Deutschstunde

Ein paar Gedanken über den Gedankenstrich

Heute werfen wir einen Blick auf die Textverarbeitung. Eine korrekte Orthografie erfordert auch eine korrekte Typografie

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Wenn ein Abgeordneter im Bundestag den Ausdruck „in Parenthese“ in seine Rede einflicht, dann lässt sich daraus schließen, dass er wegen seines zur Schau gestellten Bildungsniveaus die deutsche Phrase „nebenbei bemerkt“ als nicht adäquat einstuft, dass er betonen will, aus Erlangen, Regensburg oder zumindest aus Göttingen, aber keineswegs aus Kreuzberg zu kommen und dass er seine Doktorarbeit vielleicht tatsächlich selbst geschrieben hat.

Bei der Stilfigur der Parenthese handelt es sich um etwas „Eingeschobenes“ (zu griech. pará „neben“ und énthesis „das Einfügen“), nämlich um einen außerhalb des eigentlichen Satzverbandes stehenden Satz oder den Teil eines Satzes: Eine Pkw-Maut wird es in Deutschland – so hat es Angela Merkel auch vor der Wahl versprochen – nun doch nicht geben. Wahlversprechen verflüchtigen sich, die Form einer Parenthese bleibt jedoch. Dabei ist zweierlei zu beachten: die Orthografie (die Rechtschreibung) sowie die Typografie (die Gestaltung von Druck-Erzeugnissen).

Ein parenthetischer Satz wird auch Schaltsatz genannt, weil er in den eigentlichen Satzverband „eingeschaltet“ worden ist. Ein solcher Schaltsatz wird am Anfang kleingeschrieben (es sei denn, das erste Wort im Einschub ist ein Hauptwort), und er bekommt keinen eigenständigen Schlusspunkt. Er wird in der Regel durch Kommas, Klammern oder – wie hier – durch paarige Gedankenstriche eingeschlossen. Wohlgemerkt: durch Gedankenstriche, nicht durch Bindestriche! Ein Gedankenstrich (–) ist genauso breit wie eine Ziffer einschließlich Vor- und Nachbreite und damit deutlich breiter als ein Bindestrich (-). Der Gedankenstrich lässt sich in den meisten Textverarbeitungsprogrammen mit der Tastenkombination [Strg]+[Minuszeichen des Nummernblocks] aufrufen. Er sollte nicht nur im Schriftsatz, sondern auch in Briefen und E-Mails korrekt angewendet werden.

Im Allgemeinen stehen Satzzeichen wie Punkt, Doppelpunkt, Komma, Ausrufe- oder Fragezeichen ohne Zwischenraum direkt nach dem letzten Buchstaben des vorangehenden Wortes. Wer vor einem Punkt oder Komma also noch einmal die Leertaste betätigt, verschwendet nicht nur Platz, sondern offenbart sich auch als absoluter Laie am Keyboard. Anders verhält es sich jedoch bei dem Gedankenstrich-Paar, das eine Parenthese umschließt: Hier müssen wir sowohl vorn als auch hinten Leerraum/Gedankenstrich/Leerraum tippen. Folgt direkt auf den Einschub ein Satzzeichen – was gar nicht so selten ist –, so entfällt das Leerzeichen hinter dem zweiten Gedankenstrich.

Das bloße Betätigen der Leertaste kann jedoch zu optischen Verzerrungen führen, wenn die Form des Blocksatzes ausgewählt worden ist. Blocksatz bedeutet – wie in den Spalten der gedruckten Zeitung –, dass auch der rechte Rand glatt ist und nicht „flattert“ wie in den Zeilen dieses Online-Textes. Ein glatter rechter Rand war auf alten Schreibmaschinen selbst mit viel Tipp-Ex nicht zu erzeugen. Heute schafft der Computer das, indem er, wenn notwendig, aus dem umlaufenden Wort eine passende Trennfuge auswählt, einen Trennstrich setzt und alle Zwischenräume der Zeile so weit und gleichmäßig vergrößert („ausschließt“, sagt der Fachmann), bis das letzte Wort oder die letzte Silbe der Zeile bündig rechts steht. Das kann jedoch dazu führen, dass die Gedankenstriche bei der Parenthese weit vom Text getrennt werden. Beim Schriftsatz benutzt man deshalb einen Festausschluss – meist ein Viertelgeviert (einen unveränderlichen Zwischenraum, so breit wie ein Viertel der Schrifthöhe) –, der nicht ausgetrieben werden kann. Zu Hause müssen Sie sich mit einem geschützten Leerzeichen behelfen, das Sie mit der Kombination [Strg]+[Shift]+[Leer] erzeugen.

Wenn wir einen Strich als „bis“ aussprechen, steht ebenfalls ein Gedankenstrich, und zwar in diesem Fall kompress (ohne Zwischenraum): der Erste Weltkrieg (1914–1918).

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