Geschichten aus Zoo und Tierpark

Die unerhörte Sprache der Elefanten

| Lesedauer: 3 Minuten
Tanja Laninger
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Neues Gelände für Elefantenkind Ko Raja

Sieben asiatische Elefanten haben im Berliner Zoo nun mehr Platz bekommen. Das alte Gelände wurde um 900 Quadratmeter erweitert. In dem abwechslungsreichen Gehege fühlt sich besonders Elefantenbaby Ko Raja wohl.

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Des Nachts, in den stilleren Stunden der Stadt, schwingen sie Rüssel und Reden - und wir merken es nicht. Elefanten kommunizieren mit Tönen im Infraschallbereich.

Diese Elefantensprache ist Forschern seit Jahren bekannt, und Caitlin O'Connell-Rodwell von der Stanford University in Palo Alto (Kalifornien) hat vor zwei Jahren in Namibia entdeckt, dass die Tiere nur auf Warnrufe von Bekannten reagieren - wohl, um unnötige Fluchtbewegungen, die Energie kosten, zu vermeiden. Menschen können die Schwingungen gar nicht hören. Nur wenn die Dickhäuter schneller sprechen, vernehmen wir ein tiefes Blubbern und Grummeln, das Kollern, den Kontaktruf.


Die acht asiatischen Zoo-Elefanten könnten sich über das Wetter unterhalten, über Kindererziehung streiten oder, da sie schon länger in Berlin leben, vor sich hinmeckern. Etwa darüber, dass sie kein Spielzeug haben. Das monierte diese Woche eine Besucherin. Dafür haben die sieben Elefantenkühe - Bulle Victor hat sein eigenes Gehege - im Zoo seit Kurzem 3000 Quadratmeter und damit 900 Quadratmeter mehr Platz. Ein angrenzendes Gehege wurde gerodet, ein paar Baumstämme ließ man stehen. Daran reiben sich die Dickhäuter und stoßen die Rinde ab. Am liebsten werfen sie die alte Erde im neuen Gelände auf - wer weiß, was die da noch ausbuddeln, sagt Revierchef Rüdiger Pankow.

Die Jüngsten haben das neue Wasserbecken für sich entdeckt. Die knapp ein halbes Jahr alte Ko Raya muss an der tiefsten Stelle ihren Rüssel ganz ausfahren, um Luft zu bekommen und sieht aus wie ihr blaues Gegenstück in der "Sendung mit der Maus". Ihre vier Jahre ältere Schwester Shaina Pali passt auf, dass Ko Raya nicht absäuft. In der Herde der Frauen bekommt Mutter Pang Pha also Erziehungshilfe.

Tanta Carla ist fürs Schmusen zuständig. Auch wenn ihr zuletzt nicht danach war. Der Grund: Zahnweh. Elefanten haben 24 Backenzähne, in jedem Gebissviertel sechs. Ist der vorderste abgenutzt, rutschen die hinteren nach. Sind alle weg, kauen und verdauen die Tiere schlecht und werden kränklich. Dann bevorzugen sie Aufenthaltsorte, in denen weiche Nahrung wächst - und sterben dort. "So ist der Begriff des Elefantenfriedhofs entstanden", sagt Zoo-Tierarzt Andreas Ochs.

Bei Carla hatte sich ein Zahn verhakt statt abzubrechen und so den Nachrücker blockiert. Sie fraß kaum noch, war unleidlich. Für den Doktor das Maul aufreißen wollte sie aber auch nicht - so bekam sie Schmerzmittel. "Vermutlich hat sie sich den Zahn mit ihrem Rüssel selbst gezogen - sie frisst nämlich wieder", sagt Ochs.

Im New Yorker Bronx Zoo haben Elefanten sich mit ihrem Rüssel vor einem Spiegel selbst abgetastet. Daraus schließen Forscher, dass Elefanten - wie Menschen, Affen und Delfine - über Selbstbewusstsein verfügen.

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