Stadtflucht

Ein besseres Berlin ist möglich - Ach, wär' das schön!

Genug gemeckert. Uta Keseling versucht es mal mit Wünschen. Hier ihre ultimative Liste. Motto: Ein besseres Berlin ist möglich.

Foto: pa/Reto Klar

1. Für mehr Komfort passten sich die Berliner U-Bahnen den Standards der Fluggesellschaften an. Es gibt keine Stehplätze mehr, nach dem Start wird Kaffee serviert, sobald die Reiseflughöhe erreicht ist, gibt es Filme und freies Wlan. Und beim Aussteigen werden dann Air-Berlin-Herzen aus Schokolade verteilt.

2. Alle Züge im Nah- und Fernverkehr werden zur besseren Wiedererkennung mit Duftnoten ausgestattet. Die Berliner U-Bahnlinie U9 aus Steglitz wird dann beispielsweise auf einer leichten Fichtennadelwolke in die Bahnhöfe hineingleiten. Die U2 aus Pankow wird nach Latte Macchiato duften, die U1 aus Friedrichshain-Kreuzberg eine leichte Grasnote haben und so weiter.

3. Statt verzweifelt auf den selten funktionierenden Ticketautomaten der BVG herumzutippen, können Fahrgäste dort jetzt einfach Leergut einwerfen. Im Gegenzug gibt es dafür Fahrscheine. Das System gibt es übrigens schon – in Rom. Allerdings muss man dort pro Ticket gleich 30 Flaschen einwerfen. Italien hat nämlich kein Pfandflaschensystem. 4. Im Sommer werden Deoduschen an allen Bahnhöfen und Bushaltestellen angeboten. Im Winter gibt es Desinfektionstücher, Atemschutzmasken und Menthol-Duftbäume. Montagmorgens gibt es in allen Zügen kostenlose medizinische Betreuung gegen Hangover. Ob der Berlkönig auch eine Kokstaxi-Funktion bekommt, diskutieren derzeit die Kreuzberger Grünen.

5. Abends ab 22 Uhr lesen in allen U-Bahn-Zügen ehrenamtliche Lesepaten Gute-Nacht-Geschichten vor. Ab 23 Uhr ist je ein Wagen pro Zug Schlafwagen.

6. Einmal im Jahr gibt es in Berlin einen Kennenlern-Tag. Jeder Berliner verbringt einen Tag mit einem anderen, ihm vollkommen fremden anderen Berliner. Arbeitnehmer sind dafür bei vollen Bezügen freizustellen. Der Senat finanziert es, ebenso wie Mahlzeiten und Eintrittskarten zum Beispiel für Zoo und Kino. Ausreden gelten nicht.

7. Der Kudamm wird Fußgängerzone, und Unter den Linden bekommt einen grünen, verpollerten Fahrradweg vom Brandenburger Tor bis zum Dom. Okay, Witz. Oder doch eine gute Idee?

8. Jeder Abgeordnete wird verpflichtet, einmal im Monat mit dem Fahrrad quer durch die ganze Stadt zu fahren. Aber Achtung, die ganze Stadt ist nicht dasselbe wie Mitte. 9. Berlin führt als erstes Bundesland Deutschlands offizielle Meckerzonen ein. Dafür werden die Parklets aus Kreuzberg wut-rot angestrichen und gleichmäßig über die Stadt verteilt. Wer woanders meckert, wird dazu verurteilt, die Parklets zu putzen.

10. Um die Wohnungsdebatte zu beenden, bekommt Berlin ein eigenes Universum. Weil (noch) kein Meer in der Nähe ist, in dem man Inseln aufschütten könnte, entsteht der neue Planet Berlin im Weltraum. Noch ist unklar, ob einzelne Ortsteile (Marzahn? Spandau? Nord-Neukölln?) weg müssen oder ob der 13. Bezirk ein mondäner Villenvorort nach dem Modell von Prenzlauer Berg wird.

11. Der Denkmalschutz wird künftig auch für bisher verkannte architektonische Institutionen gelten. Etwa die Bahnhöfe Schloßstraße in Steglitz und Yorckstraße in Schöneberg in ihrem jeweiligen derzeitigen Zustand und für den BER. Auch auf der Liste: das Europacenter. Ach, das steht schon darauf?

Ach, wär das schön!

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