Geschichten aus Zoo und Tierpark

Eine neue Frau für Hirsch William

Hirsche sind klassische Zoo-Tiere, "weil Zoos aus Jagdgehegen entstanden sind", sagt Zoo-Kurator Tobias Rahde.

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William lebt im Berliner Zoo und ist ein Prinz-Alfred-Hirsch, eine Art, die von den Philippinen stammt. Nun soll er ein neues Weibchen an die Seite gestellt bekommen, weil seine bisherige Partnerin zu alt ist. Zooreporterin Tanja Laninger hat ihn besucht.

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Vom 40 Zentimeter kleinen Pudu-Hirsch bis zum Waldrentier sind neun von insgesamt rund 40 Arten im Zoo Berlin zu sehen, weitere im Tierpark, inklusive einer riesigen Hirsch-Statue, die das Format der Tiere vor 12.000 bis 400.000 Jahren zeigt, als es eine Megafauna gab.

Doch die europäischen Verwandten von Nashorn, Elefant und Giraffe sind ausgestorben, andere Großtiere wie Wisente wurden ausgerottet. "So ist nur noch der Rothirsch als letztes frei lebendes Großtier in Europa zu sehen", sagt Rahde, mit viel Glück sogar im Grunewald, in der Dämmerung. Nachtaktiv ist auch der Prinz-Alfred-Hirsch, eine Art, die von den Philippinen stammt und auf deren Haltung Rahde stolz ist. "Es handelt sich um eine der seltensten Hirscharten der Welt." Er hat seinen Namen vom gleichnamigen Sohn der britischen Königin Victoria, einem passionierten Jäger.

In freier Wildbahn leben geschätzt maximal 200 Exemplare, sie sind stark gefährdet. Die Hirschart wird gejagt, ihr Lebensraum - der tropische Regenwald - auf den philippinischen Visayas-Inseln stetig verkleinert. 1990 hat die Regierung Schutzmaßnahmen beschlossen, von denen die erfolgreichste noch jene war, einige Exemplare in ausländische Zoos zur Nachzucht abzugeben. Dazu gehört der französische Zoo Mulhouse, von dem Berlin 1994 ein Paar - William und Mila - erhielt. Deck-Hirsch William soll nun ein neues Weibchen an die Seite gestellt bekommen, weil Mila inzwischen zu alt ist. Und auch für ihre Töchter ist Rahde auf der Suche nach einem Partner. "Bei einer so kleinen Population muss man Inzucht vermeiden", sagt Rahde. Im Zoo kamen bislang 28 Jungtiere zur Welt. Um den Nachwuchs kümmert sich die Mutter. Vater und Kind haben sich nichts zu sagen, die Söhne werden mit der Geschlechtsreife zu Rivalen. Um in der Brunft Kämpfe auszutragen, benutzen Hirsche ihr Geweih. Die Geweihe der Prinz-Alfred-Hirsche sind - wie das ganze Tier - zierlich und kurz. Nun ist im Dschungeldickicht weniger Ballast mehr, die Umwelt formt das ganze Tier: Es ist vorne kleiner als hinten. "So können sie sich besser ins Dickicht zwängen", erklärt Rahde. Das Tier wird deswegen auch Schlüpfer genannt. Wahrlich kein Marketing-Knüller, die Bezeichnung. Aber wenigstens komisch.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

Als Zooreporter im Fernsehen: TV.Berlin, Sa. 18.20 Uhr, So. 18.20, 21.20, 23.20 Uhr