Deutschstunde

Ich bin das A und das O, spricht der Herr

Ein geschriebenes Wort besteht aus Buchstaben, und Buchstaben müssen im Alphabet geordnet sein. Das Eszett tanzt aus der Reihe

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Das Wort ist die kleinste sinntragende Einheit der Sprache. Wenn wir nicht reden, sondern schreiben oder lesen, benötigen wir einzelne Zeichen in richtiger Reihenfolge, also in allgemein bekannter und möglichst normierter Rechtschreibung, um ein Wort aufzuzeichnen oder zu erkennen. Dazu dienen die Buchstaben.

Lassen wir die Lautschrift, die die Aussprache eines Wortes „druckt“, oder die Kurzschrift, die vor der Einführung von Aufnahmegeräten das Stenogramm ganzer Vorträge erlaubte, einmal beiseite, so bedienen wir uns der 26 aus dem Lateinischen übernommenen Buchstaben, um ein Wort darzustellen. Eigentlich handelt es sich sogar um 52 Zeichen, denn von jedem Buchstaben gibt es eine kleine (Kleinbuchstaben, Minuskeln) und eine große Ausführung (Großbuchstaben, Versalien).

Im Deutschen kommt noch das Sonderzeichen „ß“ (das Eszett) hinzu, von dem es keinen genormten Großbuchstaben gibt, sondern lediglich den reservierten Platz U+1E9E im Unicode. Wird ein Wort mit einem „ß“ in Großbuchstaben gesetzt, so muss das „ß“ in „SS“ aufgelöst werden – Fuß wird zu FUSS. Bei Eigennamen führt das zu der Unsicherheit, ob sich die Person nun mit „ß“ oder „ss“ schreibt. Deshalb bleibt etwa auf den Trikots der Fußballspieler KIEßLING oder GROßKREUTZ das Eszett erhalten. Der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss schrieb sich hinten, groß oder klein, übrigens mit „ss“.

Ferner finden wir die Umlautbuchstaben „ä, ö, ü“ (klein) und „Ä, Ö, Ü“ (groß). Die Sprachwissenschaftler haben für jeden Begriff eine aus dem Griechischen oder Lateinischen abgeleitete Bezeichnung gefunden – vom Monosyllabum für das einsilbige Wort, vom Diphthong für den Doppellaut bis zum Interrogativpronomen für das Fragewort. Nur das Wort „Umlaut“ blieb deutsch. Was macht ein guter Deutscher, wenn er tatsächlich einmal auf ein rein deutsches Wort treffen sollte? Er bildet einen Anglizismus! Doch auch das hilft in diesem Fall nicht, denn im Englischen heißt der Umlaut, als Fremdwort aus dem Deutschen, ebenfalls „umlaut“.

Die festgelegte Reihenfolge aller Schriftzeichen einer Sprache wird als Alphabet bezeichnet, kurz als das Abc (großes A, kleines b, kleines c, bitte!). Die Bezeichnung geht auf die ersten beiden Buchstaben Alpha und Beta des griechischen Alphabets zurück. Im Deutschen reicht das Alphabet von A bis Z. Wenn wir etwas „von A bis Z“ erledigt haben, dann haben wir es in vollem Umfang erledigt.

Im Griechischen ist A (Alpha) der erste, O (Omega) jedoch der letzte Buchstabe des Alphabets. Deshalb bedeutet „das A und O“ noch heute „der Anfang und das Ende“. In der Offenbarung des Johannes 1,8 heißt es: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr.“

Im Allgemeinen werden die Buchstaben zu Wörtern zusammengesetzt. Aber es gibt immer wieder Fälle, bei denen wir uns mit Einzelbuchstaben beschäftigen müssen. Einzelbuchstaben sind Neutren: „das“ A, „das“ R. Sie bleiben ungebeugt. Wenn wir beim Sprechen auch schludern und „die Aussprache des Es“ oder „mehrere Fs“ sagen, heißt es in der Schriftsprache nur „des E“ und „mehrere F“.

Die Regel ist die Großschreibung der Einzelbuchstaben. Kleingeschrieben wird nur, wenn explizit auf einen Kleinbuchstaben Bezug genommen wird. Der „Punkt auf dem i“ ergibt nur bei einem kleinen „i“ Sinn. Wird der Einzelbuchstabe mit anderen Wörtern verbunden, geschieht das stets mithilfe eines Bindestrichs, wobei Groß- oder Kleinbuchstaben zu Beginn erhalten bleiben: T-Träger, aber i-Punkt. Wenn es jedoch um die Form des Buchstabens geht und diese Form sowohl beim Groß- als auch beim Kleinbuchstaben gleich ist, sind beide Schreibweisen möglich: s-förmig oder S-förmig bzw. o-beinig oder O-beinig.

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