Gourmetspitzen

Die beste französische Küche in Berlin

Heinz Horrmann hat dieses Mal das Restaurant „Pastis“ in Wilmersdorf besucht. Und war höchst angetan.

Das Team des Restaurants Pastis: Claris Lenz , Vincent Garcia, Renko Exner, Adeline Bouaroudj, William Grden und Christophe Malinge (v.l.)

Das Team des Restaurants Pastis: Claris Lenz , Vincent Garcia, Renko Exner, Adeline Bouaroudj, William Grden und Christophe Malinge (v.l.)

Foto: Amin Akhtar

Eines meiner Lieblingsrestaurants in Paris, abseits der großen Gourmet-Tempel, war und ist die „Brasserie Lipp“. In Bezug auf Ambiente, Küche, Service und Atmosphäre habe ich jetzt in Berlin am Rüdesheimer Platz ein absolut vergleichbares Restaurant gefunden: das „Pastis“. Das kleine Familienrestaurant wird vom Chefkoch, einem gebürtigen Marseiller, und seiner Frau aus Lille, die mit großer Übersicht den Service macht, liebenswert geführt.

Für eine kleine Küchencrew scheint mir auf den ersten Blick die Karte zu ausladend, aber sie haben alles im Griff. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Menüs herausragend. Das Menü „Pastis“ wird mit 31,90 Euro berechnet: mit Amuse bouche, Kürbis-Linsensuppe mit Miesmuscheln, auf der Haut gebratenem Kabeljau mit Kartoffel-Selleriestampf und Zitronen-Thymian-Butter oder eine confierte Entenkeule, original wie in der Gascogne mit Waldpilz-Marsala-Ragout und in Entenschmalz gebratenen La-Ratte-Kartoffeln und schließlich Mini-Eclairs mit Bourbon-Vanille-Eis und Schokoladensauce.

Eine Empfehlung: die Fischsuppe Marseille

Das große Menü „Borsalino“ (muss vorbestellt werden) hat einen erheblichen Wareneinsatz durch Thunfisch-Tatar, Hummer in Bouillabaisse-Sud, die berühmten Rinder-Tournedos „Rossini“ mit Gänseleber, Trüffeljus und Saisongemüse, gefolgt von Käse und Dessert. Und steht mit 59,90 Euro auf der Rechnung.

Auch die Einzelgerichte à la carte sind glänzend gemacht und geschmacklich sehr gut. Ich empfehle aus Überzeugung die gebundene Fischsuppe Marseille mit Croûtons, Rouille und geriebenem Käse. Die hausgemachte Entenstopfleberterrine mit Feigen-Chutney abgerundet, war für mich die beste, die ich je probiert habe. Ein Renner im Restaurant waren bei den Vorspeisen auch die Flammkuchen, entweder Elsässer Art, mit Speck, Zwiebeln, Crème Fraîche, Käse, oder der sogenannte „Rüdi“, mit geräuchertem Lachs, Meerrettich, Zwiebeln und Käse.

Aus der Abteilung Fisch fand ich überragend das Ossobuco vom Seeteufel mit Tomaten-Orangen-Reduktion, Gnocchi, Zucchini und Oliven. Beim Tartar vom Rind, das mit kross ausgebackenen Streichholzkartoffeln (extra dünne Pommes Frites) serviert wird, darf der Gast wählen, ob er das Tartar grob, mittel oder fein geschnitten haben möchte. Angemacht wird es mit 14 zusätzlichen Produkten, die für eine köstliche Schärfe sorgen. Dazu gibt es Standards wie Entrecôte und Nudeln. Und jetzt zur Wildzeit kommt das rosa gebratene Hirschkalbsmedaillon hinzu.

Patisserie ist ein Schwerpunkt

Allzu häufig habe ich registriert, dass die Desserts auch in ordentlichen Restaurants kaum erwähnenswert sind. Hier im „Pastis“ ist die Patisserie ein Schwerpunkt. Beim warmen Valrhona-Schokoladenküchlein gibt es nicht nur einen flüssigen Kern aus Praliné, die Köstlichkeit mit Pekannüssen fließt auf den Teller. Das Parfait, das so mancher Fernsehkoch vergurkte, gibt es hier perfekt mit Amarena-Kirschen. Auch die mit Bourbon-Vanille-Eis gefüllten Profiteroles werden wie die Dessertvariationen und die Crème Brûlée als Einzelgericht serviert. Alle Nachspeisen sind einheitlich mit 7,90 Euro berechnet.

Ein weiteres Plus ist das Wein­angebot. Wie nicht anders zu erwarten und sehr erfreulich ist der Schwerpunkt natürlich Frankreich, aber auch Deutschland, Österreich, Spanien und Italien sind auf der Karte vertreten. Als ich nach einem roten Bordeaux fragte, präsentierte mir der Hausherr gleich zehn Weine im Preisbereich von 30 bis 200 Euro (Pichon-Longueville-Baron). Die Weinpflege war perfekt. Champagner und Weißwein wurden angenehm kühl serviert, Rotwein auf Wunsch dekantiert. Auch das gehört zum Service, den ich insgesamt als angenehm empfunden habe.

Das gilt auch für das Ambiente mit edler weißer Tischwäsche, Blumen und Kerzen. Meine Erwartungshaltung wurde deutlich übertroffen, ich bin sogar der Meinung, dass dieses Restaurant zusammen mit dem „Lamazère“ die beste französische Küche in Berlin bietet. In jedem Fall sehr empfehlenswert.

Das Restaurant

Der Kontakt: Restaurant „Pastis“, Rüdesheimer Straße 9, Tel. 81 05 57 69, täglich von 12 bis 22 Uhr, www.restaurant-pastis.de

Die Küche: Eine klassische französische Küche mit starken Elementen des Südens.

Der Service: Kompetent und immer da, weil die Chefin selber bedient. Die Hilfskräfte wirken nicht ganz so souverän.

Das Ambiente: Brasserie-Atmosphäre, aber höchst kultiviert.

Das Besondere: Auch die eigenwilligen Besonderheiten der französischen Küche wie Froschschenkel