Geschichten aus Zoo und Tierpark

Die Legende vom dänischen Protestschwein

Sie pfeifen nie, sondern grunzen. Sie suhlen sich liebend gern im Dreck. Sie fressen alles. "Stimmt", sagt Reviertierpfleger Peter Griesbach aus dem Zoo. Schweine sind schnell treffend beschrieben. Doch es gibt etwas, findet Griesbach, das sollten Menschen unbedingt noch wissen: die Tragezeit.

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Mit dem Fell hat es beim Husumer Protestschwein eine besondere Bewandtnis. Es ist rot und rot und in der Mitte weiß. Die Eigentümer hatten es so gezüchtet, denn die Schweine hielten als Fahnenersatz her.

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"Drei, drei, drei", sagt Griesbach, "drei Monate, drei Wochen und drei Tage." Die Zeit ist längst abgelaufen. Am 22. Mai 2010 hat Muttertier Stine geworfen. Am Morgen um 9.30 Uhr kamen zwei Jungtiere zur Welt. Streicheln kann man sie nicht, "Schweine beißen", sagt Tierpflegerin Anke Korsenewski. Und sie sind nicht wählerisch: Sie fressen alte Brötchen, sie fressen Knochen. Sie führen ein Leben in Neugier und Hoffnung auf Obst, Gemüse, Reiskuchen, Fleisch - auf alles, was die tierischen Nachbarn im Vogel- und Raubtierhaus übrig lassen. "Fressen können Schweine den ganzen Tag", sagt Griesbach. Mit Folgen: Sie bringen bis zu 350 Kilo auf die Waage.

Zweite Lieblingsbeschäftigung: Schlafen - daher kommt wohl der "innere Schweinehund". Platz drei ist für das Baden reserviert. Abkühlung ist wichtig, denn Schweine können nicht schwitzen unter ihrem Fell.

Mit dem Fell hat es beim Husumer Protestschwein eine besondere Bewandtnis. Es ist rot und rot und in der Mitte weiß. Die Eigentümer hatten es so gezüchtet, denn die Schweine hielten als Ersatz her: Sie wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum politischen Symbol. Die dänische Minderheit in Nordfriesland durfte vor rund 100 Jahren ihre Nationalflagge, den Dannebrog, nicht öffentlich hissen. Da züchteten sie sich eine lebende Fahne für die Vorgärten. Eine äußerst kreative Art, jemandem die lange Nase zu zeigen und seinen Willen durchzusetzen. Aber ob die Geschichte stimmt? "Nie gehört", heißt es bei den Mitarbeitern der dänischen Botschaft in Berlin; sie schalten den Forscher Lars Henningsen von der Dänischen Zentralbibliothek für Südschleswig ein. Henningsen sucht im Archiv und sagt, dass die dänische Minderheit zwischen 1864 und 1925 ganz schwach um Husum vertreten gewesen sei. "Das spricht gegen die Geschichte", folgert er, man müsse ihren Ursprung noch genauer untersuchen. So lange lebt die Legende weiter. Fest steht: 1968 wurde letztmalig eine Geburt des Rotbunten Husumer Protestschweins verzeichnet. Seitdem gilt die Rasse als ausgestorben. Inzwischen existiert eine ähnliche Zuchtform, deren Erhalt das Land Schleswig-Holstein fördert. Schwein gehabt!

Weitere Kolumnen von T anja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie Als Zooreporter im Fernsehen: TV.Berlin, Sonntag 18 & 21 Uhr