Geschichten aus Zoo und Tierpark

Das Liebesspiel der giftigen Färberfrösche

Er schnurrt, sie streicht ihm über den Rücken. Hand in Hand - seine Finger sind viel breiter als ihre - hüpfen sie unter eine halbe Kokosnuss. Die Romantik wäre perfekt, würde Musik gespielt, die so sanft und selbstverständlich dahinplätscherte wie das Liebesspiel der Färberfrösche.

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Die Färberfrösche aus dem Berliner Zoo-Aquarium sind farblich ein Augenschmaus. Ihr Liebesspiel mutet romantisch an. Umso gefährlicher lebt der Nachwuchs, erfuhr Zooreporterin Tanja Laninger.

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Doch ihr Reproduktionsglück hängt nicht von ätherischen Wellen ab, sondern von feuchtem Laub. Darin legt das Männchen seine Samen ab. Das Weibchen lässt Eier darüberplumpsen und macht sich von dannen. Gelingt die Befruchtung, hat Vati zu tun. Er hält die befruchteten Eier feucht, indem er mit angenässtem Bauch darüberstreicht. Sind die Larven nach zehn bis 16 Tagen geschlüpft, nimmt er eine Kaulquappe nach der anderen huckepack und trägt sie in Wasserkuhlen und Bromelientrichter. Färberfrösche leben am Boden, doch ihre Brut verstecken sie zur Sicherheit in luftiger Höhe. Die oberste Regel lautet: Jedes Kind bleibt für sich. "Diese Kaulquappen vertragen sich nicht", sagt Reviertierpfleger Robert Seuntjens aus dem Berliner Zoo, "sie fressen sich gegenseitig auf." Dieses Verhalten legen sie nach drei Monaten ab, wenn sie ausgewachsene Frösche sind, ihre Metamorphose also abgeschlossen ist.

Färberfrösche stammen aus dem nördlichen Südamerika, vom Guyana-Plateau. Sie leben in Regenwäldern. Dort sind die Dendrobates giftig, aber nicht so stark wie ihre schrecklichen Verwandten, die Pfeilgiftfrösche (Phyllobates terribilis). Das Gift entsteht, weil die Frösche andere giftige Tiere verspeisen, deren Gift umwandeln und in sogenannten Körnerdrüsen in der Haut abspeichern. "Ziel ist Abschreckung", sagt Seuntjens. "Kommt ein Vogel und schnappt sich einen Giftfrosch, spuckt er ihn sofort aus und rührt ihn nie mehr an, weil er wegen des Gifts so ekelig schmeckt."

Indianer haben sich das Gift zunutze gemacht. Manche spießen Pfeilgiftfrösche auf und gehen auf die Jagd. "Die sanftere Methode ist, das Tier zu fangen, zu ärgern, damit es unter Stress Gift absondert, mit der Pfeilspitze darüberzustreichen und es dann wieder laufen zu lassen", sagt Seuntjens. Färberfrösche selbst jagen auch - und zwar mit ihrer Zunge. Die ist so schmal, dass nur Kleinstinsekten daraufpassen. Im Aquarium sind das Mikroheimchen, Fruchtfliegen und Springschwänze, die mancher Mensch aus seinem Blumentopf zu Hause kennt.

Färberfrösche gibt es in mehr als 30 Farbvarianten. Seuntjens zeigt drei in der Schau im dritten Stock des Zoo-Aquariums. Alle haben eine tiefschwarze Grundfarbe, dunkelblau schimmernde Beine und gelbe Muster. Beim Alanis bildet das Gelb den Buchstaben Y auf dem Rücken. Und der Azureus ist blau gemustert. Die intensiven Farben sollen andere Tiere vor dem Gift warnen. Doch das Prinzip gelte nicht für alle, sagt Seuntjens. "So ist der Alpensalamander schwarz, aber giftiger als der auffällige Feuersalamander. Und der sehr giftige Raketenfrosch, Colosthetus panamensis , ist schlicht nur braun."

Insgesamt sind im Aquarium des Zoos zwei Dutzend verschiedene Froscharten zu sehen. Im Berliner Tierpark lebt auch der nachtaktive Baumhöhlen-Krötenlaubfrosch, der aus kleinen, weißen Drüsenwarzen ebenfalls schleimhautreizendes Sekret absondert und dank einer Schallblase laut rufen kann.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

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