Gourmetspitzen

Viel Licht schafft noch keinen Glanz im "Piano Piano"

Dieses Restaurant am Roseneck in Schmargendorf ist zum Hinlegen. Gemeint sind jedoch keine Kniefälle vor der genialen Küche oder dem Service. Die offene Treppe zu den Toiletten im Keller macht Angst. Vorsicht Stolperfalle!

Doch nun der positive Eindruck: Das Ambiente des relativ neuen Restaurants am Hohenzollerndamm ist gelungen. Viel Licht, schöne eingedeckte Tische. Bildergalerie aus alten Hollywood-Zeiten, große Regalwände mit Weindekoration. Draußen lässt die geräumige Terrasse auf viele Sommertage hoffen. Im ersten Stock, in einer Club-Lounge, kommen auch die Raucher zu ihrem Recht. Mittags wird ein sehr preiswertes Business-Lunch angeboten. Suppe oder Salat und dann ein Hauptgang - bei meinem Besuch Schweineschnitzel mit Gemüse und durch Rosmarin aromatisierte Kartoffeln, alternativ Senfeier. Insgesamt für 7,80 Euro. Darüber hinaus ist das mittägliche Pizza-Angebot bei 6,50 Euro festgeschrieben. Akzeptabel ist auch der Preis für ein ordentliches Brunch-Büfett am Sonntag (12,80 Euro pro Person). So weit, so gut.

Bei meinem Besuch trudeln nur schleppend ein paar Gäste ein, während auf der anderen Straßenseite im Wiener Cafè längst kaum noch ein Stuhl frei ist. Film-Legende Atze Brauner mit Familie besetzt schließlich im "Piano Piano" den großen Tisch, sorgt für etwas Glanz. In der ersten Zeit nach der Eröffnung wurde von zahlreichen prominenten Gästen berichtet und auch im Internet damit geworben. Doch inzwischen ist es ruhiger geworden.

Die Küche ist wenig kreativ und handwerklich begrenzt. Schon das Focaccia (Fladen) zur Einstimmung hat verbrannte Ecken, ebenfalls bei Gästen am Nebentisch das Schweineschnitzel "Wiener Art". Eine Dame ließ nach ausgiebiger Betrachtung den Teller Spaghetti mit Calamari und Kirschtomaten zurückgehen. Zur Optik des Gerichts möchte ich mir einen Vergleich verkneifen.

Meine blässlichen Filets vom Loup de mer (Wolfsbarsch) schmeckten zum Glück besser als sie aussahen. Auch der Spinat war knackig frisch und durch Ingwerwürfel interessant verfremdet. Der gemischte Salat dagegen hatte schon bessere Tage gesehen. Die leicht welken Blätter waren mit Senfdressing getoppt. Ein Kompliment gilt der Küche für die Portion Pfifferlinge (in diesen Tagen gibt es eine umfassende Pfifferlingkarte). Hier knirschte, wie sonst so oft erlebt, kein Sandkörnchen, und mit Speckwürfeln und Zwiebeln wurde eine appetitliche Aroma-Kombination erreicht. Es ist halt nicht alles immer durchgängig gut oder schlecht.

Ansonsten bietet die Speisekarte (die gleichzeitig Lunch- und Abendkarte ist) zumeist Standards: Kalbsmedaillons, Schnitzel, Rinderfilet und eine riesige Pizza-Auswahl. Eine Besonderheit muss ich erwähnen. Die Pizza Pavarotti wird zwar ohne Opern-Arie serviert. Mit Creme fraiche, Scampi und Lachs fällt sie aber schon auf. Im preislich korrekten Rahmen bewegt sich das Menü meines Partners: Vorspeisenvariation, Rinderfilet mit Spargel und das hausgemachte (so wird es zumindest verkauft) Tiramisu für zusammen 45 Euro.

Für Unterhaltung am Abend sorgt die Life-Musik des Pianisten. Events, zu denen sich Gäste übers Internet anmelden können, sind der Versuch, eine breitere Zielgruppe zu erreichen. Zur fortgeschrittenen Abendstunde wandelt sich das mediterrane Restaurant dann zum Club. Aber auch da kann man eine bessere Küche erwarten, vor allem aber einen kompetenteren Service. Unmittelbar vor meinem Tisch türmte etwa eine Kellnerin beim Abräumen, quasi als Zwischenablage direkt vor den Gästen Teller, Schalen und Suppentassen übereinander. Ein Gast fragte genervt, ob er zum Küchendienst verpflichtet worden sei. Andere beklagten, dass grundsätzlich von drei bestellten Gerichten zwei falsche gebracht würden. Da scheint mir noch viel Platz für Verbesserungen. Ich würde es den Initiatoren dieses an sich guten Grundkonzepts wünschen.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonntag für die Berliner Morgenpost

Piano Piano am Roseneck Hohenzollernd. 110a, Schmargendorf, Tel. 83 22 21 67, täglich 9-24 Uhr; So., 10-15 Uhr Brunch, Kreditkarten: ja