Deutschstunde

Punkt, Komma, Strich – ohne geht es nicht

Satzzeichen kann man sprechen, aber auf jeden Fall muss man sie schreiben, sonst wäre jeder Text ein Silbenrätsel.

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Deutschstunde mit Peter Schmachthagen

Foto: dpa/ Klaus Bodig

Kann man Satzzeichen sprechen? Man kann. Durch Pausen, Betonungen, Heben und Senken der Stimme, durch Crescendo und Decrescendo des Redeflusses wird dem Zuhörer das Gesagte verständlich. Wer uns mit einem monotonen Redeschwall ohne Höhepunkte eindeckt, ist ein sogenannter Dampfplauderer, dem man beibringen muss, kürzere Sätze zu bilden und zwischen ihnen eine Zäsur wenigstens anzudeuten. Kann man Satzzeichen auch schreiben? Man kann nicht nur, man muss! Ohne solche Lesehilfen hätten wir keinen Text, sondern ein Silbenrätsel vor uns. Wir benötigen die Satzzeichen, um die Gliederung und Zuordnung der einzelnen Wörter mit einem Blick zu erfassen.

Am Ende eines Aussagesatzes steht ein Punkt: Es wird Sommer. Am Schluss einer Frage wird ein Fragezeichen gesetzt: Sprechen Sie Berlinerisch? Das Komma trennt Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander ab. Das Semikolon, der Strichpunkt, ist weder Punkt noch Komma. Das Semikolon ersetzt den Punkt, wenn dieser zu stark trennt; es ersetzt das Komma, wenn dieses zu schwach trennt. Der Doppelpunkt kündigt an, dass noch etwas folgt. Er fragte: „Wie alt bist du?“ Abfahrt: 10.30 Uhr. Ankunft: 12 Uhr.

Der Gedankenstrich kennzeichnet etwas Folgendes, oft Unerwartetes: Hier hilft nur eines – nichts wie weg! Für eine Parenthese, für einen Einschub außerhalb des eigentlichen Satzverbandes, benötigen wir gleich zwei Gedankenstriche. Die Berliner Morgenpost – sie wurde von Leopold Ullstein gegründet – ist bereits 120 Jahre alt. Bei der Textverarbeitung sollten Sie unbedingt darauf achten, eine Parenthese vorn und hinten mit Leertaste, langem Strich, Leertaste zu tippen. Folgt auf den Einschub jedoch ein Nebensatz, entfällt das hintere Leerzeichen.

Die Anführungszeichen, im Volksmund auch Tüttelchen genannt, stehen vor und hinter der direkten Rede und bei Zitaten. „Wenn doch endlich Schluss wäre!“, stöhnte sie. „Die nächste Bundestagswahl“, sagte er, „kann sehr spannend werden.“

Sie müssen genau auf die Reihenfolge von Abführung und Punkt bzw. Komma achten. Das Komma steht immer nach der Abführung, der Punkt bei einer vollständigen wörtlichen Rede jedoch stets vor der Abführung. Haben wir es aber mit einem Teilzitat zu tun, ändert sich die Reihenfolge in Abführung, Punkt: Sie las Goethes „Faust“. Befindet sich ein Zitat innerhalb eines anderen Zitats, wird das zweite Zitat in einfache An- und Abführung gesetzt. „Ab morgen lesen wir Goethes ‚Faust‘“, sagte der Lehrer.

In Klammern kann man Zusätze, Erläuterungen oder Nachträge unterbringen: Die Zeichensetzung (Interpunktion) ist ein weites Feld. Er erreichte Frankfurt (Oder). Ein Ergänzungsstrich steht, wenn in Zusammensetzungen ein gleicher Bestandteil nur einmal genannt wird: Land- und Forstwirtschaft.

Der Apostroph zeigt das Fehlen eines oder mehrerer Buchstaben in einem Wort an: Geht’s dir gut? Der Apostroph darf jedoch nicht beim entfallenen Schluss-e von Verbformen oder bei der Befehlsform gesetzt werden: Ich komm gleich. Hör mal zu!

Zur Kennzeichnung des Genitivs steht kein Apostroph; so etwas wird allgemein als „Deppenapostroph“ bezeichnet: nicht „Karl’s“ Auto, sondern Karls Auto – selbst bei abgekürztem Namen (K.s Auto). Der Genitiv muss auch bei Fremdwörtern auf -us ohne Apostroph gebildet werden: das Scheitern des Kommunismus. Der Apostroph ist jedoch zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen notwendig, die auf s, ss, ß, tz, z, x, -ce enden und keinen Artikel (des) bei sich haben: Hans Sachs’ Gedichte, Grass’ „Blechtrommel“, aber: die Gedichte des Hans Sachs.

Ein Apostroph hat nichts, aber auch gar nichts bei der Verschmelzung von Präpositionen und Artikeln zu suchen: ans, aufs, fürs, beim. Falls Sie irgendwo auf ein „für’s“ stoßen sollten, dürfen Sie einen empörten Brief an die Redaktion schreiben.

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