Deutschstunde

Wenn die Syntax nicht ins Puzzle passt

Es geht um die Verbstellung nach der Konjunktion „weil“ und um den geflüchteten Jürgen Klinsmann im Kausalsatz.

Peter Schmachthagen schreibt über die Tücken der deutschen Sprache.

Peter Schmachthagen schreibt über die Tücken der deutschen Sprache.

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Langsam sieht es draußen wie Frühling aus, weil die letzten Winterreste „sind verschwunden“. Es geht hier allerdings nicht um den Wetterbericht, sondern ausschließlich um die Grammatik. Nicht mit der Meteorologie wollen wir uns beschäftigen, sondern mit der Syntax. Als Syntax (von lat. syntaxis – Zusammenstellung) bezeichnet man in einer Sprache die übliche Verbindung von Wörtern zu Wortgruppen und Sätzen, also die korrekte Verknüpfung sprachlicher Einheiten im Satz. In unserem einleitenden Beispiel ist die Zusammenstellung ein wenig durcheinandergeraten wie ein falsch zusammengesetztes Puzzle. Wir stören uns an der Stellung des Verbs nach „weil“.

Mit der unterordnenden Konjunktion „weil“ werden in der Hochsprache Nebensätze eingeleitet, bei denen das Finitum, die (flektierte) Personalform des Verbs, am Ende des Satzes steht. Es handelt sich um sogenannte „Verbletztsätze“. Stellen wir unser Beispiel also um: Langsam sieht es draußen wie Frühling aus, weil die letzten Winterreste „verschwunden sind“. Nun hört es sich doch gleich wie gutes Deutsch an!

In der Umgangssprache kommt „weil“ jedoch auch in Sätzen mit dem finiten Verb nach dem ersten Satzglied wie im Aussagehauptsatz vor, und das häufiger, als es unseren Ohren lieb ist. Viele Leser beklagen solche Sprachschludereien. Zum Beispiel: Sie kann nicht kommen, weil sie hat keine Zeit. Es ist kein Spaß, sondern eine durchaus ernste Frage der Stilistik, dass eine solch verquaste Syntax sprachwissenschaftlich als „Verbzweitsatz“ bezeichnet wird. „Weil“ nimmt hierbei die Position der nebenordnenden Konjunktion (des Bindeworts) „denn“ ein: Sie kann nicht kommen, „denn“ sie hat keine Zeit. Bei „weil“ gilt dieser Gebrauch in der geschriebenen Standardsprache als nicht korrekt, es sei denn, Komiker oder Vortragskünstler trieben mit der Syntax Scherz.

Manche Dichter von Goethe abwärts verquirlen bewusst die übliche Satzstellung und benutzen das Stilmittel des Anakoluths, des Satzbruchs, indem sie in einer anderen als der begonnenen Satzkonstruktion fortfahren. In diesem Fall handelt es sich nicht mehr um eine Schluderei, sondern um Literatur: Korf erfindet eine Mittagszeitung, welche, wenn man sie gelesen hat, ist man satt (Christian Morgenstern). Als Anakoluth bezeichnet man gelegentlich auch die Herausstellung eines Satzgliedes und dessen Wiederaufnahme oder Vorausnahme durch ein Pronomen. Es war gut, das Bild (Hermann Hesse).

Die Konjunktionen „da“ oder „weil“ leiten Kausalsätze ein (Begründungssätze, von lat. causa – Grund), die eine Ursache oder einen Anlass für die im Hauptsatz getroffene Aussage angeben: Sie war klitschnass, weil es draußen heftig regnete. Zwischen den beiden kausalen Konjunktionen bestehen im Gebrauch feine Unterschiede. Die Konjunktion „da“ wird meist verwendet, wenn der vom Nebensatz bezeichnete Sachverhalt als bekannt vorausgesetzt wird: Da heute Sonntag ist, haben die Geschäfte geschlossen. Der Nebensatz steht dann oft vor dem übergeordneten Satz. Beginnt der Hauptsatz mit „so“, wählt man immer „da“: Da du uns Vorwürfe machst, so wollen wir der Angelegenheit einmal genau auf den Grund gehen.

Die Konjunktion „weil“ ist allgemeiner anwendbar. Der Nebensatz steht dann häufig nach dem übergeordneten Satz. Auch auf die direkte Frage mit „Warum?“ antwortet man mit „weil“ und nicht mit „da“: Warum verschwand Jürgen Klinsmann? Weil er ein Windbeutel ist. Die kausalen Konjunktionen sind, wie gesagt, unterordnende Konjunktionen. Wer das nicht beachtet, macht logische Fehler bei der Aussage: Am Markt ist eine Baustelle geplant, weil bereits eine Umleitung eingerichtet wurde. Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Richtig muss es natürlich heißen: Weil eine Baustelle geplant ist, wurde bereits eine Umleitung eingerichtet.

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