Auf dem roten Teppich

Heidi & Tom & Bill & Hans & Franz

Heidi Klum ist jetzt Berlinerin, zumindest vorerst. Schon vor der Anreise gab es von dem Model allerdings mehr als genug zu sehen.

Heidi Klum ist samt Kindern, Kaulitz-Zwillingen und Hunden in Berlin gelandet. Erst am vergangenen Dienstag war das, und ich habe trotzdem schon das Gefühl, ich kann es nicht mehr sehen. Das liegt zum einen daran, dass die Boulevardmedien sich seitdem mit Heidi-Content überschlagen. Es passiert ja auch sonst gerade nicht viel im Promibereich. Zum anderen sorgt die „Model-Mama“ seit der Hochzeit mit Tom Kaulitz auf Instagram für Dauerbeschuss in eigener Sache. Häufig ist sie dabei nackt oder wenigstens leicht bekleidet. Heidi in der Wanne, Heidi im Bett, Heidi mit Riesenwauzi räkelnderweise auf dem Teppich (Warum????), Heidi neckisch hinterm Vorhang, Heidi mit Blick auf ihre Brüste aka Hans und Franz. Manchmal habe ich das Gefühl, ich sehe Heidi Klum häufiger nackt als mich selbst.

Ich könnte das ja einfach ignorieren, werden Sie jetzt sagen. Aber so einfach ist das nicht. Erstens ist das Teil meines Jobs – ich schaue mir das an, damit Sie es nicht müssen. Zweitens ist dieser Instagram-Account wie ein Unfall: Man kann einfach nicht wegschauen. Gaffermodus in seiner schlimmsten Ausprägung. Ich bin gleichzeitig abgestoßen und fasziniert. Ist das ausgeprägter Exhibitionismus oder einfach nur gute PR?

Anton wird gebusselt, geschmust und dabei abgelichtet

Ich gebe zu, häufig hängt meine Abneigung schlicht damit zusammen, dass ich keine Hunde mag, ich bin ein Katzenmensch. Zu allem Übel ist Klums Anton nicht einfach nur ein Hund, sondern ein Ungetüm mit Ausmaßen des Glücksdrachen Fuchur. Anton jedenfalls wird recht häufig gebusselt, geschmust und dabei abgelichtet. Schön für Anton, ohne Frage. Mir läuft es eher kalt den Rücken herunter, wenn Anton, gerade in Berlin angekommen, den im Soho House angerichteten Kalten Hund (Höhö) beschnuppert.

Für Heidi und die Kaulitz-Twins gab es dazu noch einen Döner, so erfuhr ich ebenfalls dank Instagram. Ach, dachte ich, dat Heidi, so bodenständig. Bergisch Gladbacher Määääädschen, eine von uns. Lecker Döner und Kuchen. Immer rein in die Figur. Neben der Nacktheit und der immer mal wieder angedeuteten Möglichkeit einer Schwangerschaft ist das Girl-next-Door-Image ein wichtiger Teil der Klumschen Verkaufsstrategie. Unvergessen sind die Bilder von Heidi und ihrem damaligen Ehemann Seal als Funkenmariechen und im knallgrünen Krokodilskostüm beim Karnevalsumzug in der nordrhein-westfälischen Heimat.

Interviews mit dem deutschen Exportwunder sind selten zu haben

Zu Hause in Los Angeles wird außerdem Fußball geguckt, wenn der FC Bayern München spielt, mit Oma via Videocall Kuchen gebacken und aus der Pärchentasse Kaffee getrunken. Alles wie bei Familie Mustermann also. Jedenfalls will uns das die hübsch kuratierte Social-Media-Welt glauben machen. Aber mal ehrlich, da schummeln wir doch alle gerne.

Tom und Bill Kaulitz habe ich vor einigen Jahren mal mit Tokio Hotel zum Interview getroffen. Ich muss zugeben, dass ich damals in der Tat überrascht war, was für einen soliden und bescheidenen Eindruck die Jungs trotz Millionenverkäufen und überstandener Teeniehysterie auf mich machten. Bei Heidi Klum konnte ich mir bisher leider noch kein eigenes Urteil bilden. Denn Interviews mit dem deutschen Exportwunder sind selten zu haben. Mit Informationen aus ihrem Privatleben, die sie nicht selbst an die Öffentlichkeit bringt, versteht sie außerdem keinen Spaß. Instagram ist in dieser Hinsicht für Klatschreporter Fluch und Segen zugleich. Nie gab es mehr private Einblicke von den Prominenten. Nie waren die klassischen Medien für Promis so unwichtig, um Neuigkeiten aller Art loszuwerden.

Wie es aussieht, bleibt der Klum-Kaulitz-Clan uns in Berlin noch etwas länger erhalten. Zunächst für die Dreharbeiten der kommenden Staffel „Germany’s next Topmodel“, gerüchteweise sogar dauerhaft mit einem eigenen Domizil. Ich freue mich jetzt schon auf Nackedei-Storys mit Hauptstadt-Kulisse.