Auf dem roten Teppich

Unsere kleine Corona-WG

Zwei Wochen zu Hause können einsam werden. Nicht allerdings, wenn man die Zeit mit prominenten Gästen verbringen kann.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Berlin. Ich habe neue Mitbewohner. Sie heißen Chris Hemsworth, Ralf Moeller, Pamela Reif, Caro Daur, Riccardo Simonetti, Daniel Donskoy, Alex Hipwell und Mady Morrison. Und ich muss sagen, nach zwei Wochen Homeoffice und Abgeschiedenheit von der Außenwelt sind wir ein perfekt eingespieltes Team. Wenn ich morgens aufwache, stehen Alex, Chris, Caro und Pamela schon bereit für unsere gemeinsame Sporteinheit. Damit keine Eifersucht aufkommt, wechseln wir uns ab. Am strengsten ist Alex. Kaum einen Kaffee schaffe ich zu trinken, pünktlich um 8 Uhr schickt sie mich auf die Matte, da kennt sie nichts. Die anderen sind etwas nachsichtiger, ihre Work-outs darf ich später nachholen.

Aber wehe, ich verpasse eine Stunde. Pamela hat mir einen akkuraten Plan für jeden Tag geschrieben. Chris ebenso, dazu bekomme ich von ihm manchmal sogar noch E-Mails. Und das, obwohl wir uns jeden Tag sehen. Man könnte Chris für einen Kontrollfreak halten. Ich finde, er ist einfach ein sehr fürsorglicher Mitbewohner. Er schreibt mir dann, wie ich mit seiner Hilfe noch besser meine Fitnessziele erreichen kann oder gibt mir Tipps, wie ich Haushaltsgegenstände oder – wenn vorhanden – Kinder als alternative Gewichte nutzen kann.

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Mittags kochen wir alle zusammen. Pamela und Chris sind die Gesundheitsbewusstesten von uns, deshalb halten wir uns meist an ihre Rezepte. Riccardo ist da keine Hilfe, ginge es nach ihm, hätten wir nicht mal eine Küche. Caro ist der Meinung, dass kleine Snacks zwischendurch auf jeden Fall erlaubt sein müssen. Chris sieht das ganz anders. Schließlich bewegen wir uns gerade sehr viel weniger – morgendliches Sportprogramm hin oder her.

Wenn mir Chris mit seinem Avengers-Perfektionismus auf die Nerven geht, habe ich glücklicherweise noch Ralf. Mit Ralf mache ich auch Sport, immerhin war er ja einmal Mr. Universum. Ich glaube aber, Ralf ist auch nicht böse, wenn ich an einem anderen Tag lieber Yoga mit Mady mache. Mady hat die Ruhe weg und immer ein offenes Ohr. Sie sorgt dafür, dass wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen und bringt uns mit einer Meditation zur Not auch ins Bett. Ralf erinnert mich dafür daran, zwischendurch mal das Fenster auf zu machen und genug Wasser zu trinken. Caro sorgt mit Stylingtipps dafür, dass wir nicht komplett verfloddern und hebt die Stimmung mit Anleitungen zum Cupcake backen. Immerhin vegan, da drückt sogar Chris mal ein Auge zu.

Nur ein Thema ist tabu: Corona

Gemeinsam teilen wir in dieser nervenaufreibenden Zeit auch unsere Sorgen und Nöte. Ist das Klopapier etwa schon wieder alle? Geht Müsli bei akuter Faulheit als vollwertige Mahlzeit durch? Und wie oft muss man sich eigentlich die Haare waschen, wenn soziale Konventionen keine Rolle mehr spielen? Riccardo findet, man kann die Zeit der Quarantäne perfekt dafür nutzen, die Haare einmal auszufetten. Höchstens Trockenshampoo ist erlaubt. Pamela, unsere Schönheitskönigin, hat trotz Social Distancing schon den Ansatz nachgefärbt. Und Caro hat sich ein Zu-Hause-Nagelstudio eingerichtet. Für die Unterhaltung am Abend sorgt meist Daniel. Er lädt dann seine Freunde ein. August Wittgenstein zum Beispiel oder Ruth Moschner. Wir quatschen dann über alles Mögliche. Nur ein Thema ist tabu: Corona. Sie sehen, jeder hat seine Aufgaben in unserer kleinen Wohngemeinschaft. Nur mit dem Putzplan hakt es noch ein bisschen. Ich habe das Gefühl, das bleibt immer an mir hängen.

In einem Tweet von einem psychiatrischen Dienst habe ich gelesen, dass es ganz normal sei, in der aktuellen Isolation mit seinen Küchengeräten zu sprechen. Grund zur Sorge bestehe erst dann, wenn man von ihnen eine Antwort bekäme. Gilt das auch für YouTube-Kanäle, Instagram-Storys und Fitnessapps? Nein, oder? Ich denke, bei mir ist alles in bester Ordnung.