabische Oryx ausgestorben. "1972 ist vermutlich das letzte frei lebende Exemplar im Oman geschossen worden", sagt Tierpark-Kurator Christian Kern. Die Männer des Suchtrupps hatten zuvor drei Oryx in der Wildnis gefangen, in den Zoo Phoenix gebracht und so die Art gerettet. Mit weiteren Tieren aus Zoologischen Gärten bildeten sie die Basis für eine Weltherde. "Nachkommen dieser Zucht bilden den Grundstock für den Großteil der heute in Menschenhand lebenden Arabischen Oryx", sagt Kern. Aus dieser Weltherde kamen 1979 fünf Tiere von Phoenix und San Diego nach Berlin. Noch im selben Jahr gab es Nachwuchs. Mit milchkaffeefarbenem Fell geboren, bleiben die Jungtiere als "Ablieger" in einer Mulde im Wüstensand liegen. Das einheitliche Braun tarnt vor Beutegreifern wie Wolf oder Leopard. Die Mütter kommen nur zum Säugen vorbei.

Bis heute züchtet der Tierpark Berlin die Arabische Oryx. Der Nachwuchs lebt in vielen europäischen Tiergärten und sogar in Saudi-Arabien, wo wiederum Tiere ausgewildert wurden. Der Bestand in Freiheit und Schutzgebieten soll rund 1000 Tiere betragen. Aber die Jagd ist immer noch ein Problem.

Vor Schusswaffen schützt kein Spieß der Welt. Die Hörner haben allerdings eine wehrhafte Funktion. Untereinander klären Oryxantilopen die Rangfolge in der Herde. Das war im Winter 2010 im Tierpark zu sehen, als der neue, 2009 im Zoo Zürich geborene Bock Jameel bei den Berliner Kühen eingeführt wurde. Jameel trug mit jeder Kuh einzeln ein Gefecht aus. Er blieb achtmal Sieger und ist jetzt der Boss.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

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