Geschichten aus Zoo und Tierpark

Elli ist die Schlange für schwere Hüften

Vorneweg gesagt: Es heißt die Schlange und der Python. Und das eine ist das andere. Manche eignen sich sogar für Bauchtanz. So wie Elli. Der Dunkle Tigerpython stammt aus dem Hamburger Zoo Hagenbeck und lebt seit Jahren im Aquarium Berlin.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Saskia ist zwar erst 20 Monate alt, bringt es aber schon auf eine Länge von anderthalb Meter. Und die Python wird weiter wachsen, ihr Leben lang. Zooreporterin Tanja Laninger hat sie und ihre Artgenossen im Terrarium des Berliner Zoos besucht.

Video: BMO
Beschreibung anzeigen

"Elli war die Vorführschlange für Dschungelnächte", erklärt Vizerevierchef Ronny Keßner. In Berlin legt sich jedoch niemand mehr die Riesenschlange um die Hüften. Das hat auch mit Würde zu tun. Denn Elli ist 30 Jahre alt. Weich und glatt und warm. Groß, aber senil, wie ihre Pfleger sagen. "Sie wackelt mit dem Kopf wie ein Kunstdackel auf der Ablage eines Autos", sagt Keßner. Er meint das nett, schließlich hat er sich an seine Reptilien gewöhnt. "Die Bindung ist da. Man leidet mit, wenn eines sich erkältet." Überhaupt, würde man den tauben Tieren sonst Rufnamen geben? So macht das auch Keßners Kollege Thomas Warkentin. Er hat vor fünf Jahren von seinem früheren Arbeitsplatz, dem Allwetterzoo Münster, den Tigerpython Gladis mit nach Berlin gebracht.

Elli und Gladis teilen sich ihr Terrarium mit Elmar und einem namenlosen Artgenossen. Warkentin vergibt nur Frauennamen - Elmar hieß früher mal Elke, bis der Irrtum bemerkt wurde. Schlangen sieht man ihr Geschlecht so schlecht an. Hinter den Kulissen lebt Ellis Tochter Saskia. "Wir züchten regelmäßig. Das klappt sehr gut. Die Jungtiere geben wir ab. Nur Saskia behalten wir als Ersatz, falls Elli stirbt", sagt Keßner. Saskia ist 20 Monate alt. Frisch geschlüpft war sie so dick wie ein Daumen und kam auf einen halben Meter Länge. Nach einem Jahr waren es 1,50 Meter, bei einem Gewicht von 5,2 Kilogramm. Keßner füttert sie sonntags mit zwei Ratten "Sie muss ja noch wachsen." Saskia und Konsorten sind keinesfalls witzig oder gar giftig wie die britische Komikertruppe Monty Python, sondern auf ihre Art friedlich. Die Masse macht's. Bis zu sechs Meter lang werden Tigerpythons und 40 Kilo schwer. Sie gehören zu den größten Würgeschlangen. Ihr Magen ist dehnbar und lang, die Rippen sind ohne Brustbein sehr beweglich. Am meisten Platz hat der Afrikanische Felsenpython: Er kann zu einer Mahlzeit einen 35 Kilo schweren Springbock verschlingen oder einen kleinen Affen. Das Würgen dauert Dutzende Minuten, das Verschlingen Stunden, das Verdauen Tage.

In freier Wildbahnwürde Saskia noch auf Bäumen herumschlängeln; ältere Pythons bevorzugen bodennahe Standorte wie Höhlen unter Baumstämmen. Pythons gelten als gefährdet und sind im Washingtoner Artenschutzabkommen gelistet. Begehrt ist ihre Haut, sie wird immer noch zu Schuhen und Handtäschchen verarbeitet. Mancherorts - der Dunkle Tigerpython stammt aus den Tropen und Subtropen Süd- und Südostasiens - wird das Fleisch gegessen. In Berlin ist ihre Haltung in Privathaushalten mit Ausnahmegenehmigung erlaubt.

Einmal jährlich paaren sich die Tiere. "Bei uns fangen sie in der kühlen Zeit zu flirten an", sagt Keßner, "also im Dezember und Januar." Drei Monate später folgt die Eiablage - die angehende Mutter hält ihrem Gelege die Treue. "Sie wickelt sich so dicht darum, dass wir manchmal gar kein Ei zu sehen bekommen." Durch Muskelkontraktion kann sie Wärme abgeben, die Temperatur am Ei steigt dann um ein bis zwei Grad. 70 Tage später schlüpfen die Tiere. Und dann schlängelt sich jeder allein seiner Wege.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

Als Zooreporter im Fernsehen: TV.Berlin, Sa. 18.20 Uhr, So. 18.20, 21.20, 23.20 Uhr