Auf dem roten Teppich

Der Trend geht zum Atemschutzmaskenselfie

In Zeiten des Coronavirus ist bei den Prominenten Kreativität gefragt, um trotzdem im Gespräch zu bleiben, weiß Annika Schönstädt.

Eigentlich wollte ich diese Kolumne Corona-frei halten. Aber was soll ich sagen, es passiert ja sonst nichts. Schlimmer als Sommerloch und Weihnachten zusammen ist das. Das Virus macht mich quasi arbeitslos. Interviews, Restauranttest, klar, die finden weiter statt. Bei größeren- und Großveranstaltungen sieht es in den kommenden Wochen aber mau aus. Goldene Kamera, Musikautorenpreis, Hörfilmpreis – alles abgesagt. Natürlich zurecht. Wenn solche Events der Inhalt des eigenen Jobs sind, werden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen allerdings auf Dauer eine Herausforderung.

Aber was jammere ich. Auch die Promis haben es in diesen nervenaufreibenden Zeiten schließlich nicht leicht. Fußballergattin Ina Aogo fürchtete schon, sie müsse womöglich ihren zweiten Dubai-Urlaub in drei Monaten absagen. Spraytan und neue Babyboomernails sollten doch nicht umsonst gewesen sein. In ihrem Podcast „Spielerfrauen on Air“ nahm sie sich dem wichtigen Thema an. Die schönsten Verschwörungstheorien inklusive. Die Berlinerin bleibt allerdings furchtlos. „Ich habe keine Angst, ich will einfach nur in den Urlaub.“ Und zur Not könne man Atemschutzmasken ja auch mit Louis-Vuitton-Tasche kombinieren.

Die Geissens reisten mit Mundschutz nach Saint Tropez

Familie Geiss reiste schon Anfang März geschlossen mit Mundschutz nach Saint Tropez. Eigentlich unnötig, denn Mutter Carmen hat bereits ein Heilmittel gefunden. Einfach von einer Zwiebel beide Enden abschneiden, in ein leeres Glas legen und neben den Erkrankten stellen. „Zwiebeln ABSORB BACTERIA und das ist der Grund, warum sie so gut darin sind, uns vor Kälte und Grippe zu schützen“, schreibt sie auf ihrem Instagram-Account. Zack, Problem gelöst. Und alle anderen Idioten hamstern noch Nudeln und Klopapier.

Naomi Campbell macht hingegen keine halben Sachen. Das Supermodel fliegt derzeit nur mit Mundschutz, Handschuhen, Ganzkörperschutzanzug und Schutzbrille. Safety first!

In den sozialen Medien könnte das der Beginn eines neuen Trends sein: das Atemschutzmaskenselfie. So als Nachfolger des Krankenhausselfies. Das hat sich ja bereits seit einiger Zeit als eigenes Genre mit mehreren Subkategorien etabliert. Denn gerade in den Kategorien B- bis C-Promi und Influencer gibt es einige Vertreter, die mit ihren Followern wirklich jede Lebenssituation teilen möchten. Das können ästhetische Eingriffe sein, die zwecks Kostenübernahme penibel dokumentiert werden oder unglückliche Verkettungen von Umständen bei der Wildschweinjagd.

Dramatische Stichworte dürfen nicht fehlen

Man nehme dafür zunächst ein mitleiderregendes Selbstbildnis aus dem Krankenbett. Wenn möglich mit gut sichtbarem Zugang an der Hand oder anderen Requisiten aus dem Sanitätshaus. Dazu ein leidender Blick und ein paar dramatische Stichworte in der Bildunterschrift: „Schmerzhaft, lebensbedrohlich, Not-OP …“

Echte Social-Media-Füchse steigern die Dramatik mit einem Cliffhanger. Heißt: Statt Informationen (selbstloser Zweck des Posts ist es schließlich, den Followern ihre Sorge um den geliebten Star zu nehmen) gibt es nur eine kryptische Nachricht wie „Ich war noch nie so krank …“ Nicht immer wird die Spannung anschließend aufgelöst. Sehr zum Unmut der Fans. Designerin und Moderatorin Cathy Hummels musste sich nach besagtem Post einiges anhören. Erst Mitleid abgreifen und dann nicht verraten, um welche singuläre Krankheit es sich handelt? Nicht mit dem Insta-Wutbürger! Bei Kollegin Miyabi Kawai steht die Aufklärung nach zuletzt gleich drei Posts aus dem Krankenlager ebenfalls noch aus.

Aber auch sonst kommen Krankenhausselfies nicht immer gut an. Wer noch posten kann, könne so krank ja nicht sein. Perfektes Make-up und auf die Bettwäsche abgestimmter Nagellack, so wie jüngst bei Reality-TV-Sternchen Georgina Fleur, machen es nicht besser. Vielleicht sollte Ina Aogo ihre Accessoires also noch einmal überdenken.