Deutschstunde

Wie immer ein herzliches Willkommen!

Selbstverständlich sind Sie herzlich willkommen. Groß oder klein? Es gibt viele Stolpersteine in der Sprache. Unsere Deutschstunde.

Peter Schmachthagen schreibt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.

Peter Schmachthagen schreibt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.

Foto: Klaus Bodig

Berlin. „Bei dir fällt der Jroschen aba ooch fennichweise!“, sagte Frau Bolle zu Frau Kowalsky und erklärte ihr die scheinbar offenkundige Tatsache, dass gerade immer so viel in der Welt passiert, dass die Zeitung genau bis zur letzten Zeile auf der letzten Seite voll wird. „Kiek inne Morgenpost, nüscht üba!“ Nun, das Weltgeschehen wird von den Kolleginnen und Kollegen je nach Umfang gestreckt oder eingedampft, bis es in die Ausgabe passt. Es kann schon einmal passieren, dass ein Aufmacher während der Produktion zum Einspalter schrumpft, wenn eine neu her-einkommende Topmeldung alle anderen Nachrichten relativiert.

Die Kolumne an dieser Stelle hat zumindest einen Vorteil und eine Konstante: jedes Mal eine feste Länge, genau 105 Zeilen Text. Das reicht, um einige Beispiele aus dem schier unerschöpflichen Vorrat der deutschen Rechtschreibung, Grammatik und Stilistik zu erörtert, ist aber viel zu kurz, um sämtliche Ausnahmen, Möglichkeiten und Schreibweisen aufzuführen. Insofern freue ich mich, als Ruheständler für den Rest der Woche keine Langeweile zu haben, sondern eine Flut von Zusatzfragen unserer Leser beantworten zu dürfen, wobei ich bitte, sich möglichst nur auf meine aktuellen Texte zu beziehen.

Auf meine Empfehlung in einer früheren Kolumne, Guten Tag oder Auf Wiedersehen sagen großzuschreiben, kam von mehreren Seiten die Frage: Und wie ist es mit herzlich willkommen? Oder „Herzlich willkommen“ oder gar „Herzlich Willkommen“? In dieser Formulierung ist willkommen ein Adjektiv und wird demnach kleingeschrieben: Sei mir herzlich willkommen (wie?)! Wenn wir den Begriff jedoch substantivieren, also mit einem bestimmten oder unbestimmten Artikel versehen, wird er zum Hauptwort, und Hauptwörter schreibt man groß: Er bereitete ihm ein herzliches Willkommen (was?).

Ich will mich ja nicht drücken, aber richtig professionelle Sprachberatung bekommt man beim Duden in Berlin (Tel. 0900 1-870098, 1,99 Euro pro Minute). Zu den am häufigsten gestellten Fragen gehört auch dort die Frage nach dem Willkommen, wie wir einem Newsletter entnehmen können (wobei „Newsletter“ sicherlich ein überaus „urdeutscher“ Ausdruck für einen Rundbrief der Gralshüter der deutschen Sprache ist).

Weitere häufig gestellte Fragen: Heißt es „am Ende diesen Jahres“ oder „dieses Jahres“? Am Ende dieses Jahres. „G 20-Gipfel“ oder „G-20-Gipfel“? Bitte durchkoppeln: G-20-Gipfel, obwohl derjenige, der heutzutage noch Wert auf das korrekte Setzen von Bindestrichen legt, sich leicht im Museum neben Sütterlin, Fraktur, Vatermörder und Sisyphos wiederfinden könnte. Schreibt man „email, e-Mail“ oder „E-Mail“? Richtig ist nur E-Mail, und zwar „die“ E-Mail, Femininum! Der Artikel von Blog, „der“ oder „das“, bleibt ungeklärt, was angesichts des Niveaus der meisten dieser Webseiten auch ziemlich egal ist. „Ist“ es oder „sind“ es zwei Jahre her? Es ist zwei Jahre her. Schreibt man in der Briefanschrift „Herr“ oder „Herrn“ Max Mustermann? Immer noch Akkusativ mit gedachtem „An“: Herrn Max Mustermann, wobei auch das „Herrn“ heute meistens weggelassen wird.

Lesen wir den neuen Roman des bekannten „Autoren“ oder „Autors“? Das Substantiv der Autor (auch der Major) wird im Singular stark, nicht schwach dekliniert. Es heißt also des Autors, dem Autor, den Autor, nicht: „des Autoren, dem Autoren, den Autoren“. Die Komposita (Zusammensetzungen) mit Autor als Erstglied sind fast ausschließlich mit dem Fugenzeichen -en- gebräuchlich. Es heißt: Autorenverzeichnis, Autorenverband, Autorenregister, Autorenlesung, Autorenexemplar, Autorenhonorar, auch Autorenkorrektur.

Da wir gerade dabei sind: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass man den Motor auf der ersten oder auf der zweiten Silbe betonen kann? Das führt zu einer schwachen und zu einer starken Pluralform. Der schwache Plural die Motoren gehört ursprünglich zu dem Singular Motor mit der Betonung auf der ersten Silbe. Der starke Plural die Motore gehört zu dem Singular Motor mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Beide Betonungen und beide Pluralformen sind korrekt.

Kontakt: deutschstunde@t-online.de

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