Gourmetspitzen

Hier sitzt man gern und gemütlich

Die Frage ist erlaubt: Darf man die Küche in besonders preiswerten Restaurants kritisieren oder ist mit deren günstige Kalkulation allein schon jede Qualitätswertung ausgeschlossen? Der Restaurant- Tester darf, so urteilten weitaus die meisten unserer Leser.

Mehr noch, man erwarte geradezu ein kritische Beurteilung, ob die Bratkartoffeln gekonnt gemacht sind, der Fisch richtig gebraten ist und der Service gut geschult. Lediglich ein einziger Leser fand die Vorgehensweise "anmaßend". Mit einer solchen Quote lässt sich gut leben. Dieses Thema ist durchaus aktuell beim Besuch im Pan Asia. Seitenweise bietet nämlich hier die Karte Sushi, Frühlingsrollen, Dim Sum, Salate und Tempura-Gerichte für unter oder um zehn Euro. Das ist ausgesprochen günstig. Dennoch ist auch hier Kritik neben Lob und Zuspruch angebracht.

Es war einer jener eiskalten Abende in dem nicht enden wollenden Dauerwinter, als ich mich als erstes durch eine heiße, scharfe Suppe mit Kokos und Chili im Pan Asia aufwärmte. Das minimalistisch eingerichtete Restaurant im Bereich der Hackeschen Höfe macht das ganz vorzüglich. Auch das Miso-Süppchen, das auf fettfreiem Geflügelfond basiert und mit Algen-Bonito-Flocken, Koriander, Tofu, Inaka und Buchweizennudeln stets frisch angesetzt wird, war ein optimaler Einstieg. Ordentlich ebenso die von Sushi-Meister (aus den Philippinnen) angerichteten Maki Sushi (mit Shitake-Pilzen, Avocado und Bio-Lachs) sowie Sashimi, die Variationen vom rohen Fisch. Richtig gut gelangen die Tempura-Variationen. Im Pan Asia wird der hauchdünne Teig mit japanischem Mehl angesetzt und dann in Erdnussöl knusprig ausgebacken. Sowohl die vegetarischen als auch die mit Streifen von der Maispoularde bekommen bei mir die Höchstpunktzahl. Wie so häufig in Restaurants der unterschiedlichen Preis- und Leistungsklassen halten die Hauptgerichte nicht, was die Vorspeisen versprechen. Pblaa Thu-naa wird auf der Karte wie folgt beschrieben: Thunfischsteak, leicht gegrillt, innen roh, mit Limette, Mohn und Koriandersamen, mariniert auf grünem Thai-Spargel. Das hört sich doch wahrhaft köstlich an. Heraus kam ein bis auf die letzte Faser durchgegartes Stück Fisch, auch noch lauwarm und ohne Aromen. Schade. Der Koch hatte wohl einen rabenschwarzen Tag. Denn ebenso daneben war die lustvoll erwartete "krosse Entenbrust", tatsächlich lag sie labberig wie ein Fensterleder und wiederum durchgegart auf dem Teller. Ich bin ein großer Borchardt-Fan und kenne den Besitzer der beiden Restaurants, Roland Mary, als qualitätsbewussten Perfektionisten, der sofort reagiert, wenn es etwas zu verbessern gilt. Auch wenn die Gesamtwertung mit zehn Mal Jubeln und nur zwei Fehlern noch richtig gut ist, wird er sich kümmern. Gelungen waren die Salate, sowohl der Chili-Poularden-Salat als auch die Algen, die mit geröstetem Sesam und gebackenem Ingwer aromatisiert sind. Auch die thailändisch inspirierten Gerichte wie Jacobsmuscheln im Bananenblatt mit Ingwer und Koriander und die große Auswahl an asiatischen Nudelsorten im Wok gebraten (Aromaträger zumeist Frühlingslauch, Curry und Limetten), sind empfehlenswert. Die Dessertkarte ist klein, aber ebenso besonders günstig kalkuliert. Die Sorbet-Variationen von Rosenblüten, grünem Tee und Mango beispielsweise sind mit 4,50 Euro auch nicht teurer als in der Eisdiele.

Der japanische Meisterkoch Nobu Matsuhisa, gewiss einer der zur Zeit herausragenden Küchenstars weltweit, ist mit seiner Art, japanische und südamerikanische Elemente zu einem eigenwilligen Cross-over zu verbinden, zu einer Leitfigur geworden. Dem folgt die Pan-Asia-Küche, ein bisschen von allem aus den unterschiedlichen ostasiatischen Standardgerichten, verbunden mit aromastarken Elementen anderer Länder jenseits von Sushi und Dim Sum.

Am Konzept mit der freundlichen Ausführung bleibt wenig zu kritisieren, auch der Service arbeitet aufmerksam, aber unaufdringlich.

Bei den Getränken dominiert eindeutig, neben aromatisierten Teesorten, der Gerstensaft. Bier vom Fass oder asiatische Sorten, die zumeist aus der Flasche getrunken werden. Eine durchaus akzeptable Auswahl von Weinen, auch glasweise, ergänzt das Angebot. Ich wählte einen Chateau Haut Pontet, ein fair kalkulierter Saint Emilion. Dabei bleibt man gemütlich sitzen. Nach den Sitzecken im vorderen Bereich hatten sich inzwischen auch die US-Vorbildern gemäß eingerichteten langen Sitzbänke gefüllt. In Restaurants dieser Preiskategorie scheint die Krise draußen vor der Tür zu bleiben. Zum Glück.

Pan Asia

Rosenthaler Straße 38

Telefon: 27 90 88 11, Sonntag bis Donnerstag von 12 bis 00 Uhr, Freitag bis Samstag von 12 bis 1 Uhr geöffnet

www.panasia.de

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