Gourmetspitzen

Im "Maharadscha" kann der Gast die volle Schärfe bekommen

Heinz Horrmann besuchte das indische Restaurant „Maharadscha“ in Berlin-Schöneberg. Es serviert authentische, unverfälschte Gerichte und pflegt eine feine Tischkultur mit höchster Sauberkeit.

Foto: Massimo Rodari

Man lernt nie aus. Erst seit meinem Besuch im Restaurant "Maharadscha" an der Fuggerstraße in Berlin-Schöneberg weiß ich, dass es sehr ordentliche, durchaus trinkbare indische Weine gibt. Allen voran ein trocken ausgebauter Sauvignon Blanc.

Mehr als ein gutes Dutzend indische Restaurants gibt es inzwischen in Berlin. Das Maharadscha ist hervorzuheben, weil es einerseits authentische, unverfälschte Gerichte des Landes serviert, andererseits eine feine Tischkultur mit allerhöchster Sauberkeit pflegt. Das habe ich zum Beispiel häufig in asiatischen Lokalen vermisst.

Von "der" indischen Küche zu sprechen, ist jedoch ebenso oberflächlich pauschal wie bei der chinesischen Kochkunst. Beide Länder haben eine große regionale Vielfalt, oft sehr unterschiedlich in der Zubereitung. Im Maharadscha dominieren die nordindischen Gerichte der Moguln. Ziegen, Lammfleisch und jede Art von Geflügel-Zubereitung stehen auf der Karte. Kreuzkümmel, Kardamom, Safran, Chili sind die vorrangigen Gewürze. In Westindien ist auch Schweinefleisch üblich, und Hirse erreicht den Reisverbrauch.

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Das Hühnchen-Menü ist für Nordindien bezeichnend: Nach einer köstlichen, mittelscharfen Hühner-Curry-Suppe wird gegrillte Hähnchenbrust mit Tomate, fein geschnittenem Ingwer, Zwiebeln, Paprika, Kardamom und Nelken im traditionellen Gusseisentopf (Karahi) zubereitet. Wer es mag, bekommt die volle Schärfe mit dem Hühnerbrustfilet in der äußerst pikanten Currysoße. Da ruft der Gast aber nach dem Feuerlöscher. Ich habe mit indischem Wein, später mit chilenischem Cabernet Sauvignon gelöscht. Die Weine, alle kosten unter 20 Euro die Flasche, sind besonders kundenfreundlich kalkuliert.

Zwei bis fünf Euro für Vorspeisen

Die Speisekarte ist breit gefächert, die Gerichte sind in Deutsch und Englisch gut erklärt und mit indischen Originalnamen versehen. Die Vorspeisen in kleinen Portionen kosten zwischen zwei und fünf Euro. Da kann man sich eine ganze Auswahl selbst zusammenstellen. Geschmacklich harmonisch war der Blumenkohl in Kichererbsenmehlteig und ebenso sind es die panierten Auberginen. Lediglich die Garnelen in Teig gebacken waren zu trocken. Eine große Auswahl an Suppen gab es. Mir schmeckte die Hühnersuppe nach indischer Art besonders gut. Die Meeresfrüchte-Spezialitäten waren in der Schärfe nochmal höher angesiedelt, vor allem das Rotbarsch-Filet, das mit Zwiebeln, Ingwer, Tomaten, Paprika und viel Chili sehr kräftig gewürzt war. In dieser ganzen Palette gab es nur eine milde Alternative, die Garnelen in einer Currysoße, mit Kokosnuss verbunden.

Die Ente ist rund um die Welt das Lieblingstier der Feinschmecker, am beliebtesten ist die Barbarie, besonders fleischig, zart, fettarm. Das Federvieh wurde bereits von den Römern gezüchtet und kross gebraten. Die Chinesen präparieren sie seitlich ausgenommen, aufgeblasen und geröstet als Pekingente. Dagegen setzen die Inder auf Vielfalt, kommen aber nicht an deren geschmackliche Klasse heran. Die gegrillten Entenstückchen mit den üblichen Aromen Ingwer, Knoblauch, Paprika und Tomaten waren eher langweilig. Da ist das behutsam gegarte Entenfilet nach exotischer Art in einer besonders scharfen Soja-Chili-Soße schon erwähnenswerter. Zumeist wird das Entenfleisch gekocht und mit einer Mandelsoße parfümiert. Am attraktivsten und geschmacklich nachhaltigsten war das Entenfilet, das in Kokosmilch und mit Senfkörnern gegart und dann mit einer Currysoße, wie man sie beim Inder erwartet, pikant zubereitet war.

Von der nordindischen Küche kommt der Schwenk zu ostindischen Gerichten, wo in der bengalischen Küche Desserts und Süßigkeiten im Vordergrund stehen, so der Khir, ein aromatisch gewürzter Reispudding. Viele Nüsse werden verarbeitet und prägen den süßen Abschluss. Sowohl der indische Joghurt Dahi, wie eingekochte Milch mit cremiger Konsistenz oder der hausgemachte, feste Frischkäse sind weitgehend geschmacksneutral. Das gilt auch für den Reis, der zu allen Gerichten serviert wird. Was ich im Maharadscha vermisst habe, sind die klassischen Currys, dafür wird viel gegrillt oder im Tandoori Ofen zubereitet.

Außergewöhnlich waren für mich die chipsähnlichen, knusprigen Linsenfladen-Kräcker. Da isst man immer weiter, so wie auch beim geschmacklich intensiv gebackenen Hefe-Fladenbrot. Wenn ich von den herausragenden Elementen dieses Maharadscha-Besuchs schreibe, kommt der umwerfend liebenswerte Service ins Spiel. Die Inhaberin, eine ehemalige indische Lehrerin, die perfekt Deutsch spricht und mit den Spezialitäten des Subkontinents vertraut ist, war immer da, legte nach oder organisierte eine schärfere Soße, wenn gewünscht. Das war mustergültig.

Und Teil zwei folgt sogleich

Dass das indische Spezialitätenrestaurant recht erfolgreich ist, belegt auch der Umstand, dass es ein zweites Maharadscha gibt, an der Schönhauser Allee. Hüben wie drüben werden die Gerichte erst nach der Bestellung des Gastes frisch zubereitet. Das ist wahrlich ein gewaltiger Vorteil gegenüber den stundenlangen warm gehaltenen Speisen wie man es in anderen asiatischen Restaurants erlebt. Da nimmt man doch gerne eine angemessene Wartezeit in Kauf.

Restaurant Maharadscha, Fuggerstraße 21, Berlin-Schöneberg, Mo-So 17-23 Uhr, www.maharadscha-restaurant.de

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