Gourmetspitzen

Preiswert, gut und lecker

Auch in der Gastronomie ist der Leserwunsch für mich, wenn möglich, Auftrag. Kennen Sie ein gutes Restaurant in Spandau, war die Frage. Helfen Sie uns mit einem Tipp, die Bitte des Lesers. Obwohl Spandau ein so großer und bedeutender Bezirk ist, habe ich mich anfangs schwer getan.

Gut, man kennt das "Brauhaus", das Restaurant "Kolk" oder ein paar Exoten wie das "Maui Barbecue", aber sonst? Nach einigem Suchen fand ich in der Spandauer Altstadt ein wirklich empfehlenswertes Restaurant, wo man für kleines Geld sehr gut essen kann, und das auch noch mit ordentlichen Portionen. Die Rede ist vom Restaurant "Alt Spandau", das geradezu ideal für eine ganz bestimmte Klientel ist. Wer produktbezogene Küche mag, aber auch offen ist für einige kroatische Elemente und dann noch fettfrei und gesund auf dem Lavastein-Grill zubereitetes Fleisch liebt, für den lohnt sich auch eine Anreise aus Charlottenburg oder Wilmersdorf.

Das rustikal eingerichtete Lokal mit langer Theke und angrenzendem Festsaal ist blütenweiß eingedeckt, und da stören auch die Papierservietten nicht. Der von der Familie Dudic dirigierte Service arbeitet gekonnt und sehr freundlich. Nicht nur Ambiente, sondern auch diese familiengeprägte Gästepflege schafft Atmosphäre.

Auch wenn es durchaus umfassend im Preisbereich unter 10 Euro zugeht, ist das alles andere als ein Schnellimbiss. Der gemischte Salat mit Hausdressing beispielsweise ist richtig frisch und knackig, gut mit Kräutern und Gewürzen abgeschmeckt und kostet 2,50 Euro. Die anschließend servierte Hummersuppe, die auch selbst in teueren Restaurants häufig nach geröstetem Mehl schmeckt, ist im "Alt Spandau" frisch zubereitet mit Cognac abgeschmeckt und durch Krebsfleisch veredelt, Preis 3,80 Euro. Wie Sie sehen, halte ich mich heute häufiger mit der Preisliste auf, weil ich es so ungewöhnlich finde. Als warme Vorspeise wählte ich Scampi vom Grill, die als Hauptspeise von Butterreis und pikanter Tomatensauce begleitet werden. Die halbe Portion (ohne Reis) war genau richtig. Sprachlos machte mich die Tomatensauce. Das war keine Sauce im klassischen Sinn, sondern ein Tomaten-Zwiebel-Kompott, aber geradezu herzhaft köstlich abgeschmeckt.

Am Nebentisch war man auf Fisch programmiert. Das Zanderfilet "Diana" war in Mandelbutter gebraten, dazu gab es Gemüsestreifen, Petersilienkartoffeln und noch einen Salat und die große Portion kostete 11,50 Euro. Noch zwei Euro günstiger (!) und geschmacklich einwandfrei - wie ich mit einer Miniportion selber feststellte - war das Rotbarschfilet "Grenoble Art". Der normalerweise etwas langweilige Rotbarsch wurde mit Zitronenwürfeln, Kapern und gehackten Kräutern aufgemöbelt. Ich finde es großartig, dass es diese Form von Geschmacksintensivierung auch in einem besonders günstigen Restaurant gibt.

Bei den Spezialitäten vom Lavastein-Grill wählten wir ein Filetsteak, ein kräftiger 300-Gramm-Cut, perfekt gegart mit Speckbohnen und Bratkartoffeln wie aus Großmutters Kochbuch und ein Pfeffersteak, ebenfalls tadellos, dazu gab es Rösti und Salat. Lediglich die Pfeffersauce war pampig, aber das wage ich in diesem Rahmen schon gar nicht zu kritisieren. An einem Fußballer-Stammtisch kam die Altstädter Grillplatte auf den Tisch. Da traute ich meinen Augen kaum, aber die Platte war für jeden Gast mit Rumpsteak, Cevapcici, Schweinefilet, Lendenschnitten und ausgebratenem mageren Speck beladen und wurde von Pommes Frites, Djuvetschreis und Salat ergänzt (13,50 Euro): ein richtiges Gericht für Reiner Calmund. Das hätte ich selbst mit großem Hunger nicht geschafft, die jungen Sportler hatten damit kein Problem.

Für den, der die kroatische Küche mag, ist die ganze typische Palette im Angebot, von Pljeskawitza bis Medaillons "Matuschka". Imponierend, wie in der ganzen Küchenliste frische Produkte dominieren und alles handwerklich gekonnt zubereitet ist. Natürlich fließt in einem derartigen Restaurant in erster Linie das Bier. Wer Wein trinken mag, muss deswegen aber nicht darben, es gibt etliche offene Kreszenzen und als Bordeaux-Jünger fand ich tatsächlich einen ordentlichen St. Emilion Grand Cru Classé (2003er) zum Preis von 18 Euro, weniger zahle ich auch nicht im Einkauf. Da ist mir selbst die falsche Schreibweise von Merlot (mit ä und h) auf der Weinkarte egal, nur eine Randnotiz zum Schmunzeln.

Fazit: Auch als leidenschaftlicher Genießer der Grand Cuisine ziehe ich meinen Hut vor der Leistung im Alt Spandau und ebenso vor der kundenfreundlichen Kalkulation.

Restaurant Alt Spandau, Moritzstraße 7, Telefon: 333 08 092, www.altspandau.de , Öffnungszeiten: Täglich von 11.30 bis 22.00 Uhr, EC-Karte wird akzeptiert

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