Deutschstunde

Deutsch oder deutsch – klein oder groß?

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Peter Schmachthagen
Die Deutschstunde von Peter Schmachthagen.

Die Deutschstunde von Peter Schmachthagen.

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Deutsch auf gut Deutsch in der deutschen Rechtschreibung: Es kommt darauf an, ob wir die Sprache oder die Art und Weise meinen.

Heißt es eigentlich: Meine Freunde aus London sprechen „Deutsch“ oder „deutsch“? Groß oder klein? Das kommt darauf an, ob die Sprache an sich (Frage: was?) gemeint ist oder die Sprache, die in diesem Augenblick benutzt wird (Frage: wie?). „Sie sprechen Deutsch“ bedeutet, sie verstehen unsere deutsche Sprache (was?), trotzdem sprechen sie lieber englisch als deutsch (wie?).

Angela Merkel spricht Russisch, Wladimir Putin spricht Deutsch, sodass die beiden bei einem früheren Treffen im Kreml abwechselnd deutsch und russisch miteinander sprechen konnten. Da Putins Begleiter jedoch „kein Wort Deutsch“ verstanden, unterhielt man sich meistens „auf Russisch“. Nanu, wo kommt das große „R“ her, steckt hier doch ein Wie in der Aussage, ein Hinweis auf die Art und Weise des Sprechens?

Nach den Präpositionen „auf“ und „in“ wird „Deutsch“ immer großgeschrieben: Das Buch erscheint „auf Deutsch“, der Brief wurde „in Deutsch“ verfasst. Das Schulfach „Deutsch“ ist so wichtig, dass es stets groß erscheint: Morgen haben wir „kein Deutsch“ (der Lehrer ist in Quarantäne). „In Deutsch“ hat sie eine Sechs (was sie aber tunlichst vermeiden sollte, denn ein „bisschen Deutsch“ benötigt sie auch beim SMS-Tippen unter der Bank). Der jungen Dame müsste man einmal „auf gut Deutsch“ (unverblümt, in aller Deutlichkeit) klarmachen, dass ein Wörterbuch für die Versetzung ungleich wichtiger sein kann als ein Smartphone.

Groß schreibt man also die näher gekennzeichnete deutsche Sprache: Er spricht „fließend Deutsch“, sie „lernt Deutsch“, „sein Deutsch“ ist akzentfrei. Verzwickt wird es allerdings, wenn wir auf eine „Deutsch sprechende“ Französin treffen. In diesem Fall handelt es sich um eine Besucherin aus Paris, die die deutsche Sprache beherrscht, aber trotzdem französisch spricht. Geht es aber um eine „deutsch sprechende“ Französin, so benutzt sie gerade unsere deutsche Sprache, und auch Oma in Spandau kann sie verstehen.

Das „kleine“ Wort „deutsch“ ist ein Adjektiv (Eigenschaftswort), und Adjektive schreibt man klein: das „deutsche“ Volk, die „deutsche“ Presse, ein „deutscher“ Dichter. Selbst so etwas Großes wie die „deutsche Einheit“, mögen wir sie in unserem Herzen auch noch so groß schreiben, wird orthografisch kleingeschrieben.

Wenn Eigenschaftswörter allerdings zu Eigennamen werden, schreibt man sie groß. Deshalb wird aus der deutschen Einheit an dem Tag, an dem wir ihrer gedenken, der „Tag der Deutschen Einheit“. Nach einem gewagten Sprung zum Vierbeiner treffen wir auf den „Deutschen Schäferhund“ oder die „Deutsche Dogge“ als Eigennamen stammbaumträchtiger Hunderassen, während ein einfacher Mischling aus dem Tierheim höchstens ein „deutscher“ Schäferhund ist. Das ist erkennbar „typisch deutsch“.

Eigennamen sind auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), die Deutsche Bahn oder der Deutsch-Französische Krieg (1870/71), Ausnahmen hingegen die Bank deutscher Länder und die Gesellschaft für deutsche Sprache.

Übrigens kann man „Deutsch“ nicht nur „großschreiben“, sondern auch „groß schreiben“. Die Wortgruppen Adjektiv und Verb bzw. Partizip und Verb werden zusammengeschrieben, wenn das Adjektiv in einer Verbindung weder gesteigert noch erweitert werden kann – zum Beispiel bei (ein Wort) „großschreiben“. Wir sollen ein Wort mit einem großen oder einem kleinen Anfangsbuchstaben beginnen. Dazwischen gibt es nichts. Ein halber Großbuchstabe wäre orthografisch sinnlos.

Die Lehrerin musste an der Tafel (so etwas gab es früher) ein bestimmtes Wort „großschreiben“ (mit großem Anfangsbuchstaben), aber auch „so groß schreiben“ (in großer Schrift), dass Uschi es in der letzten Bank lesen konnte. Falls Uschi das nicht schafft, würde die Lehrerin das Wort „noch größer schreiben“. Das Eigenschaftswort ist hier erweitert oder gesteigert. Deshalb schreibt man die Fügungen in diesem Fall getrennt.

deutschstunde@t-online.de