Karaseks Woche

Ronald Pofalla, Angela Merkel und das üble Rüchle

| Lesedauer: 2 Minuten
Hellmuth Karasek

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost. Heute über das Hüpfen aus Regierungsämtern in hoch dotierte Lobby- und Wirtschaftsämter.

Pofalla, Ronald Pofalla, dessen Namen, Persönlichkeit und Gesichtszüge sich jahrelang meinem widerspenstig widerstrebenden Gedächtnis nicht einprägen wollten, schaffte es 2011 nachhaltig durch eine üblicherweise in der Kindheit ausbrechende zwanghafte Krankheit: das Tourettesyndrom, das sich im unkontrollierten verbalen Ausstoß vulgärer Wörter äußert.

Bei Pofalla, damals Chef in Merkels Kanzleramt, brach das Leiden nach den Abstimmungen zur EU-Griechenlandhilfe aus. Dem sich anfangs dieser Abstimmung verweigernden Wolfgang Bosbach rief er zu: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann deine Scheiße nicht mehr hören.“

Jetzt hat er wohl ausgedient. Offiziell wollte er nicht mehr als Kanzleramtsminister dienen. Künftig, so Pofalla, werde er sich mehr dem Privatleben widmen. Das war nicht ganz wahr, denn kaum war er aus dem Amt draußen, sickerte durch, dass er alsbald und hoch dotiert in den Vorstand der Deutschen Bahn berufen werden sollte.

Da war für die Kanzlerin die „Kacke am Dampfen“ – um in Pofallas Denkart zu sprechen. Dieses Hüpfen aus Regierungsämtern in hoch dotierte Lobby- und Wirtschaftsämter gilt als unfein, um nicht zu sagen korrupt.

Merkel hat schon so einen Fall. Ihr Staatsminister Klaeden wechselte ohne Scheu und Frist zu Daimler – auch dies hat ein übles Rüchle.

Ein gefundenes Fressen für den Koalitionspartner SPD? Nein, denn diese Partei hat am Ende der Schröder-Regierung einen Deal mit Putin über Gazprom auch schnell vorgezogen, bevor Schröder abgewählt wurde. Es war dies der dreisteste Deal dieser Art, der aus dem Kreml bis zum Himmel stank.

Doch sind Wechsel von der Politik ins große Geld, kommen sie ans Licht, nicht mehr sehr nützlich. Dem Lobbyisten bringen sie außer Geld nur Schande. Sie nützen dem Geldgeber nichts. Oder hört jemand noch, ohne zu feixen, Schröders Satz, Putin sei ein lupenreiner Demokrat?