Auf dem roten Teppich

Jetzt muss wieder alles sitzen

Die Vergabe von Preisen am Anfang des Jahres bedeutet für Prominente Stress. Manche quälen sich aber regelmäßig beim Sport.

Annika Schönstädt, Gesellschaftskolumnistin der Berliner Morgenpost.

Annika Schönstädt, Gesellschaftskolumnistin der Berliner Morgenpost.

Foto: pa/Reto Klar

Berlin. Haben Sie in den vergangenen Tagen die Paparazzibilder von Sängerin Adele gesehen? Die Britin urlaubt gerade mit ihren ebenfalls sehr prominenten Landsleuten James Corden und Harry Styles in der Karibik und sieht dabei seeeeeehr schlank aus. 20 bis 45 Kilogramm soll die 31-Jährige in den vergangenen Monaten abgenommen haben. Bei den genauen Zahlen überbieten sich die Experten der gängigen Klatschmedien. Der Grund dafür ist natürlich ein Mann. Im September 2019 wurde bekannt, dass Adele die Scheidung von Unternehmer Simon Konecki eingereicht hat. Erstaunlich eigentlich, dass sie noch keine neue Frisur hat. Das Wie des Gewichtsverlustes war auch schnell ausgemacht. Sirtfood-Diät lautet das Zauberwort. Dabei isst man nur Lebensmittel, die reich an Sirtuinen sind, einer Proteingruppe, die Fett verbrennen, Heißhungerattacken verhindern und die Muskulatur stärken soll. Trotzdem sind Schokolade und Rotwein erlaubt. Wow!

Ich persönlich glaube ja ganz altmodisch an eine ausgewogene Ernährung und Sport, Sport, Sport. Dass ich damit, vor allem im Januar, nicht allein dastehe, merkte ich heute morgen im Fitnessstudio. Der frühe Yogakurs, der sonst nur etwas für Hartgesottene ist, platzte vor Neujahrsmotivierten aus allen Nähten. Natürlich wird sich das in den kommenden Wochen schnell wieder legen. Dann sind wir wieder unter uns. Und damit meine ich die Menschen, die ich auch dann noch regelmäßig treffe, wenn die anderen sich schon wieder ärgern, dass sie im Überschwang einen Zweijahresvertrag unterschrieben haben.

Zu diesem kleinen Grüppchen im unglamourösen Neukölln gehören tatsächlich auch ein paar Prominente. Nicht in der Dichte wie im Fitnessstudio des Soho Houses in Mitte, wenn man Instagram glauben möchte, aber dennoch. Im herabschauenden Hund neben mir kann ich manchmal einen recht ansehnlichen Schauspieler beobachten, bei den freien Gewichten treffe ich hin und wieder einen ortsansässigen Sternekoch, und auf dem Fahrrad bemüht sich ein bekannter Kolumnist. Er liest dabei Zeitung. Natürlich.

Das Foto vor dem Spiegel ist eine eigene Social-Media-Gattung

Ich möchte hier niemanden outen, aber eines kann ich Ihnen verraten: Wie auf einem Gym-Selfie sieht dabei niemand von ihnen aus. Glücklicherweise. Das Foto vor dem Spiegel in der Umkleidekabine oder beim Training ist quasi eine eigene Social-Media-Gattung. Verschwitzt, verstrubbelt oder verausgabt sehen dabei die wenigsten aus. Stattdessen perfektes Make-up, definierte Sixpacks und hochpreisige Fitnessmode.

Was natürlich nicht bedeutet, dass Prominente nicht hart an ihren Körpern arbeiten würden. Das findet dann allerdings hinter verschlossenen Türen statt. Jannik Schümann erzählte mir einmal, wie er sich auf die Rolle als Model und Kickboxer in dem Film „Dem Horizont so nah“ vorbereitet hat. Vier Monate diszipliniertes Training, kein Zucker – nicht mal Saft oder Obst –, kein Alkohol und am Ende auch keine Kohlenhydrate mehr. Spaß sieht anders aus. Bei Fitnessmodels kann man sich wahrscheinlich das ganze Jahr so vorstellen. Schümanns Trainer, VIP-Coach Erik Jäger, erlaubt sich nur ausnahmsweise mal ein Bier. Aber dann wird am nächsten Tag doppelt angezogen. Ich habe mir mal eine Stunde bei ihm gegönnt. Aus dem Studio wäre ich danach gern gekrochen.

Aus den USA kennt man noch ganz andere Extreme. Und für die Stars bedeutet der Anfang des Jahres zusätzlich Stress. In Hollywood ist Award-Season. Das heißt, Golden Globes, Oscars und so weiter stehen auf dem Programm. Wer sich Chancen auf einen Preis ausmalt, kommt nicht selten ohne ein ganzes Makeover aus. Aber auch in Berlin haben die Botoxdealer derzeit Hochkonjunktur, habe ich mir sagen lassen. An diesem Montag startet die Fashion Week, und im Februar folgt die Berlinale. Das soll schließlich alles sitzen auf den roten Teppichen – auch im Gesicht.

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