Geschichten aus Zoo und Tierpark

Wenn der Kleine Panda Backpfeifen austeilt

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Tanja Laninger
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Katzenbären klettern wie die Weltmeister

Katzenbären im Berliner Zoo essen neben Bambus gern auch Avocados, Papayas oder Mangos. Die Kleinen Pandas können sich mit ihren scharfen und gebogenen Krallen fantastisch festhalten - und das schon als Babys.

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Sie sind Sohlengänger wie wir Menschen, klettern kopfüber aber eleganter eine Leiter hinab. Katzenbären. Sie können sich mit ihren scharfen und gebogenen Krallen fantastisch festhalten - und das schon als Babys.

Das hat Reviertierpfleger Michael Horn bei den diesjährigen Katzenbärenkindern beobachten können. Am 21. Juni geboren, haben die Zwillinge sich nun öffentlich gezeigt. Freiwillig. Sie sind in einer Wurfkiste im Freigehege zur Welt gekommen und konnten selbst entscheiden, wann sie dort herausklettern. Jedes Mal, wenn sie auf Abenteuerreise gehen, sorgt sich Mutter Isabel - 2004 im dänischen Zoo Givskud geboren - und klettert schreiend hinterher. Vater Quincy - er kam 2005 im Zoo Dortmund zur Welt - hat zur Fürsorge gar keine Chance. Er durfte als biologischer Erzeuger herhalten. Kommt er jetzt seinem Nachwuchs zu nahe, wischt Isabel ihm eine. Er kann keinesfalls auf Solidarität unter Männern hoffen. Anfangs hatte der Tierpark die Geburt einer Angelina und eines Angelos gemeldet. Doch da sich bei dem Jungen nichts regte, nennt Horn "ihn" inzwischen Angela.

Quincy und Isabel, Angelina und Angela - sind keine Namen, die auf das ursprüngliche Verbreitungsgebiet hinweisen. Es reicht vom Osten des Himalaja über Nepal und Myanmar bis Yunnan und Sichuan in China. Klingt riesig. Ist es auch. Aber wegen Umweltzerstörung nennt die Weltnaturschutzorganisation IUCN die Raubtiere "stark gefährdet". Vor drei Jahren stufte sie den Bestand unter 10 000 Tiere ein. Katzenbären sind auch als Kleine Pandas bekannt: Sie sind etwa 1,20 Meter lang, wobei der Schwanz die 60 Zentimeter misst. Sie wohnen in Bäumen und fressen am liebsten Bambus, so wie der nicht mit ihnen verwandte Große Panda. Die Großen sind schwarz-weiß gefärbt, die Kleinen rot-braun. Deshalb werden die Kleinen Pandas auch Feuerfuchs genannt; und Katzenbären nennt man sie, weil sie sich beim Waschen mit den Tatzen abstreichen wie Katzen.

Beide haben einen verlängerten Handgelenkknochen, den sie wie einen Daumen nutzen könne, also in Opposition zu den anderen vier Fingern bringen. Damit lässt sich hervorragend greifen. Die Funktion ist sonst nur typisch für die menschliche Anatomie und die der Menschenaffen, die echte Daumen haben: verbunden mit der Hand durch ein Sattelgelenk.

Außer Bambus greifen die Kleinen Pandas zu Avocados, Papayas, Mangos, Bananen, Feigen und Datteln, gelegentlich schmiert Horn ihnen Rosinenstullen und formt Haferflockenkuchen.

Bekochen wird er die Katzenbären-Familie den ganzen Winter über. Im Frühjahr heißt es Abschied nehmen: "21 Tiergärten haben bereits den Wunsch auf Katzenbären artikuliert", sagt Tierpark-Kurator Klaus Rudloff. Ende 2008 wurden in 107 europäische Zoos 237 Katzenbären gehalten. Der Zoo Rotterdam koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm. Wie gut der Kurator kopfüber klettert, ist nicht bekannt.

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