Das machen wir nächste Woche aber anders!

Bald kommt das Patientenfließband

Love Techno, hate Germany. Das steht auf den Zettelchen, die Kapuzenträger mit üblen Hautkrankheiten überall an den Laternen in meinem Kiez geklebt haben. Bei mir sind Liebe und Hass genau umgekehrt verteilt.

Andererseits hasse ich Techno nicht wirklich. Jedenfalls nicht so wie Marcel Reich-Ranicki das Fernsehen hasst. Hass ist ohnehin etwas für anonyme Internetkommentarschreiber oder für Leute, die solche blöden Zettelchen an Laternenpfähle kleben. Früher wussten die Revolutionäre noch, was man mit Laternen macht.

Ich hasse noch nicht mal Ärzte . Dabei habe ich schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Das fing an mit dem Chirurgen, der mir einen Lymphknoten rausschnitt und die örtliche Narkose viel zu schwach dosierte. Das ging weiter mit den Krankenhausärzten, die mich für einen Simulanten hielten, als ich nach einer Nacht voller Schmerzen mit einer Kolik von meiner Hausärztin eingewiesen wurde. Nach zwei Tagen kam dann doch einer ganz kleinlaut an mein Krankenbett und sagte: "Sie hatten ja doch was - sagt ihr Blutbild." Ach nee. Außerdem sind alle Verwandten meiner Frau Ärzte. Puh.

Momentan mag ich Orthopäden so gern wie Techno. Dass man trotz Schmerzen lange auf einen Termin warten muss - geschenkt. Als Kassenpatient ist man ja schon froh, wenn sie einem keine rostige Laubsäge in die Hand drücken und raten: "Eine Eigenamputation kommt billiger." Aber dass man dann trotz Termin immer eine Stunde wartet und den Arzt mit Waffe bedrohen muss, um in der einminütigen Untersuchung mal zu erfahren, was er einem da gerade gespritzt hat - das nervt zuweilen schon.

Als nächstes kommt dann das Patientenfließband. Auf das muss man sich draufsetzen, dann wird man zum Behandlungsfenster des Arztes gefahren, durch das man seinen Fuß durchstecken muss. Und nach 30 Sekunden fährt das Band unweigerlich weiter. Mein Pech, wenn ich den Fuß nicht rechtzeitig zurückziehe: "Für ihr abgerissenes Bein haben wir leider erst im März 2010 Zeit."