Gourmetspitzen

Der erste und der letzte Besuch

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Heinz Horrmann

Es ist schon enorm, wie man sich täuschen kann. Zuerst war ich richtig angetan, als ich nach jahrelanger Abstinenz beim Business-Lunch den schnellen Mittags-Service und die Küche des Grandhotels Esplanade erlebte...

Wow, dachte ich, das Esplanade, vor dem Mauerfall eine Top-Adresse im alten West-Berlin, ist nach langer Umbauphase zurück. Das animierte mich mit Vorfreude, für ein Dinner zu reservieren und um möglicherweise eine Empfehlung zu finden. Und dann ging der Test in die Hose...

Als das Hotel-Restaurant im Esplanade noch Harlekin hieß, kochte hier Heinz Beck, heute Drei-Sterne-Koch und inzwischen Italiens Nr. 1. Jahre später gehörte auch Küchenchef Kurt Jäger zur Sternekategorie. Nach längerer Renovierungszeit folgten die Neuorientierung und der Absturz ins Bodenlose. Harlekin, im Sternen-Glanz, das war gestern, Ellipse Lounge, das ist die Gegenwart. Der Begriff Lounge wird momentan für Restaurants gern verwendet. In der letzten Zeit entstanden die Kameha Lounge, die Sea Lounge und eben die Ellipse Lounge, mit angegliedertem, großem Freibereich, allerdings unter einer hohen Glashaube. Leider stören die unmittelbar hinter den Tischen geparkten Autos.

Tischschmuck? Fehlanzeige, keine Decken, keine Tischläufer, das mag tagsüber noch angehen, für den Abend macht das einen schlechten Eindruck, weil ungemütlich. Ich bestellte zwei Gläser Champagner, um die Stimmung anzuheben. Die Gläser wurden eingeschenkt an den Tisch gebracht, ein Beleg für schlechte Schulung. Aus gut gekühlter Flasche, die Gläser am Tisch zu füllen, das wäre das Genusserlebnis. Die Karte ist klein gehalten, was absolut kein Fehler sein muss, ein paar Salate mit Brotchips, Pinienkernen, mit Poulardenbrust oder Currygarnelen. Die Qualität ist so gut oder so schlecht wie bei den abgepackten Plastikschalen im Supermarkt. Den anschließend servierten Mangoscheiben vom Grill mit Garnelen, auf der Karte Appetit machend "süß-scharf" versprochen, hatte man mit einem mir unerschlossenen, aber gnadenlos funktionierenden System sämtliche Aromen entzogen. So schmeckte es zumindest. Herzhaft scharf? Keine Spur. Ich kritisiere nicht die einfachen Gerichte in diesem Konzept. Auch ein Burger kann Freude machen. Dazu gibt es freilich wenig Anlass, wenn er ohne etwas besonderem wie eine ausgefallene Garnitur zum Gast kommt und dann auch noch mit satten 16,50 Euro kalkuliert. Dass der Burger Harry's heißt, ist kluge Cross-Promotion zur Harry's New York Bar im Hotel, die im alten Westberlin die Nummer 1 war.

Die Hauptgänge, die ich auswählte, gehörten in die kulinarische Kategorie mit "x", sie waren nix. Die Jacobsmuschel im Panademantel hatte die Küche zumindest ordentlich gebacken. Geschmacklich waren sie ebenso unbedeutend wie die Perlhuhnbrust auf karamellisierten Lauchzwiebeln mit Oliven und Thymiankartoffeln. Klingt alles gut, ist aber kaum aromatischer als eine ungetoastete Weißbrotscheibe.

Drei Pastagerichte, Spinatravioli, Trüffel-Käse-Ravioli und Tagiatelle mit Tomatensauce (und sautierten Scampis) komplettieren mit dem Allerweltsgericht Filetsteak mit Pommes Frites das Küchenprogramm.

Für das Dessertangebot wird eine eigene Seite spendiert mit immerhin sieben Positionen. Nanu, dachte ich, vielleicht, ist das ja die Spezialität in der neuen Küchenlinie. Tatsächlich aber erwies sich auch die Dessertkarte nur als Mogelpackung. Erste Position: Kuchenauswahl des Tages. Zweites Angebot: Eine Portion Sahne. Wenn man dann auch noch die frischen Beeren und die Käsescheibchen abzieht, bleibt ein Passionsfruchtparfait und ein Schokoladensoufflé.

Wer nicht ausdrücklich die Weinkarte fordert, bekommt eine paar offene Kreszenzen angeboten. Hochklassig ist lediglich die Champagner-Liste, wahrscheinlich aus der Bar entliehen. Sie schwingt sich von den normalen Hausmarken hinauf zum edelsten Tropfen der perlenden Lebensfreude, dem Krug, Clos du Mesnil für 1050 Euro. Die Servicebewertung wird zur Achterbahn, mittags sehr gut, abends hampelig und ungekonnt, bis eine Fachkraft schließlich half, die Regie übernahm. Da wurde es besser. Unter dem Strich waren das für mich gleich zwei Besuche in der Ellipse Lounge: Mein erster und mein letzter.

Ellipse Lounge im Hotel Esplanade, Lützowufer 15, Telefon: 25478-0, Von Montag bis Sonntag von 12 bis 24 Uhr geöffnet, alle gängigen Karten werden akzeptiert, www.esplanade.de