Kolumne Stadtflucht

Die Pandemie begründet neue Trends - wie das Corona-Haustier

In Pandemie-Zeiten haben sich wohl immer mehr Menschen für ein Haustier entschieden. Uta Keseling hat jetzt eine schwarz-weiße Katze.

Uta Keseling hat eine schwarz-weiße Katze als Haustier. (Symbolbild)

Uta Keseling hat eine schwarz-weiße Katze als Haustier. (Symbolbild)

Foto: pa/Montage BM

Vermutlich ist es auch schon wieder so ein Trend: Das Corona-Tier. Dass sich jetzt immer mehr Menschen für Haustiere entscheiden, halte ich auf jeden Fall für gut denkbar. Und ich gehöre jetzt auch dazu. Obwohl, eigentlich hat es ganz anders angefangen.

Ziemlich genau mit der Corona-Zeit tat sich ein Loch auf, katzenförmig, im Garten wie im richtigen Leben. Einerseits versuchte ich mir einzureden, war ein Leben ohne tierische Verpflichtungen ja auch ganz gut. Aber andererseits – nun ja. Es fing mit den leeren Plätzen auf Sofa und Gartenbank an. Nichts wimmelte einem mehr um die Beine. Und es hörte mit einer Maus in der Küche auf, nach der wir erst länger berieten und dann ins Tierheim fuhren.

Mit der Katze ist unser Leben anders

Jetzt ist unser Leben anders – schwarz-weiß. So sieht die neue Katze aus, aber es ist auch ihr Programm. Einerseits besteht sie aus 3,3 Kilogramm Furcht und flieht bei den lächerlichsten Geräuschen hinter Öfen und Schränke. Um dann als Staubwedel verkleidet wieder hervorzuschreiten und sich dekorativ zum Streicheln anzubieten. Ein Tierheim-Tier hatte ich noch nie, deswegen wusste ich nicht, wie viele Fragen sich damit verbinden. Bei zugelaufenen Dorfkatzen erübrigt sich ja die Frage, wie sie zu Waschbären, Füchsen und den Nachbarskatzen stehen.

Unser Gast hat unseren Garten noch nie gesehen, und wir wissen nicht: Hat sie überhaupt schon mal einen Garten gesehen? Oder hält sie die Aussicht aus dem Fenster nur für interessantes Vogelfernsehen? Vorerst verläuft sich ihr Revier ohnehin nur bis zum Fensterbrett, denn aus dem Tierheim hat sie eine fiese Erkältung mitgebracht, die mit Medikamenten und Augentropfen behandelt werden muss. Sagt die Tierärztin.

Was man von Tieren lernen kann

Zu den Corona-Wahrheiten gehört ja auch, dass wir neuerdings allerhand Seltsames über uns selbst lernen. Dass wir backen lieben, zum Beispiel. Oder wie sehr man sich freuen kann, normale Kollegen in echt zu sehen. Oder eben: Was man von Tieren lernen kann.

Die Tierärztin ist eine handfeste Frau aus dem Nachbardorf, die schnell raus hatte, was das eigentliche Problem war: wir. Sie machte es vor: „Katzenmuttergriff“ am Genick, Augen auf, Tropfen rein, „ganz einfach!“ Auf meinen betretenen Blick hin räumte sie ein, dass Haustiere sich auf den stählernen Tischen der Veterinäre meist gefügiger benehmen als auf dem heimischen Esstisch. „Versuchen Sie, so zu denken wie Ihre Katze“, gab uns mit auf den Weg.

Die Netten füttern und streicheln

Also gut. Schwarz-Weiß-Denken: Aus 30 Zentimetern Augenhöhe stellt sich die Welt so dar, dass in Häusern unzählige Menschen leben, gute und böse. Die Netten sind die in der Küche. Sie lachen und reden, füttern und streicheln. Die Angespannten an den Schreibtischen haben wenig Humor bei Tobe-Anfällen, denen geht man tunlichst aus dem Weg. Dann sind da noch – Achtung! – fremde Personen im Garten. Und nachts total langweilige Leute im Bett.

Ich begriff das bei einer Diskussion mit der Katze um Füße, als wir auf dem Boden saßen. Sie hat vier, alle weiß, die Zehen sind rosa und schwarz und sie mag, daran angefasst zu werden. Dass auch die großen Füße, die sehr weit entfernt von uns auf dem Boden lagen, keine gefährlichen Fremdlinge waren, sondern irgendwie mit mir verbunden, hielt sie für wenig glaubhaft.

An der Sache mit den Augentropfen arbeiten wir noch. Ansonsten kann man sagen: Es ist Liebe, also ein bisschen. Zu Katzenfutter und Sofa einerseits und und dem Tier andererseits, wenn es einem trotz Furcht und oder vielleicht auch nur aus Versehen plötzlich schnurrend den Kopf zur Begrüßung reicht, als wäre das bisher so üblich gewesen.