Gourmet-Spitzen

Ein Club tischt auf

Es kommt immer öfter vor, dass Berliner Clubs, die sich in der Szene einen guten Namen gemacht haben, zusätzlich auch ein Restaurant eröffnen. Ein aktuelles Beispiel ist "Sage", wo aber das Restaurant, nicht wie im "Cookies Cream", im gleichen Gebäude ist, sondern im neu gestalteten Karree an der Köpenicker Straße.

Der erste Eindruck wird durch die überraschende Kombination geprägt: Im rustikalen, teilweise unverputzten Gemäuer wurde ein sehr gepflegtes Ambiente mit 180 weiß eingedeckten Plätzen geschaffen. Die gleiche Anzahl noch einmal draußen, von Frühling bis Herbst, direkt an der Spree. Für den Sommerbetrieb ist die Sonnenterrasse sogar mit eigenem Strand verbunden. Zusätzlich schlug man dem verschärften Raucherverbot ein Schnippchen, indem abgetrennt die Zino Platino-Lounge mit Kamin und Zigarren-Humidor eingerichtet wurde. Eine interessante Bereicherung der Berliner Gastronomie- und Spaß-Palette also, auf die mich Jochen Trus, der absolut beste deutsche Rundfunkmoderator von Spree Radio aufmerksam gemacht hatte.

Der Empfang ist herzlich, das Serviceteam wirkt sehr gastfreundlich, ohne allerdings überkandidelt und aufgesetzt zu sein. Richie, der Maître, ist der Mann, der für die Atmosphäre zuständig ist. Er berät und empfiehlt. Die Karte ist sehr übersichtlich gehalten, einmal die ständig verfügbaren Klassiker und dann die nach dem Angebot des Marktes zusätzlich erstellte Wochenkarte. Daraus probierte ich das Rahmsüppchen vom Feldsalat, klingt überraschend, schmeckt ordentlich, vor allem die darin servierte knackig belassene Garnele. Die Austern, vorrangig Fine de Claire, sind besonders kundenfreundlich kalkuliert (6 Stück 9,50 Euro). Ausgesprochen angetan war ich vom Tatar des milden Label rouge Lachses, fein abgeschmeckt in der Balance der Aromen. Auch Jochens Kaninchen Terrine mit schwarzem Olivensorbet, Brandade (in heißem Olivenöl confiert) vom Räucherkabeljau, auf grünen, bissfesten Linsen angerichtet. Sehr frech ist die ungewöhnliche Fisch-Vorspeise, der Schwarze Heilbutt auf Rotweinspinat. Aber seitdem das Vorurteil, Rotwein passe in keinem Fall zum Fisch, ausgeräumt ist, spielt die Küche auch mit dieser Möglichkeit bei der Zubereitung. Wie so häufig sind die Vorspeisen auch im Sage ungewöhnlicher und bei meinem Besuch besser als das Hauptgericht. Ich habe mich auf den Frischling aus der Uckermark richtig gefreut. Das Stück, das bei Niedrigtemperatur geschmort war, gelang auch köstlich. Die Scheiben vom Kurzgebratenen waren dagegen knochenhart, zumindest viel zu fest, um sie genießen zu können.

An einer großen Tafel in der Mitte des Gastraumes wurde Wiener Schnitzel serviert, das zur Abteilung "Klassiker" gehört. Zumindest optisch waren die goldbraun gebraten und mit herrlich trockener Panade. Schlimm ist ein Wiener Schnitzel, wenn es fetttriefend statt mit Knusperdecke auf dem Teller liegt. Auch das Lammcarrée mit Kartoffelgratin und Kräutersaitlingen, dazu grüne Bohnen mit magerem Speck ist eine Empfehlung. Eine große Auswahl von Pizzen kommt appetitlich mit dünnem Boden aus dem Steinofen. Es muss halt nicht immer die Grand Cuisine sein. Ein Mittagsmenü mit zwei oder drei Gängen wird so schnell serviert, dass auch Eilige ihre Mittagspause nicht überziehen müssen (2 Gänge für 9,50 Euro). Sonntags ab 11 Uhr steht das mediterrane Brunch-Büffett auf dem Plan. Auch hier ist der Preis für eine große Auswahl von pikanten und süßen Speisen unbedingt erwähnenswert, 12,50 Euro. Und dafür gibt's so viel zu essen, dass selbst mein Partner Reiner Calmund satt würde. Im Normalbereich bewegen sich die Desserts, eine Creme Brulée wird mit einer Rotweinbirne verfeinert und ein Mohn-Pana cotta mit Espuma (aus der Spraydose) von Cassis und Esskastanien in einer süßen Sauce von Rahmbonbons (Werthers Echte Sauce). Die Weinkarte ist auf den Punkt zielgruppenorientiert: Keine teuren Superlagen, die hier sowieso keiner bestellt, wohl aber sehr ordentliche Weine der gehobenen Mittelklasse aus vielen Anbaugebieten. Den Service hatte ich schon einmal angesprochen, die Freundlichkeit und die Gastpflege zeigte sich durchlaufend. Fazit: Ein Lokal, dass ich ganz privat bestimmt wieder besuchen werde.

Sage Restaurant

Köpenicker Straße 18-20Telefon: 755 49 40 71Montag bis Samstag ab 18 Uhr, Sonntag ab 11 Uhr. www.sage-restaurant.de alle gängigen Karten

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