Das machen wir nächste Woche aber anders!

Parteiwechsel - die neue Politiker-Mode in Berlin

Muss man eigentlich irre sein, um Finanzminister zu werden? Wahrscheinlich nicht. Aber es hilft. Ich kann mir vorstellen, wie sich Thilo Sarrazin wochenlang schlaflos in seinem Bett hin und her gewälzt hat, weil ihm Peer Steinbrück den Titel "Amokschwätzer der Nation" streitig machen wollte.

Mit seinem "Schweiz-Burkina-Faso"-Vergleich hatte der fiese Bundesminister scheinbar uneinholbar vorgelegt. Dann entschloss sich der alte Champion des politischen Sprechdurchfalls, alles auf eine Karte zu setzen und noch einmal richtig anzugreifen. Unruhig kontrollierte er immer wieder seine Pöbelagenda: "Mütter, Hartz-IV-Empfänger, Berliner, Beamte, Leute, die es gerne warm haben... Habe ich auch nichts vergessen?" Hat er nicht. Seitdem liegen Steinbrück und Sarrazin wieder gleichauf. Solange bis Steinbrück nächste Woche nachlegt: "Die Schweiz - das ist noch nicht mal Obervolta, sondern höchstens Untervolta."

In Barcelona liegt Kokain in der Luft. Dort wird soviel gekokst, dass Wissenschaftler nachweisbare Spuren der Droge im Smog fanden. Von Kokain wird man bekanntlich größenwahnsinnig und geschwätzig. Was die Frage aufwirft: Waren Steinbrück und Sarrazin in letzter Zeit mal in Barcelona?

Leider sind sie ja beide in der SPD. Sonst könnten uns Steinbrück und Sarrazin vielleicht auch mal mit einem Parteiwechsel unterhalten, der neuesten Politiker-Mode in Berlin. Angeblich soll Bilkay Öney vor allem deswegen bei den Grünen ausgetreten sein, weil ihr der ex-grüne Neuzugang Canan Bayram die Migrationsthemen streitig machen wollte (türkischstämmige Politikerinnen dürfen sich ja nach wie vor um nichts anderes kümmern). Wie ein Fußballer, der seinen Verein verlässt, weil ihm ein neu eingekaufter Stürmer den Stammplatz streitig machen könnte. Konsequenterweise wird es sehr bald einen Transfermarkt für Politiker geben. Abgeordnete kommen dann zu Gesprächen über einen Fraktionswechsel mit mindestens drei Beratern (einer ist ihr Vater). Und am Ende sitzen sie alle für teures Geld im italienischen Parlament auf den Ersatzbänken.