Auf dem roten Teppich

Wie date ich einen Promi?

Auch Stars wie Sharon Stone nutzen Dating-Apps - wenn man sie lässt. Annika Schönstädt über die Promi-Probleme des Online-Datings.

Sharon Stone wurde bei der Dating-App Bumble gesperrt. Niemand wollte ihr zunächst glauben, dass es sich um die echte Sharon Stone handelte, schreibt Kolumnistin Annika Schönstädt.

Sharon Stone wurde bei der Dating-App Bumble gesperrt. Niemand wollte ihr zunächst glauben, dass es sich um die echte Sharon Stone handelte, schreibt Kolumnistin Annika Schönstädt.

Foto: dpa/Britta Pedersen / Montage: BM / dpa/Britta Pedersen

Meine Lieblingsmeldung der vergangenen Woche war diese: Sharon Stone meldet sich bei der Online-Singlebörse Bumble an und wird wieder rausgeschmissen, weil niemand ihr glaubt, dass sie es wirklich ist. Ärgerlich. Für Sharon Stone, für Bumble, aber vor allem für Ottonormal-Dater, der für einen Moment wirklich die Möglichkeit hatte, einen Hollywoodstar zu treffen. Ach, was rede ich: Eispickelmörderin Catherine Tramell aus „Basic InstincT“! Die Frau mit dem aufregendsten Beinüberschlag des Jahrhunderts! Sharon – „Sexiest Woman Alive“ – Stone! „Ist es ein Ausschlusskriterium, ich zu sein“, fragte sich die Schauspielerin anschließend bei Twitter. Offensichtlich. Als wäre Online-Dating allein nicht schon unerfreulich genug. Als Promi muss es die Hölle sein. Oder eine Goldgrube. Wahrscheinlich kommt es auf die Intentionen an.

Ben Affleck, Channing Tatum, Lena Gercke bewarben sich angeblich bei Raya

Vom Problem mit der Glaubwürdigkeit berichtete mir auch schon mein Freund Patrick. Sie erinnern sich? Der „Commissario Brunetti“-Sohn. Auf Grindr wird er häufiger angemahnt, er solle gefälligst nicht ein Foto dieses Schauspielers für sein Profil nutzen. Nicht besser geht es Juso-Chef Kevin Kühnert und Hollywood-Hottie Zac Efron.

Eine Alternative ist die amerikanische Dating-App Raya. Dort bewarben sich der Überlieferung nach schon Ben Affleck, Channing Tatum, Joe Jonas und Demi Lovato als potenzielle Love Interests. In Deutschland sollen diverse Fußballer zur Auswahl stehen, und auch Lena Gercke suchte hier zwischenzeitlich das Glück. Einziger Haken: Die Türpolitik ist strenger als im Berghain. Um die Aufnahme muss man sich bewerben. Mit acht Dollar pro Monat ist die Mitgliedschaft dann aber erstaunlich erschwinglich.

Bleiben Prominente beim Dating unter sich?

Bleiben Prominente beim Dating also lieber unter sich? Dafür sprechen zahlreiche berühmte Paarungen. Haben die sich alle bei Raya kennengelernt? Oder ganz klassisch offline? An Filmsets soll ja einiges gehen. Oder auf Tour. So wie bei normalen Menschen eben auch am Arbeitsplatz. Bei abendlichen Überstunden, auf Dienstreise oder bei der Weihnachtsfeier.

Denn hat man als Prominenter in den Niederungen des herkömmlichen Online-Datings die Hürde der Verifizierung genommen, steht schon das nächste Problem ins Haus. Wer will nur meinen Ruhm, meinen Namen, mein Geld? Und wer möchte mich wirklich kennenlernen? Zumindest wenn die Suche nach echter Liebe das Ziel ist. Für alle anderen Belange dürfte ein bisschen Angeberei mit der eigenen Berühmtheit sogar förderlich sein.

Sophia Thomalla und Loris Karius sollen sich bei Instagram kennengelernt haben

Beliebtes Anbahnungsinstrument ist auch Instagram. Ihre Accounts bespielen viele VIPs – von Hollywood bis Dschungelcamp – nämlich tatsächlich selbst. Sophia Thomalla und Loris Karius sollen sich so kennengelernt haben. Schaut man sich mein Lieblingstrashformat „Bachelor in Paradise“ an, hat man das Gefühl, jeder hatte dort schon mal was mit jedem. Eingefädelt bei Instagram. Also vielleicht einfach mal dem Objekt der Begierde eine direkte Nachricht schreiben? Die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass sie tatsächlich gelesen und beantwortet wird. Viele Kandidaten sind daneben aber auch beim Klassiker Tinder zu finden. Habe ich gehört. Von Freunden.

Nicht selten funkt es daneben zwischen Prominenten und Menschen in ihrer Peripherie. Also Manager, PR-Agenten, solche, die häufig mit ihnen zu tun haben. Auch Journalisten. In diesen Fällen wäre ich wirklich gerne einmal beim ersten Treffen dabei. Um zu lernen. Wer macht da den ersten Schritt, frage ich mich immer. Denn egal wie gut ich jemanden finde, den ich interviewe: Ich würde mir eher die Zunge abbeißen, als einen Promi nach einem Date zu fragen. Ehrlich gesagt hätte ich Sorge um den Verlust meiner Professionalität. Wahrscheinlich ist das dämlich. Ich nehme an, es gibt Menschen, die würden ganz anderes aus dieser Pole Position machen.

Die erwähnten Dating-Sites: