Deutschstunde

Lauter kleine Schokoladen-Nikoläuse - oder Nikolause?

Kann man Vornamen überhaupt in den Plural setzen? Die Flexion klingt manchmal wie ein grammatischer Scherz. Die Deutschstunde.

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Berlin. Es begab sich aber zu unserer Zeit, dass eine Ehefrau am Tag vor dem 6. Dezember, dem Tag des heiligen Nikolaus, viele kleine Pakete mit Figuren gepackt hatte, die sie in die Schuhe der Verwandten und Bekannten verteilen wollte, eben viele kleine Nikoläuse. Nikoläuse? Läuse in den Schuhen? Das klang mehr nach Kammerjäger als nach Adventsstimmung. Der Ehemann startete eine Anfrage bei mir und wollte wissen, wie der Plural von Nikolaus laute, und da er einmal dabei war, bat er um die Erklärung, ob Vornamen überhaupt eine Mehrzahl bilden könnten. Wie sei das bei Hans? Hänse? Hanse? Hansens? Das klinge irgendwie komisch.

Um die Antwort vorwegzunehmen: Nikolaus ist einmal ein Vorname, den man seinem Bübchen geben kann, und im übertragenen Sinne eine als heiliger Nikolaus verkleidete Person oder eine den heiligen Nikolaus darstellende Figur aus Schokolade. Und da es mehrere Nikolaus-Figuren gibt, in Supermärkten ganze Tische und Regale voll, muss es auch einen Plural (eine Mehrzahl) dafür geben. Er lautet die Nikoläuse, selten, süddeutsch und antiquiert auch die Nikolause.

Familien-, Personen- und Vornamen können sämtlich einen Plural bilden und verhalten sich dann wie Gattungsbezeichnungen. Sie bezeichnen in dieser Form entweder die reine Gattung (die Krösusse = reiche Leute) oder Personen, die mit dem ursprünglichen Träger des Namens verglichen werden (die Invasion der Nikoläuse vor dem Kaufhaus). Im Plural stehen auch sämtliche Mitglieder einer Familie oder eines Geschlechts (die Meyers, die Bismarcks).

Umgangssprachlich hat es sich eingebürgert, den Plural von Vornamen dort, wo es irgend geht, mit dem Plural-s zu bilden: die Heinrichs, die Rudolfs. Nach den strengen Regeln der Morphologie (der Formenlehre) ist es anders. Männliche Vornamen, die auf einen Konsonanten (Mitlaut) enden, haben literarisch-konservativ die Endung -e: die Heinriche, die Rudolfe. Verkleinerungen (Diminutive) und Namen auf -er und -en stehen hochsprachlich ohne Endung: die Hänschen, die Peter, die Jürgen. Ein -s finden wir hinter Namen, die auf einen Vokal (Selbstlaut) ausgehen: die Saschas. Steht hinten ein männliches -o, dann wird -nen angehängt, in der Praxis aber nur bei Geschlechtern: die Ottonen („die Ottonen auf dem Kaiserthron“).

Das ist verwirrend genug, aber damit haben wir es noch nicht geschafft. Es fehlen nämlich die Damen. Feminine Personen- und Vornamen auf -e bilden den Plural gewöhnlich mit -n: die Mariannen, die Isolden. Endet der Name auf einem -s, dann bleibt er im Plural unverändert (die beiden Agnes), endet er auf einem anderen Konsonanten, so bildet man den Plural mit einem -en (die Adelheiden), häufig jetzt aber auch mit einem -s (die Adelheids).

Dem Vornamen Hans, wie oben gefragt, sollten wir uns nicht näher widmen, denn „die Hanse“ haben bzw. hat im Norden eine ganz andere Bedeutung. In diesem Fall könnten wir schreiben: die sechs Jungen mit dem Vornamen Hans in meiner Klasse.

Wie sieht es eigentlich im Genitiv (2. Fall) aus? Heißt es „das Jubiläum des Jürgen“ oder „des Jürgens“? „des Jürgen“ steht ohne Genitiv-s, „Jürgens Jubiläum“ aber mit -s. Hier greift die Regel: Mit „des“ ohne „s“, ohne „des“ mit „s“. Endet der Name auf einen Zischlaut, wird das Genitiv-s durch einen Apo­stroph ersetzt. Richtig ist „die Gaben des Nikolaus“, aber „Nikolaus‘ Gaben“. Bei Doppelnamen dekliniert man nur den letzten: Klaus Peters Arbeit, Ernst Theodors Eltern, aber: die Eltern des Ernst Theodor.

Tritt ein Titel hinzu, wird dieses Substantiv dekliniert, während der Name endungslos bleibt: die preußische Armee des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Schreiben wir die Ordnungszahl aus, steht sie im gleichen Kasus (Fall) wie das bestimmende Substantiv: die Armee des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm des Ersten (nicht: der Erste).

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