Karaseks Woche

Fußangeln statt Fußnoten

Die "Arabellion" nennt die "FAZ" in einem schönen Wortspiel den Flächenbrand der Straßenproteste und Revolutionsaufmärsche in den arabischen Ländern, der nach Tunesien und Ägypten längst auch Algerien, Libyen, Marokko, den Jemen, den Irak und den Iran, Oman und sogar Bahrain erreicht hat.

Das Schreckliche ist, nun ist die Erhebung auch in Brandenburg ausgebrochen: In Teltow ist eine Spaziergängerin, eine 44-jährige Frau, von einem frei laufenden Kamel hinterrücks in die Hand gebissen worden. Nun wird behauptet, das Kamel sei dem Zirkus entlaufen. Das kann mir keiner weismachen. Es ist das Kamel, das sprichwörtlich durch das Nadelöhr geht und so über Internet von den arabischen Straßen nach Brandenburg ausgebüxt ist, um dort gegen die politische Korruption um sich zu beißen, die schon mehrere Minister der SPD und mehrere ehemalige Stasi-Mitarbeiter der PDS das Amt gekostet hat.

Das Internet bringt alles an den Tag, so auch den Flächenbrand, der die Summa-cum-laude-Dissertation von Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg erfasst hat. Das zuständige Bibelwort hier heißt: "Hochmut kommt vor dem Fall" (Römerbriefe 18.12). Oder neudeutsch: "Muss ein Baron denn auch noch Doktor werden wollen?" (Karasek: Gesammelte Werke, Bd. 14, S. 12, Zeile 4) Bei der Suche nach fußnotenfreien Zonen in Guttenbergs Dissertation hatten die Internetdetektive zahlreiche Fußangeln statt Fußnoten entdeckt. Dabei stießen sie auch auf die schöne Pointe, dass Guttenbergs Großvater, der bärbeißige Staatssekretär der Adenauerzeit, seine Memoiren unter dem Titel "Fußnoten" veröffentlicht hat (von mir plagiiert aus der "Welt" vom 18. Februar, S. 1) Der Großvater hat also seinem Enkel offenbar als Erbteil nicht genug Fußnoten hinterlassen. Nur 1070 konnte Guttenberg für seine Arbeit verwenden. Nun wird der hart durchgreifen müssen. Nach der gehabten Methode Guttenberg (siehe Kundus, siehe Fußnoten zu "Gorch Fock") wäre das beste Vorgehen: bei der Wurzel des Übels anfangen. Also den Doktorvater Prof. Peter Häberle verhaften lassen und wegen ungenügender Sorgfaltspflicht aus dem Amt entfernen. Ist der nicht in Wahrheit verantwortlich? Muss er nicht eine derart abgekupferte Arbeit überprüfen, bevor er sie mit summa cum laude bewertet? Und dann sollte der Minister das Internet verbieten, das nach dem Motto arbeitet: "Immer wenn Gras über eine Sache gewachsen ist, kommt ein Kamel und frisst es ab."(Markus 12.22)

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost

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